Erste Umsätze, Poker-Abende, Fußball und ein Bier

Erste Umsätze, Poker-Abende, Fußball und ein Bier


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Seit Oktober 2008 ist die Internet-Plattform Käuferportal der beiden Gründer Robin Behlau und Mario Kohle online. Lesen Sie, wie sie es trotz Finanzkrise schafften, ein Dutzend Inves­toren zu überzeugen.

Berlin-Gendarmenmarkt, ein Samstag im Februar 2009: Während in den umliegenden Büros schon lange Stille herrscht, ist bei der BeKo Käuferportal GmbH noch immer nicht an Feierabend zu denken. „Für unsere Vision arbeiten wir rund um die Uhr“, berichtet Robin Behlau, einer der Ge­schäftsführer.

Extrawürste aus Mahagoni für den Chef? Nicht in diesem Start-up. Am Schreibtisch gegenüber sitzt ein studentischer Mitarbeiter – die Atmosphäre pendelt von locker bis konzentriert.

Die Idee muss überzeugen

Die Gründerstory beginnt einige Monate vorher – kurz vor Ausbruch der Finanzkrise im luxuriösen Dom­Aquarée in Berlin. Dort trafen sich Behlau und sein Partner Mario Kohle, ebenfalls 24 Jahre alt, mit dem er­fahrenen Internet-Investoren und Spread­shirt-Gründer Lukasz Gadowski. „Unsere erste Ge­schäftsidee hat ihn nicht richtig überzeugt“, so Behlau. Trotzdem entwickelte sich rasch eine gute persönliche Ebene zwischen den drei Männern. „Dieser persönliche Draht zwischen einem Gründerteam und dem ersten Investor ist eminent wichtig“, erzählt Kohle.

Nach weiteren Gesprächen reifte schließlich die gemeinsame Idee, das in den USA etablierte Konzept des Lead Marketings nach Deutschland zu bringen. Beim sogenannten Lead Marketing à la Käuferportal geht es um die Vermittlung von Kaufinteressenten aus dem Internet an regionale Anbieter. Kaufinteressenten kommen auf die Käuferportal-Seite und können dort durch das Ausfüllen eines Produktformulars ihren Wunsch spezifizieren. Die daraus gewonnenen Informationen sowie der Kontakt zum potenziellen Neukunden (der Lead) werden anschließend ano­nymisiert an potenzielle Händler verkauft. Dabei wird die Qualität der Leads und die Kaufbereitschaft der Kunden über die persönliche Qualifizierung jeder Anfrage gewährleistet. „Wir haben ein Konzept, das auch – oder vielleicht gerade in Krisen­zeiten – erfolgreich sein wird. Außerdem transportieren wir unsere Idee mit Feuer und Leidenschaft“, unterstreicht Behlau die Käuferportal-Idee.

Den ersten Investor „knacken“

Mit ihrer Idee und einer guten Präsentation im Gepäck gingen die beiden Gründer wenig später auf Tour zu Business Angels in ganz Deutschland. „Lukasz Gadowski hat uns als Mitgründer viele Türen geöffnet“, sagt Kohle. Es ist ganz wichtig, den ersten Investoren zu „knacken“, um auch dessen Netzwerk begeistern zu können. Insgesamt konnten Behlau und Kohle mehr als ein Dutzend Business Angels überzeugen. Business Angels in Person von erfahrenen Unternehmern wie Ehssan Dariani, Lukasz Gadowski oder Kolja Hebenstreit haben einen Riecher für gute Geschäftsmodelle, investieren aber oft auch „nur“ in gute Teams und entwi­ckeln mit diesen gemeinsam eine passende Idee.

„Vor allem Cash-Flow-basierte Ge­schäftsmodelle, die sich nur zu geringen Teilen aus Werbung finanzieren, haben nach wie vor gute Chancen auf eine kräftige Finanzspritze“, berichtet Behlau aus eigener Erfahrung. „Gerade jetzt wird es für viele Business Angels immer interessanter zu inves­tieren, da Gründungen in Krisenzeiten niedriger bewertet werden als zu Zeiten des Internet-Hypes. Damit steigt letztlich die Rendite der Geld­geber, die in die richtigen Ge­schäfts­modelle und Teams inves­tieren“, er­gänzt Mario Kohle.

Tipps zur Investoren-Suche

Das Beispiel der Käuferportal-Gründung zeigt: Vor der ersten Kontaktaufnahme mit Investoren wie den Business Angels muss aus der Idee bereits ein Geschäftsmodell entstanden sein, welches keinesfalls auf reinen Werbeeinnahmen basieren sollte. Zudem ist es ratsam, ein ambitioniertes Gründerteam zusammenzustellen, das nicht nur aus Spezialisten eines Fachgebiets – wie beispiels­weise Programmierung oder Marketing – be­steht.

Alle wesentlichen Punkte eines klassischen Business­planes sind genau zu durchdenken und in Form einer Präsentation oder eines Kurzkonzeptes niederzuschreiben. Danach gilt es, Geldgeber wie etwa Business Angels ausfindig zu machen, deren Portfolio zur Idee passt.

Ritterschlag und Poker-Abend

Seit Oktober 2008 ist Käuferportal.de online. Die gute Resonanz von Fachhändlern, die sich dem Netzwerk an­schließen, sowie die Vielzahl zufriedener Kaufinteressenten beweisen: Das Modell funktioniert. Öffentliche Unterstützung kommt vom Mittelstandsbeauftragten der Bundesregierung a.D., Rezzo Schlauch, ein Ritterschlag für die Gründer.

Im November 2008 freuen sich Behlau und Kohle über die ersten Umsätze. Doch nicht nur die ersten Einnahmen steigern die Motivation im Team: „Wir haben einen Poker-Abend gemacht, zu dem eigens Pokertische ins Büro geholt wurden“, verrät ein Mitarbeiter. Zudem spielen Mario und Robin regelmäßig mit ihren Mitarbeitern Fußball – und wenn einmal nicht bis in die späten Abendstunden ge­ar­beitet wird, trifft man sich zum gemeinsamen Feierabendbier. „Gute Ideen entstehen nicht durch Hierarchien, sondern entwi­ckeln sich in einem starken Team“, weiß Behlau.

Die Idee kommt an

Seit dem Start kann Käuferportal die Zahl der vermittelbaren Produkte und Dienstleistungen auf insgesamt 20 erweitern, bis Oktober werden es 60 sein. Die Zahl der Mitarbeiter ist in den letzen vier Monaten auf mehr als 25 gewachsen. Die Bilanz nach einem halben Jahr ist aus Gründersicht positiv: „Mehr als 600 Händler haben sich unserem Verkäufer-Netzwerk angeschlossen. Die inzwischen mehr als 1200 eingegangenen Produktanfragen zeigen, wie groß der Bedarf im Mittelstand ist.“

Am Gendarmenmarkt hat sich das Großraumbüro inzwischen geleert. Unterdessen platziert Behlau seine Luftmatratze, und Kohle macht es sich auf einem Sofa im Konferenzraum bequem. Die beiden Gründer übernachten üblicherweise im Büro und gehen morgens in das 250 Meter entfernte Fitnessstudio. Der neue Tag be­ginnt dann wie immer sehr früh, und 25 motivierte Menschen arbeiten wieder gemeinsam daran, das Käufer­portal weiter auf Erfolgskurs zu halten.

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