Anden-Alpen-Business

Autor: Melanie Kuppelwieser
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Nachhaltig, sozialverträglich und hochwertig – das sind die Erfolgskomponenten des peruanisch-bayerischen Babymode-Labels Mama Ocllo.

Co-Gründerin Martina Sturainer in der familiengeführten peruanischen Schneiderei, in der die hochwertigen Stoffe für die Babymode entstehen

Im Jahr 2007 kreuzten sich die Wege der drei Gründer von Mama Ocllo zum ersten Mal. Martina Sturainer lernte während ihres Auslandssemesters an der Universität in Perus Hauptstadt Lima die französisch-portugiesische Modedesignerin und Linguistin Telma Sousa De Brito sowie den peruanischen Wirtschaftsingenieur Gustavo Cueto Alvildo kennen. Aus dieser Freundschaft entstanden dann – auch bedingt durch die Ehe zwischen Martina und Gustavo – der Traum und die Vision, ein deutsch-peruanisch-französisches Projekt auf die Beine zu stellen.

2013 wurde dann Mama Ocllo gegründet: Seit diesem Zeitpunkt produziert das Team nachhaltige, farbenfrohe und limitierte Kleidung für Babys aus hochwertiger Pima-Bio-Baumwolle und seltenen Naturmaterialien. So wurde aus dem Wunsch, die Distanz zwischen den Heimatländern zu verringern, eine Geschäftsidee, die heute eine unternehmerische Brücke zwischen dem Andenstaat und Deutschland bzw. Europa schlägt: Europäischen Konsumenten werden die „Schätze Perus“ zugänglich gemacht und in Peru entstehen dadurch sichere Arbeitsplätze und vieles mehr.

„Wir wollen dem Land nicht seine Rohstoffe entziehen, um diese fernab der peruanischen Grenze weiterverarbeiten zu lassen, sondern vielmehr soll durch die Produktion im Andenstaat eine gemeinsame Wertschöpfung innerhalb der gesamten Produktionskette – vom Anbau bis zum Endverbraucher – erzielt werden“, erklärt Martina Sturainer de Cueto das Konzept.

Gemeinsam wachsen

Wichtig ist dem jungen Team auch das gemeinsame Wachstum mit den peruanischen Produzenten in Form einer langfristigen Zusammenarbeit. Deshalb werden alle Produkte wie etwa Wickelbody, Strampler und Kuscheltiere zu 100 Prozent in Peru hergestellt. Seit der Gründung entwickelt Mama Ocllo kontinuierlich neue Produkte, mindestens zweimal pro Jahr wird in Peru eine Produktion durchgeführt. Außerdem sind Martina Sturainer, ihr Mann und ihr inzwischen dreijährige Sohnemann ein bis zwei Mal pro Jahr vor Ort: „Dort überzeugen wir uns, ob die sozialverträglichen Arbeitsbedingungen wirklich eingehalten werden und pflegen die Beziehungen zu unseren Lieferanten.“

Mit PR, verschiedenen Kampagnen, Verlosungsaktionen und vielem mehr will Martina Sturainer die Marke Mama Ocllo nun in Deutschland und in Europa weiter bekannt machen. Da die Produkte durch ihre seidenweiche Haptik vor allem für Babys mit Hautproblemen und Neurodermitis ideal sind, spricht sie auch gezielt Kinder- und Hautärzte an: „Erst kürzlich wurden wir in einem Neurodermitis-Ratgeber vorgestellt. Da wir unseren farbenfrohen Produkten auch native Baumwollfasern beimischen, können wir komplett auf synthetische Farbstoffe verzichten, was uns von vielen anderen Babymoden-Herstellern unterscheidet.“ Auch Kooperationen mit anderen nachhaltigen Unternehmen wie Ecover oder der Wildling Shoes GmbH sowie ein gutes Netzwerken mit Partnerfirmen stehen immer wieder auf dem Plan von Martina Sturainer.

Die peruanische Strickerin Juana Zapana ist Teil des Social Business. Sie strickt im Auftrag der Non-Profit-Organisation Manuela Ramos für das Label Mama Ocllo kleine Baby-Accessoires

Nachhaltigkeit als roter Faden

Peruanische Pima-Baumwolle ist selten, zählt zu den besten Baumwollarten weltweit und eignet sich besonders gut für hautempfindliche Babys. Pima wird auch als die „Seide Südamerikas“ bezeichnet und ist schadstofffrei. Sie lässt die Haut des Babys atmen und wirkt gleichzeitig temperaturausgleichend. Der Anbau der Baumwolle erfolgt ausschließlich auf GOTS-zertifizierten Flächen in den fruchtbaren Täler Nordperus. Damit nur die intakten und reifen Baumwollfasern geerntet werden, setzen die Bauern vor Ort auf Handernte und Handlese. Ebenfalls in Nordperu werden die Naturfasern von einem bio-zertifiziertenUnternehmen zu hochwertigen Stoffen verwebt.

Durch den vollständigen Verzicht auf schädliche Chemikalien im Anbau sowie in der Weiterverarbeitung der Baumwolle bleiben die thermischen und haptischen Eigenschaften der Naturfasern erhalten. Außerdem werden für die Babykleidung nur Farben verwendet, die nach dem OEKO-TEX® Standard 100 zertifiziert sind. Alle Designs für die bestehenden und neuen Produkte wurden und werden in Paris von Telma Sousa De Brito entworfen. Nach diesen Entwürfen werden in Peru anschließend erste Muster entwickelt. In Lima werden die Baumwollstoffe dann bei Bedarf gefärbt, auf Wasserbasis bedruckt oder aufwendig bestickt. Die gesamte Konfektion obliegt einer familiengeführten Schneiderei, die auf viele Jahre Erfahrung in der Textilindustrie zurückblickt. Dazu Martina Sturainer de Cueto: „Die Zusammenarbeit mit dem familiengeführten Betrieb in Lima funktioniert stets einwandfrei. Uns ist wichtig, dass dort unter fairen, sozialverträglichen und sicheren Arbeitsbedingungen gefertigt werden kann.“

Social Business

Die süßen und weichen Kuscheltiere, die Mama Ocllo ebenfalls verkauft, werden von Frauen in Puno gestrickt. Puno zählt zu einer der ärmsten Regionen in Peru. Geschult und entlohnt werden sie dazu von der feministischen Non-Profit-Organisation Manuela Ramos, die sich seit über 35 Jahren erfolgreich für die Rechte von Frauen in Peru einsetzt. Mit ihrer Strickkunst sichern sich die Frauen ein wertvolles Zusatzeinkommen und können damit ihren Beitrag zum Familieneinkommen leisten.

Gemeinsam mit der peruanischen Frauenorganisation entwickelt Mama Ocllo neben den Kuscheltieren auch Baby-Accessoires wie zum Beispiel warme Schühchen aus Baby-Alpaka-Wolle. Die verwendete Alpaka-Wolle stammt aus einer artgerechten Tierhaltung. Dies bedeutet, dass die Alpakas sich frei im andinen Hochland bewegen dürfen und immer bessere Schermethoden entwickelt werden, sodass bei der Schur nur selten ein Tier Verletzungen davonträgt. Erst nach einer intensiven Qualitätskontrolle in Peru werden die Produkte nach Deutschland geschickt. Gelagert werden sie direkt im Lager im oberbayerischen Stephanskirchen. Hier wird jedes Produkt erneut auf Fehler kontrolliert, bevor die neue Lieferung im Onlineshop eingestellt wird.

Das Design der Baby-Kleidung wird in Paris entworfen; in Peru werden die Muster entwickelt und die Produktion gefahren – der Verkauf und Versand erfolgt dann in Deutschland


Langfristige Kundenbindung

Das junge Unternehmen setzt auf ein langsames, dafür aber nachhaltiges Wachstum. Angefangen bei den ersten Entwürfen, über die Entwicklung von Prototypen und Praxistests, bis hin zur Produktion vergehen für gewöhnlich mehrere Monate. Da jedes einzelne Produkt für sich höchsten Ansprüchen auf dem Markt gerecht werden soll, spezialisierte sich Mama Ocllo bisher auf Babys erstes Lebensjahr. Anfang 2017 wird es dann erstmals Tag- und Nachtwäsche für Kinder im Alter von 0 bis 24 Monaten geben.

Parallel tastet sich das hoch motivierte Team an die Entwicklung von Wäsche für größere Kinder heran, um so auch eine langfristige Kundenbindung zu ermöglichen. „Immer wieder werden wir von unseren Kunden gebeten, gute Unterwäsche für Kleinkinder zu entwickeln. Hier scheint eine große Nachfrage vorhanden. Wir haben Zugriff auf die kostbarste Baumwolle auf dem Markt, kooperieren mit erstklassigen Produzenten und wissen aus eigener Erfahrung, worauf insbesondere bei Wäsche für extra sensible Baby- und Kinderhaut zu achten ist“, so die 33-jährige Unternehmerin.

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