Ein Start-up wetzt die Messer

Mornin' Glory geht Männern an die Haut


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Mornin‘ Glory ist ein monatlicher Versand-Service für hochwertige Rasierklingen zur männlichen Nassrasur. Wie der Firmenname vermuten lässt, richtet sich das Start-up dabei exklusiv an Männer und nimmt kein Blatt vor den Mund oder andere Körperpartien …

Wie viele Gründerstorys beginnt auch die Geschichte von Mornin‘ Glory mit einer persönlichen Leidens-Erfahrung, die fast jeder Mann kennt: Früher oder später steht man morgens ohne frische Rasierklingen da, hetzt zum Supermarkt und regt sich über die Preise für neue Klingen auf. Von der Verpackung ganz zu Schweigen.
„Rasierklingen kaufen ist für Männer eine absolute Anti-Erfahrung“ fassen Nicolas Stoetter (26) und Fabio Paltenghi (50) ihre Gründungsidee zusammen. Seit November 2012 versenden die beiden mit ihrem Start-up Mornin‘ Glory daher jeden Monat hochwertige Rasierklingen für die männliche Nassrasur bequem nach Hause. Einfacher, günstiger und unterhaltsamer soll das für die Kunden sein.

Bisschen too much? Ganz genau!

Ab fünf Euro kann man die monatlich gewünschte Anzahl Klingen bekommen – allerdings in einer ungewöhnlichen Verpackung: Eine Zigarrenhülse und eine Streichholzschachtel gibt es für Griff und Klingen. Außerdem liegen jeder Sendung Überraschungen wie Bierdeckel oder ein Erinnerungskalender für Freundinnen-Jahrestage bei.
Mornin‘ Glory gibt auch noch Soldatenrabatt, lobt seine Kunden im Bestellprozess mit Sprüchen wie „Gut gemacht, Tiger!“ und die Facebook-Page würde man nicht gerade als jugendfrei bezeichnen. Macho-Alarm? Stereotypen-Schleuder? Too much? Ganz genau! Die beiden Gründer schlagen bewusst über die Stränge.
Nicolas erklärt uns: „Rasierer und Klingen sind mit Abstand die wichtigsten Pflegeprodukte für Männer. Wir treten auf dem Markt gegen die Supermarken Gillette und Wilkinson an. Sie haben das aalglatte Schönlings-Image perfektioniert, also kommen wir von einer ganz anderen Seite“. Mornin‘ Glory will den Kunden auf Augenhöhe begegnen. „Wir wissen, dass Männer nicht immer aussehen wie Adrian Brody“ erklärt Nico weiter. „Der moderne Mann soll männlich sein, aber dann wieder doch nicht. Wir sind verwirrt. Deshalb nehmen wir das ganze Rollending mit einem Augenzwinkern und geben uns oft übertrieben maskulin“.

 

Razor & Blades als Business-Case aus der Uni

Der Entschluss zu gründen entstand bei Nico, als seine damalige Freundin sich regelmäßig an seinen Rasierklingen bediente: „Ich fühlte mich jedes Mal über den Tisch gezogen, wenn ich wieder im Supermarkt stand, um Klingen nachzukaufen.“ Der Sechsundzwanzigjährige hatte das Gillette-Phänomen schon kennengelernt, als er noch an der Uni St. Gallen studierte. Der Markenaufbau von Gillette war ein bekannter Business-Case in BWL-Vorlesungen: Mit rund 80 Prozent Marktanteil beherrschen Gillette und Wilkinson den europäischen Rasierklingen-Markt und geben die Preise vor.
Seit Jahrzehnten haben die Marktgiganten laut den Gründern von Mornin‘ Glory aber keinen echten Mehrwert für den Kunden geschaffen. „Marketing-Innovationen wie das x-te Rasierblatt oder den vibrierenden Griff braucht doch kein Mann“, sagen Nicolas und Fabio und setzen deshalb voll auf die Service-Innovation: Kein Supermarkt, keine lästige Verpackung mehr und keine Versandkosten. Zudem jederzeit kündbar und auch noch unterhaltsam. Das soll den Unterschied machen.

Qualitätsklingen als Hygienefaktor

Die Idee, Rasierklingen über das Internet zu vertreiben, ist nicht neu: Traditionelle Strukturen, hohe Margen und eine riesige Zielgruppe machen den Klingen-Versand attraktiv. Allerdings gibt es weltweit nur eine Handvoll Hersteller für hochwertige Klingen. Diese zu überzeugen entpuppte sich als erste und bis dato schwierigste Aufgabe der Gründer, denn die Lieferanten stehen dem Online-Handel nach wie vor skeptisch gegenüber.
„Über mehrere Wochen habe ich fast jeden Tag dort angerufen und nach einem Termin gefragt“ sagt Nico. Das habe Eindruck gemacht, genauso wie das heterogene Gründerteam und die namhaften Investoren. Nach über sechs Monaten Verhandlung konnte das Gründerteam den Hersteller schließlich für sich gewinnen. Nun lerne man zusammen. Einen großen Hersteller zu gewinnen sei der wichtigste Baustein für die Gründung gewesen. Denn die Qualität, glauben Nico und Fabio, ist bei Rasierklingen ein absoluter Hygienefaktor.

Senior und Junior überzeugen Maire und andere Business Angels

Kennengelernt haben sich die beiden Gründer während eines Job-Interviews in New York. Das ungewöhnliche Team aus dem jungen Überflieger und dem 50-jährigen Ex-Banker mit Start-up-Expertise machte Mornin‘ Glory schnell für eine Reihe von Investoren wie Christophe Maire oder JMES-Investments zur vielversprechenden Anlage. Bereits zum Launch der Website Ende November 2012 hatten die beiden eine mittlere sechsstellige Summe eingesammelt.
Nicolas Stoetter ist der Stürmer und Dränger im Team. Schon mit 17 verkaufte er seine zu Schulzeiten gegründete Firma für einen mittleren fünfstelligen Betrag. Im selben Jahr machte er als jüngster seines Jahrgangs Matura am Lyceum Alpinum Zuoz. In St. Gallen schloss er das BWL-Studium schließlich unter den besten fünf Prozent ab und nahm auch die Idee für das Razor & Blades-Modell in die Praxis mit.
Der gebürtige Schweizer Fabio Paltenghi hingegen ist „die Stimme der Vernunft“ bei Mornin‘ Glory. Seine Karriere im Banking wurde ihm Anfang der 90er zu langweilig und er widmete sich der Umsetzung eigener Ideen. Der ehemalige UBS-Vice-President bringt jahrelange Gründungs-Erfahrung aus New York und London mit, wo er 2000 bereits Managing Director eines Startup mit 50 Mitarbeitern war. Fabio kümmert sich daher bei Mornin‘ Glory um das Fundament. Er betreut die Bereiche Corporate, Operations und Sourcing. Dabei tritt er auch mal auf die Bremse, wenn Nico im Marketing oder Produktbereich der Übermut packt.
Auch im mittlerweile zehnköpfigen Team des Rasierklingen-Service soll es eine gesunde Mischung aus „Know How“ und „Wanna Right Now“ geben. Für die Schlüsselpositionen PR und Marketing haben Nicolas und Fabio daher erfahrene Seniors an Bord geholt, die beim Aufbau von Unternehmen wie Mister Spex und Xing dabei waren. Denn wer es mit den Marktführern aufnehmen will, braucht ein erfahrenes Team.

Schnittige Pläne

Ein halbes Jahr nach dem Launch zeigt dieser Kurs erste Erfolge: Mornin‘ Glory kann schon vierstellige Kundenzahlen vorweisen und versendet Rasierklingen in alle europäischen Länder. Noch in diesem Jahr soll gezielt internationalisiert werden und auch das Sortiment wird ab Jahresmitte kontinuierlich ausgebaut. So soll Mornin‘ Glory in den nächsten Jahren zu einer festen Größe in Europas Badezimmern heranwachsen.

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