Entlassung als Chance

Neustart statt Arbeitslosigkeit


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Wie zwei Metallbauer, nachdem ihr Arbeitgeber dichtmachte, ihr eigenes Unternehmen gründeten und ihren lang ersehnten Traum von der Selbständigkeit verwirklichten.

„Wir haben in den letzten Monaten großen Gefallen an unserer selbständigen Tätigkeit gefunden“, sagen heute Jonni Tiedemann und Willi Glaser

Ein altes Sprichwort besagt, dass jedes Unglück auch sein Gutes in sich trägt. Dass dies kein leeres tröstendes Gerede ist, sondern in vielen Fällen Realität, beweist u.a. die Gründerstory mit den Hauptfiguren Willi Glaser und Jonni Tiedemann als Gründer sowie dem hit-Technopark mit seiner angegliederten Beratungsgesellschaft un­ter der Leitung von Dietmar Kunisch-Quadflieg als Beratungsunternehmen.
Und so geht die Geschichte in Kurzform: Ende 2005 schloss das Hamburger Aluminium Werk (HAW) in Finkenwerder scheinbar endgültig seine Tore. Die rund 450 Mitarbeiter erhielten in einer extra gegründeten Transfergesellschaft die Möglichkeit, sich in andere Unternehmen vermitteln zu lassen. Doch einige von ihnen hatten da schon eine vage Vorstellung, wie sie sich mit einer eigenen Geschäftsidee selbständig ma­chen könnten. Diese teils mehr, teils weniger ausgereiften Pläne wurden im Rahmen der internen HAW-Maßnahme „Selbständig mit einer Idee“ gezielt von der hit-Beratungsgesellschaft unter die Lupe genommen.

Dietmar Kunisch-Quadflieg, Leiter der im hit-Technopark angegliederten hit-Beratungsgesellschaft, konnte unter den kompetenten Fachkräften des HAW sehr gutes Potenzial für eine selbständige Tätigkeit ausfindig machen.
„Bei der Beratung dieser Kandidaten ist es besonders wichtig, das psychologische Gründerprofil genau zu beleuchten. Denn eine gute Idee gepaart mit fachlichem Know-how machen allein noch keinen guten Unternehmer aus“, erklärt Kunisch-Quadflieg seine Philosophie; er setzt vielmehr auf typische Gründer-Stärken wie Entscheidungsfreude, Tatkraft und betriebswirtschaftliches Gesamtverständnis.

Die großen Pläne wurden erstmal zurückgestellt

Unternehmensberater Dietmar Kunisch-Quadflieg unterstützte die beiden Metallbauern bei ihrem Schritt in die Selbständigkeit

Willi Glaser und sein ehemaliger HAW-Kollege Jonni Tiedemann sind bei dieser Gelegenheit ihren eigenen Gründerpersönlichkeiten auf die Spur gekommen: Im Juni 2006 haben die beiden auf einem vorerst stillgelegten Geländeabschnitt des HAW einen Metallbau- und Industriemontagebetrieb eröffnet. Bei dem Vorhaben, sich mit der Produktion einer neuartigen Anoden-Jochstangen-Schweißmaschine selbständig zu machen, erfuhren die beiden Fachkräfte durch die Beratung einerseits viel Ermutigung, andererseits aber auch gesunden Realismus.

„Beim Thema Selbständigkeit war die Transfergesellschaft natürlich völlig überfragt. Herr Kunisch-Quadflieg vom hit-Technopark dagegen hat gleich die richtigen Fragen gestellt und uns wichtige Aspekte aufgezeigt“, beschreibt Glaser die Hilfe durch die Berater. So wurde den beiden Metallbauern schnell klar, dass die Produktion ihrer selbst entwi­ckelten Maschine noch auf sich warten lassen muss. Die rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Idee sind noch zu kompliziert und kostspielig, so dass das Projekt vorerst noch ruht.

Dennoch haben die beiden ihren Betrieb für Metallbau und Industriemontage erfolgreich gestartet: Neben der Wartung von Indus­triemaschinen für Firmenkunden fertigt das Duo auch Geländer und Gitter aller Art aus Leichtmetall an und installiert Rollläden und Kunststofffenster. Diese Art Aufträge werden in erster Linie von Privatkunden erteilt und fallen in Jonni Tiedemanns Bereich. „Privatleute wollen ganz anders angepackt werden. Die besucht man in deren Wohnzimmern und muss erst einmal Vertrauen schaffen“, erläutert der Unternehmer die neue Herausforderung.

Ihr bester Kunde – direkt vor Ort

Ihr größter Geschäftskunde hingegen sitzt direkt vor der Tür: Die Produktion von Primär-Aluminium wird auf dem ehemaligen HAW-Werksgelände mittlerweile vom Konzern HYDRO Aluminium betrieben, und dieser ist mit der Lieferung von Ersatzteilen und Durchführung von Reparaturen vor Ort gut bedient. Diesen Service übernehmen Glaser und Tiedemann mit mittlerweile vier Mitarbeitern – und machen damit nahezu wieder ihren alten Job: Denn Willi Glaser leitete im HAW bis zu der großen Entlassungswelle die Zentralwerkstatt des Aluminiumwerks, die mit 34 Mitarbeitern, darunter auch Jonni Tiedemann, die firmeneigene Gießerei mit Ersatzteilen versorgte und Reparaturen vor Ort durchführte.

Die Ziele: Wachstum und mehr Mitarbeiter

„Wir haben in den letzten Monaten großen Gefallen an unserer selbständigen Tätigkeit gefunden, und erste Erfolge geben uns recht“, erläutert Willi Glaser die aktuelle Situation. Für die Zukunft haben die beiden Metallbauer, die bereits seit 18 Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, ihre ganz eigenen Pläne: Das Unternehmen soll weiter wachsen, und es sollen auch noch mehr Mitarbeiter eingestellt werden, sobald die Auftragslage das zulässt.

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