Familien-Gespann unter Strom

Münchener Business Plan Wettbewerb

Autor: Min Hae Larissa Kiesel
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Die Maschinenwerk Misselhorn GmbH ist als generationsübergreifendes „family business“ angetreten, um die Stromerzeugung zu revolutionieren. Wertvolle Starthilfe sicherte sich das Onkel-Neffe-Gründerteam auch durch den Sieg beim Münchener Business Plan Wettbewerb.

Mitgründer Mark Misselhorn (l.) mit Vater Ernst-August Misselhorn (sitzend), zwei Kollegen aus dem Team und Onkel Jürgen Misselhorn (r.) wollen die Stromerzeugung revolutionieren

Mein Onkel mit seiner Erfindung hat mich völlig von meinem eingeschlagenen Lebensweg abgebracht“, erklärt Mark Misselhorn ganz offen und lächelt dabei. In diesem Jahr hat der junge Geschäftsführer der Maschinenwerk Misselhorn (MWM) GmbH mit dem Onkel den Münchener Business Plan Wettbewerb gewonnen, eine sechsstellige Finanzierung mit Risikokapital sichergestellt und seinen zukünftigen Kundenstamm kennengelernt. Und wenn es so weiter läuft, muss der promovierte Volkswirt nicht mal seinen eigentlichen Traum von internationaler Entwicklungshilfe begraben.

Das „Misselhorn-Verfahren“

Die Technologie entwickelte Mark Misselhorns Onkel Jürgen Misselhorn nach 30 Jahren Erfahrung als beratender Ingenieur. Seine Kunden, Industrie-Unternehmen und Kraftwerksbetreiber, waren schon lange vergeblich auf der Suche nach einem Verfahren, um entstehende Abwärme effizient zu nutzen. Zwar gibt es durchaus Möglichkeiten, um aus dieser überschüssigen Wärme mit Dampfturbinen wieder Energie oder Heizwärme zu erzeugen, allerdings liegt die Grenze für eine wirtschaftlich sinnvolle Nutzung bei 100 Grad Celsius. Biomasse- und Geothermie-Anlagen sowie viele Industrie-Prozesse erzeugen aber „kühlere“ Abwärme. Der „Misselhorn-Prozess“ verwandelt Abwärme schon bei circa 70 Grad Celsius effizient in Strom. „Damit vermindern wir nicht nur die CO2-Emissionen, sondern erzeugen gleichzeitig CO2-neutralen Strom.  Die Betreiber können ihre Energiekosten senken, oder durch die Einspeisung sogar Geld verdienen“, fasst Mark Misselhorn die Vorteile zusammen.

Zwei Jahre lang brauchte Jürgen Misselhorn für die Entwicklung des thermodynamischen Verfahrens, das sich mit einer innovativen Ventilsteuerung von der Konkurrenz abhebt. Obwohl der Anstoß direkt aus dem Markt kam, war der Ingenieur damit noch weit entfernt von der Realisierung und Vermarktung. „Mein Onkel ist einfach ein typischer Erfinder und nahm ganz selbstverständlich an, dass die Welt einer solchen bahnbrechenden Technologie von alleine hinterherlaufen würde“, erklärt Mark Misselhorn. Als dieser Effekt ausblieb, wandte er sich an seinen damals fast dreißigjährigen Neffen – und stürzte ihn nach anfänglichem Desinteresse schnell ins Dilemma: „Nach meinem VWL- und Politik Studium wollte ich in die internationale Entwicklungshilfe gehen. Ich hatte ein neuartiges Messverfahren für Armut entwickelt. Aber gereizt hat es mich schon, ein eigenes Unternehmen aufzubauen …“

Der Neffe kam, sah und handelte

Wer den schnell denkenden und schnell sprechenden, dabei aber grundsolide wirkenden Mark Misselhorn erlebt, kann sich sofort vorstellen, warum der Onkel auf ihn setzte. Aber erst mal wollte der „technologische Laie“ wissen, ob das Verfahren wirklich trägt. Wissenschaftler zeigten sich schnell überzeugt und waren sogar bereit, erste Türöffner für das Projekt zu werden. Aber noch mehr musste geklärt werden: „Wenn ich schon meinen geplanten Lebensweg für das Unternehmen aufgeben würde, wollte ich als Geschäftsführer die Strategie vorgeben können“, so Mark Misselhorn, „mein Onkel sollte sich weiterhin auf die Technologie konzentrieren.“ Auch auf ein verstärktes Gründerteam bestand Mark Misselhorn. Dazu kamen sein ehemaliger Studienkollege Peter Dumitsch, der schon ein eigenes IT-Unternehmen gegründet hatte, (Foto, 3. von links) und als weiterer Ingenieur Mark Misselhorns Vater Ernst-August (im Foto sitzend).

Mark Misselhorn und sein Onkel Jürgen Misselhorn sind zu einem erfolgreichen Team zusammengewachsen

Die Frage der Anteilsverteilung verlief im vertrauten Familien- und Freundesteam reibungslos. Passend dazu kam erstes Kapital von weiteren Freunden und Mitgliedern der gespannt-optimistischen Großfamilie Misselhorn. Dann ging es los. Zunächst mit der Umsetzung der Technologie in einem Funktionsmuster, einer stark verkleinerten Maschine, um die Wirkung zu demonstrieren. Geschraubt, geschweißt und gebaut wurde fast jede Komponente selbst, in der Garage des neu bezogenen Büros in München (siehe Foto). Der Eigenbau hatte finanzielle Gründe und war manchmal zäh. Während der Bauphase fand das generationenübergreifende Team weiter zusammen. „Nachdem mein Onkel sein Leben lang selbständig gearbeitet hatte, war es anfangs gar nicht einfach für ihn, sich von seinem Neffen etwas sagen zu lassen. Aber die Vertrauensbasis eines Familien- und Freundesteams ist einfach unbezahlbar“, resümmiert Mark Misselhorn.

Krise und Risikokapital

Die Zeit für die Idee des „Misselhorn-Verfahrens“ schien reif zu sein. Cleantech-Unternehmen stießen auf viele Fördermöglichkeiten und hellhörige Investoren. Die Misselhorns erhielten Fördermittel des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Gespräche mit Kapitalgebern liefen. Aber dann kam die Finanzmarkt-Krise. Vonseiten der Investoren hieß es „tolle Technologie und großer Markt“, aber ihr Geld steckten sie lieber in fortgeschrittene Unternehmen.
Anfang 2010 lernten die Misselhorns dann die Go4 Beteiligungen GmbH kennen – vier erfolgreiche Unternehmer, die in erneuerbare Energien investieren wollten. Die privaten Risikokapitalgeber sind ein Glücksfall. Mark Misselhorn: „Wir bekommen nicht nur Geld, sondern profitieren auch von der unternehmerischen Erfahrung. Und die menschliche Ebene passt.“ Das habe es besonders für seinen Onkel leichter gemacht, Anteile abzugeben.

Prämierter Businessplan lockt potenzielle Kunden

Am Geschäftsmodell feilten Mark Misselhorn und sein Team beim Münchener Business Plan Wettbewerb, gekrönt vom ersten Platz im Sommer 2010. Nach dem Wettbewerbs-Sieg kamen viele potenzielle Kunden auf sie zu. „Wir werden den Preis für die Maschinen so gestalten, dass die Kunden in einer relativ geringen Amortisationszeit von vier bis fünf Jahren Profit sehen“, erklärt Mark Misselhorn. „Langfristig werden wir noch die Alternative anbieten, unsere Maschinen bei Anlagenbetreibern aufzustellen, die Abwärme abzukaufen und selbst ins Stromnetz einzuspeisen. Das hat auch den Vorteil, dass wir uns von der stark konjunkturabhängigen Bereitschaft, Maschinen zu kaufen, lösen.“

Aktuell wird der einsatzfähige Prototyp gebaut. Ein weiterer Förderantrag läuft und die Go4 Partner haben eine Folgefinanzierung, gern auch mit weiteren Investoren, in Aussicht gestellt. Die Marktaussichten sind hervorragend. Auf lange Sicht wollen die Misselhorns außerdem aus Solarenergie umweltverträglich und kostengünstig Strom erzeugen, auch auf dem Weltmarkt. Und dann schließt sich der Kreis für Mark Misselhorn mit dieser Vision: „Unsere Maschinen stehen überall auf der Welt, auch in den Entwicklungsländern, als kleine, dezentrale Systeme zur unabhängigen und umweltfreundlichen Stromerzeugung. Egal wo und wie Wärme entsteht, man kann sie zu Strom machen.“

Münchener Business Plan Wettbewerb

Viel mehr als ein Wettbewerb: Der MBPW ist die zentrale regionale Plattform für Gründung und Finanzierung von innovativen Unternehmen im Raum München und Südbayern. Hinter der Initiative stehen Wirtschaft, Politik, Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Die zentralen Angebote sind der Business Plan Wettbewerb mit Gesamtpreisen von über 50.000 EUR pro Jahr, intensives Coaching für Gründer bzw. Unternehmer und das Finanzierungsnetzwerk mit Venture-Capital-Investoren, Business Angels, öffentlichen Förderinstitutionen und Banken, www.mbpw.de

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 04/2010

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