Gründer-Tagebuch Angelika Eder

Tagebuch einer Gründung

Autor: Sabine Korndörfer
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Keine fertige Erfolgsgeschichte, sondern eine Gründerstory „in Echtzeit“ – das bietet Ihnen das Gründer-Tagebuch von Angelika Eder. StartingUp begleitete Angelika Eder ein Jahr lang bei ihrem Start in die Selbständigkeit.

Als Angelika Eder den Entschluss fasste, sich selbständig zu machen, gab es von außen betrachtet dazu weder einen Grund noch besonders gute Rahmenbedingungen. Gründen in einem Jahr, für das sich die Rezessions- und Krisenmeldungen bereits im vorhinein überschlagen haben? „Warum sollte ich auf bessere Wirtschaftsprognosen warten, wenn jetzt alles bereit ist?“, entgegnet Eder.

Dabei ist ihr absolut klar, dass dieser Schritt auch Risiken birgt. Aber die Perspektiven sind – bei entsprechender Vorbereitung – so reizvoll, dass sie von der Richtigkeit ihrer Entscheidung absolut überzeugt ist. Die Geschäftsidee ist schnell erklärt: Als Trainerlotse weist sie Trainer, Coach & Co. den Weg zum nächsten Auftrag. Hierfür bietet sie Unternehmen ihren geprüften Trainerpool an. Darüber hinaus wird sie für einzelne Trainer exklusiv akquirieren.

Was bisher geschehen ist:

Juli 2008

Angelika Eder erkennt, dass ihre Tage bei ihrem Arbeitgeber gezählt sind: „Ich hatte ein sicheres Einkommen. Aber als mir klar wurde, dass ich diese Arbeit nicht für meine persönliche Zukunft halte, weil sie mir keine Herausforderungen mehr bietet, habe ich angefangen, ernsthaft über Alternativen nachzudenken.“ Sie arbeitet im Vertrieb eines Anbieters von Trainings und Weiterbildungen. Etwas Ähnliches möchte sie auch weiterhin tun. Sie denkt über einen Trainerpool nach, den sie vermarktet. Sie fängt an, sich mit Freunden über ihre Absicht zu unterhalten und holt erste Informationen ein. Sie beschäftigt sich neben ihrer Arbeit mit den notwendigen Vorbereitungen, aber es geht nicht so recht voran. Schnell wird ihr deutlich, dass sie mehr Zeit für ihr Vorhaben braucht.

September 2008

Die entscheidende Weichenstellung steht an: Angelika Eder sagt einen bereits geplanten Urlaub ab. Statt wandern zu gehen, ist ihr Urlaubsziel die nächste Gründungsberatung. „Ich habe zwei Erstgespräche mit Gründungsberatern geführt. Beiden habe ich ganz ehrlich gesagt, dass ich mich erst nach dem Vergleich der Beratungsgespräche entscheiden werde. Beide waren gut – aber bei einem stimmte auf Anhieb die Chemie.“ Sie führt zahlreiche Gespräche mit Trainern zur Marktanalyse und macht sich mit Hilfe der Gründungsberatung mit den notwendigen Formalien vertraut. Eine Zeitplanung entsteht: Kündigungsfrist einhalten, arbeitslos melden und die Sperrfrist von der Agentur für Arbeit berücksichtigen, dabei die Voraussetzungen zur Bewilligung von Fördermitteln im Auge behalten. Nicht zuletzt befasst Eder sich erstmals mit der Tatsache, dass sie einen Businessplan erstellen muss.

Oktober 2008

Der Entschluss wird zementiert: Angelika Eder kündigt. Sie trennt sich im besten Einverständnis mit ihrem Arbeitgeber. Als eine Kollegin, die selbst freie Trainerin ist, flapsig bemerkt: „Und wer bringt dann jetzt meine Seminare unters Volk?“, entwickelt sich daraus ein wichtiger Teil des Angebots: Als Trainerlotse wird sie auch Einzelakquisition für freie Trainer anbieten. Die Geschäftsidee mit den beiden Standbeinen Einzelakquisition und Trainerpool wird in einem einseitigen Exposé niedergelegt, das als Basis für den Businesspan und für die Ansprache weiterer Coaches dient. Mit dem Gründungsberater von next move entwickelt sie nun eine erste Einschätzung zur finanziellen Tragfähigkeit ihres Konzeptes.

Welche Unterstützung ist notwendig? Im Marketing und Vertrieb ist sie selbst Profi – da hat sie einen klaren Vorsprung. Dafür benötigt sie Schützenhilfe bei formalen Angelegenheiten gegenüber Arbeitsagentur und Finanzamt. Auch betriebswirtschaftlich, z.B. bei der Erstellung des Businessplans, lässt sich die 42-Jährige beraten: Der Zahlenteil des Businessplans steht zu Eders größtem Erstaunen innerhalb von vier Stunden. „Damit hätte ich mich alleine sicher wochenlang herumgeschlagen!“, glaubt Eder, und freut sich, dass sie sich so frühzeitig Unterstützung gesucht hat. Die soliden Marktkenntnisse, die sie mitbringt, haben die Erstellung des Businessplans sehr erleichtert. Eine Hürde, die vielen Gründern schwer fällt, bleibt Eder erspart: Da es sich bei ihrem Angebot um eine Dienstleistung handelt, die sie erbringen kann, ohne dass eine Vorfinanzierung nötig wird, braucht sie keinen Kredit. Sie beginnt nun mit der Bekanntmachung ihres zukünftigen Angebotes. An dieser Stelle setzt sie auf Netzwerke: Sie besucht Treffen von zwei Unternehmerinnen-Verbänden, mit denen sie bereits vorher losen Kontakt hatte. Ihre Geschäftsidee trifft auf Begeisterung – und auf Interessenten. „Das war mein gefühlter Markteintritt!“, sagt Angelika Eder glücklich.

November 2008

Angelika Eder konkretisiert ihre Gespräche mit interessierten Trainern: Ihre Angebote kann sie detailliert darstellen und auch über Preise sprechen: Was dürfen, können bzw. müssen die Leistungen kosten? „Es gab mir viel Sicherheit, dass ich den Businessplan bereits gerechnet hatte. So kannte ich meine Zahlen und konnte dezidiert verhandeln.“ Potenzielle Kunden werden aus der Menge gefiltert und kleine „Schnupper-Aufträge“ ausgeführt – als Probelauf noch honorarfrei. Das Interesse scheint ungebrochen, aber die Gespräche überschreiten das Stadium von Vorverhandlungen noch nicht. Denn so klar das Angebot bereits ist, so sehr fehlt es noch an organisatorischen „Kleinigkeiten“: Ein aussagekräftiger Name fürs Geschäft muss her, ein Logo soll auch sein, und um dem ganzen den letzten Schliff zu geben, befindet sich bereits ein Internetauftritt in Konzeption.

November 2008: Die Idee für das Logo stammt von Angelika Eder, die Umsetzung leistet eine ehemalige Kollegin, die sich als Grafikerin selbständig gemacht hat

Außerdem läuft im November die bürokratische Maschinerie an, die jeder Gründer durchlaufen muss: Die Prüfung über Freiberuflichkeit oder Gewerbe steht an, sie besucht das Pflichtseminar von der Arbeitsagentur für Gründer, der Antrag auf eine Steuernummer geht ans Finanzamt und nicht zuletzt geht auch die Suche nach einem Steuerberater los. In dieser Phase ist der Gründerberater oft der Retter in der „Schlacht der Formulare und Anträge“.

Dezember 2008

Das Arbeitsamt bewilligt den Gründungszuschuss mit der dreimonatigen Sperre wegen der eigenen Kündigung. Ein Vertragsrechtler entwirft den Vertrag für den Trainerpool. „Meine spannendsten Fragen Ende Dezember waren: Wer unterschreibt meinen Vertrag? Und: Hat die Umschaltung der Telefonleitungen funktioniert oder muss ich am ersten Tag als Unternehmerin improvisieren?“ Da die wichtigsten Arbeitsmittel Computer, Internet und Telefon sind, ist eine bessere Ausstattung notwendig geworden. Angelika Eder kennt bereits Horrorgeschichten von monatelang toten Leitungen – aber alles funktioniert reibungslos.