Magazino: die Hightech-Aufräumer in der Logistik-Branche

Innovative Lager- und Kommissionierungslösungen

Autor: Min Hae Larissa Kiesel
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Nikolas Engelhard, Lukas Zanger und Frederik Brantner von der Münchner Magazino GmbH entwickeln innovative Lösungen für platzsparende Lagersysteme. Die ersten Referenzkunden sind gefunden, Kapitalgeber ins unternehmerische Boote geholt worden worden. Jetzt macht das junge Start-up mit dem 1. Preis beim Münchener Businessplan Wettbewerb 2014 von sich Reden. Hier lesen Sie die spannende Gründerstory:

magazino Nikolas Engelhard, Lukas Zanger und Frederik Brantner
Die Magazino-Gründer: Nikolas Engelhard, Lukas Zanger und Frederik Brantner


Die perfekte Aufräummaschine

Angefangen hat alles, als Frederik Brantner eine Freundin besuchte, die in einer Apotheke arbeitete und er zufällig mitbekam, wie sie den Kommissionierautomaten bestückte. Damals aber war er von dem Grundprinzip fasziniert. „So etwas wünschte ich mir für zu Hause: eine Einrichtung, in die ich meine Sachen ungeordnet reingeben kann, dann werden sie automatisch verräumt und wenn ich etwas brauche, kann ich am besten über eine App auf meinem Smartphone das entsprechende Bild raussuchen.“ Eine solche „Aufräummaschine“ steht bis heute nicht in Brantners Wohnung, aber schnell rührte sich bei ihm der unternehmerische Instinkt.

Per Creative-Thinking zum Gründer-Trio

Spontan lud Brantner zwölf unternehmerisch und technologisch versierte Freunde zu einem „Creative-Thinking“-Wochenende ein. Wie kann man aus dem existierenden System etwas Größeres, Besseres mit breiteren Anwendungsmöglichkeiten machen? An wen könnte man es verkaufen? Beantwortet wurden die Fragen damals noch nicht, aber Brantner fand einen Mitstreiter: den jungen Ingenieur Lukas Zanger. Das dritte Teammitglied lernte Brantner kennen, als der IT-Experte Nikolas Engelhard einen Vortrag über automatische Bilderkennung hielt.

Das so formierte Magazino-Gründer-Trio setzte sich im Herbst 2011 eine Frist bis zum nächsten Frühjahr, um bis dahin konkrete Pläne für ein Produkt und ein Unternehmen gefasst zu haben. Das erwies sich zwar als zu sportlich, aber ein wichtiges Learning kam dabei heraus, so Brantner: „Wir dachten, o.k. es ist vorbei – aber dann machten wir doch weiter. Und das, glaube ich heute, ist eine ganz typische Situation, die Unternehmer bewältigen müssen.“

Hochschul-Förderungen

Damit das Team Vollzeit für die eigene Gründung arbeiten konnte, beantragte Magazino über die Technische Universität München und die Entrepreneurship-Einrichtung UnternehmerTUM ein EXIST-Stipendium für Gründer an Hochschulen. Eingebunden in das EXIST-Programm, aber auch dank guter persönlicher Vernetzung, konnten die drei bei der Produktentwicklung auf breite Unterstützung setzen. Wissenschaftler und Studenten am Lehrstuhl für kombinatorische Optimierung an der TU München beschäftigten sich mit Lager-Algorithmen für unterschiedliche Objekte, was sehr hilfreich war. Vom Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik kam Unterstützung bei der Analyse, welche Anwendungen in der Industrie nach welchen neun Lösungen verlangen.

Schließlich holten Brantner und seine Kollegen noch den Lehrstuhl für Industriedesign mit ins Boot: „Das erscheint im frühen Stadium auf den ersten Blick noch nicht nötig, ich glaube, es ist aber wichtig. Denn Design bedeutet nicht nur, dass etwas gut aussieht, sondern das Design unterstützt die Funktionalität noch, zum Beispiel, indem ein Bildschirm einfach in genau der richtigen Höhe eingebaut wird. Mit unserem Modellen haben wir außerdem bei Investoren einen guten Eindruck gemacht.“

magazino Logistik Kommissionier-Automat für Apotheken
Außen ein Hingucker – innen Hightech: der Kommissionier-Automat für Apotheken. Im Vergleich zum üblichen Regallager können 80 Prozent mehr Arzneipackungen pro Quadratmeter gelagert werden, das spart erhebliche Raum- und Mietkosten
Magazino Münchener Businessplan Wettbewerb Ilse Aigner evobis
So sehen Sieger aus: Die Magazino-Gründer erhalten beim Münchener Businessplan Wettbewerb 2014 die Siegerurkunde aus den Händen der Bayerischen Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und des Vorstandsvorsitzenden der LfA Förderbank Bayern Dr. Otto Beierl. Foto: evobis


Im Visier: die Industrie 4.0

Im Januar wurde Magazino schließlich formal als GmbH gegründet, und eine erste größere Finanzierungsrunde ist in greifbare Nähe gerückt. „Zum aktuellen Zeitpunkt haben wir bereits eine Apotheke als Lead-Kunden und mehrere konkrete Projekte mit Industriepartnern am Laufen“, erklärt Brantner. „Wenn wir es irgendwann schaffen, dass ein Player wie z.B. Amazon unsere Lösung einsetzt, dann können wir richtig groß werden.“ Um das zu erreichen, will man sich mit drei Produktgruppen positionieren. Da sind zum einen die Komissionierautomaten für Apotheken.

Durch den Einsatz von Scheiben statt viereckiger Lagerflächen können im Vergleich zum Regallager circa 80 Prozent mehr Packungen pro Quadratmeter gelagert werden. Eine innovative Kameraerkennungstechnik und die Greiftechnologie, alles angebunden an ein IT-System, verkürzen die üblichen Zugriffszeiten auf Medikamente um 50 Prozent. „Mit Apotheken haben wir damit einen idealen Einstiegsmarkt gefunden, um rund 40 Prozent wird der Bedarf nach neuen Kommisionierautomaten in den nächsten zehn Jahren wachsen. Und Medikamentenpackungen sind ein relativ einfaches Lagerobjekt, da die Verpackung immer rechteckig ist und am Barcode identifiziert werden kann“, so Brantner. Weitere Einzelhandels-Unternehmen zeigten sich am Thema interessiert, denn Magazino könnte auf sieben Quadratmetern bis zu 15.000 Artikel lagern und nach Bedarf ausgeben.

2013 erkannte Magazino aber noch größeres Potenzial: „Pick-and-Place“-Lösungen für Industrieprozesse. „In der Regel läuft es heute noch so, dass Mitarbeiter in der Fertigung für jedes Teil, das sie benötigen, die ganze Lagerungs-Palette kommen lassen. Die Industrie will dahin kommen, dass eher einzelne Objekte ein- und ausgelagert werden. „Unsere Kernkompetenzen lassen sich im ganzen Bereich Industrie 4.0 anwenden“, beschreibt Brantner. Ein weiteres Innovationsfeld ist die sog. Zelluläre Fördertechnik. In großen Lagerhallen wie beispielsweise Amazon sie unterhält, werden die Waren durch Schienensysteme transportiert. Das könnten in Zukunft kleine Fahrzeuge mit dem Know-how von Magazino übernehmen, die mit Greifarmen und einer Kamera ausgestattet sind.

Top-Team sucht Traumkunden

Die Chance, neue Kunden zu überzeugen, bietet sich dem Team im Februar auf der Branchen-Leitmesse LogiMAT. Daneben nutzt Magazino weiterhin das Coaching der Start-up-Institution evobis und wurde in deren Finanzierungsnetzwerk bereits Business Angels, öffentlichen Kapitalgebern und Venture-Capital-Investoren vorgestellt. „Neben unserer technologischen Entwicklung und der Patentanmeldung können wir, glaube ich, vor allem auch mit dem heterogenen Team überzeugen. Wir sind eben nicht drei BWLer, die jetzt mal eine Maschine bauen, aber auch keine drei Ingenieure die den Markt nie vor den Augen haben. Wir vereinen drei unterschiedliche fachliche Hintergründe und ergänzen uns auch sonst sehr gut, vom kontaktfreudigen Praktiker bis zum ruhigen Wissenschaftler“, fällt Brantners Zwischenfazit aus. Und wenn alles gut geht, könnte Magazino schon bald seinen Traumkunden Amazon mit neuesten Lösungen begeistern.

Auf Erfolgskurs

Magazino hat bereits erste Referenzkunden und sicherte sich seine Finanzierung mit Unterstützung durch das evobis Finanzierungsnetzwerk und mithilfe des High-Tech Gründerfonds sowie privater Investoren. Am 17. Juli wurden die Magazino-Gründer für Ihren unternehmerischen Erfolg zusätzlich belohnt: Das ambitionierte Start-up wurde zum Sieger des Münchener Businessplan Wettbewerbs gekürt und setzte sich damit gegen insgesamt 86 Gründer bzw. -teams in der dritten Wettbewerbsstufe durch.

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