Ausgewandert in die Selbständigkeit

Kultur-Sprachschule in Kapstadt


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Als Student kam Johannes Kraus im Jahr 2004 erstmals nach Südafrika und belegte einen Sprachkurs. Inzwischen ist aus dem Studenten ein Schulleiter geworden: Seit September 2008 führt der junge Deutsche seine eigene Kultur-Sprachschule in Kapstadt: Wie er es geschafft hat.

Johannes Kraus hat es geschafft: Eine eigene Sprachschule in Kapstadt, die auch Einblicke in die Kultur Südafrikas gibt.

Kurus English bietet vormittags professionellen Englischunterricht in Kleingruppen. An drei Tagen in der Woche finden zudem kulturelle Sprachexkursionen statt, die von den Lehrern begleitet werden und keineswegs touristische Ausflüge, sondern aktivitätsstarke Begegnungen mit der Kultur und den Menschen Kapstadts sind. Sozial anspruchsvolle Themen wechseln sich dabei ab mit Themen des täglichen Lebens. „Im Idealfall werden die Inhalte vom Vormittag dann nachmittags thematisiert und in reale Kommunikation mit echten Konversationspartnern eingebunden“, beschreibt Johannes Kraus den idealtypischen Ablauf, der durch ein privates und geschäftliches Netzwerk in Kapstadt ermöglicht wird. „Wir erleichtern unseren Gästen den ersten  Schritt, nämlich selbst zu sprechen, und begleiten sie auf ihrem Weg, „global communicators“ zu werden. Für nachhaltigen Lernerfolg braucht es vor allem Kontakt mit Menschen und Kultur – und dieser führt zu einzigartigen Begegnungen und Entdeckungen.“

Sprache ohne Kultur?

Mitte 2006, als ihm nicht zuletzt durch Gespräche mit Einheimischen die Idee einer Unternehmensgründung zum ersten Mal in den Sinn kam, hatte Johannes Kraus insgesamt sieben Monate in Südafrika verbracht – zunächst 2004 als Sprachstudent und 2006 als Student an der University of Cape Town. Bereits 2004 hatte Kraus auch einen Englischsprachkurs besucht, doch genau dort schien irgendetwas überhaupt nicht stimmig zu sein. „Der Kurs hatte nicht das Geringste mit Südafrika und den Menschen zu tun. Er hätte in seiner von der umgebenden Kultur isolierten Form auch in London stattfinden können“, wunderte sich Kraus, der zu diesem Zeitpunkt schon restlos begeistert war vom besonderen Kultur-Mix Kapstadts.

Für nachhaltigen Lernerfolg braucht es
vor allem Kontakt mit Menschen und Kultur

Während seiner Zeit als Student in Kapstadt im Jahr 2006 festigte sich der Eindruck immer mehr, es mit einer eigenen Sprachschule besser machen zu wollen. „Eigentlich lag es ja auf der Hand, diese großartige, farbenreiche Kultur mit dem Erlernen der englischen Sprache zu verbinden. Mit dieser Idee bin ich vor Ort gleich auf offene Türen gestoßen und es schien fast, als hätten sie dort unten darauf gewartet. Eine mögliche Realisierung stand damals natürlich in den Sternen, und so habe ich meine Gedanken erst einmal für mich behalten“, so Kraus weiter.

Grünes Licht von Eltern und Hausbank

Die Familie in Aschaffenburg hat ihren Ohren wohl nicht getraut, als Johannes Kraus im Frühjahr 2007 aus Südafrika zurückkehrte, um mit seinen gerade einmal 28 Jahren Pläne für eine Gründung nach Beendigung des Studiums im mehr als 9000 Kilometer entfernten Kapstadt vorzulegen. „Sie waren ein wenig schockiert, haben dann aber schnell gemerkt, dass ich es ernst meine und standen von Anfang an zu 100 Prozent hinter mir.“ Sicher gab es auch Gegenstimmen, gilt doch Südafrika nicht gerade als Inbegriff eines ruhigen und sicheren Lebens.

Zur genauen Ausarbeitung und Prüfung seiner Idee vor Ort ging er nach seinem Studienabschluss als Diplom-Wirtschafts- und Arbeitsjurist im Sommer 2007 wieder nach Kapstadt, diesmal als Praktikant bei einem jungen Unternehmen, das touristische Insidertouren durch Kapstadt anbietet und später zu seinem Kooperationspartner werden sollte.
Den Ausschlag für die Bereitstellung einer sechsstelligen Summe durch die Hausbank gab dann zum einen der Businessplan, bei dessen Erstellung Kraus sein BWL-Wissen aus dem Studium zu Gute kam. Zum anderen spielten sowohl Sicherheiten innerhalb der Familie und der Glaube an einen Erfolg seitens der Verantwortlichen der Hausbank die entscheidende Rolle. Anfang 2008 hatte Johannes Kraus bereits das Geld sicher und buchte den Flug nach Kapstadt – zunächst ohne Rückflug.

Startschwierigkeiten

Firmengründung in Südafrika – wie erwartet eine echte Herausforderung. „Gerade als Nicht-Südafrikaner musste ich einen Haufen Formblätter ausfüllen und Urkunden beibringen, von denen ich noch nicht mal wusste, was genau gefordert wurde.“ Schmunzelnd fügt er hinzu: „Die Registrierung des Firmennamens zum Beispiel musste zunächst durch einen Freund erfolgen und konnte erst später auf mich übertragen werden.“ Auch die Suche nach Unterrichtsräumen gestaltete sich schwierig, wollte man dem Anspruch einer „premium language school“ doch rundum gerecht werden.

Stilvoll und einladend: Im südafrikanischen Kapstadt, Wale Street 70, befindet sich die Sprachschule des deutschen Auswanderers Kraus

Mit dem Gebäude in der Wale Street wurde dann zwar das geeignete Domizil gefunden, doch der Umbau im Innenbereich und eine neue Einrichtung schlugen mit einem fast fünfstelligen Betrag zu Buche – eine Menge Geld in der Gründungsphase. Miete und Personal sind dann auch folgerichtig die beiden größten Fixkostenblöcke. Neben Lebensgefährtin Diana als „Operations Manager“ hat Director Johannes Kraus noch zwei festangestellte Lehrer im Kernteam. Beide sind ausgebildete Lehrkräfte aus Südafrika und bringen als native speakers reichlich Erfahrung im Umgang mit Sprachstudenten von anderen Schulen mit.

„Erstklassiger Englischunterricht ist die Basis unseres Konzepts, da lässt sich nicht sparen. Die Lohnkosten sind natürlich geringer als in Deutschland, trotzdem bewegen sich die gesamten Fixkosten im Monat im mittleren vierstelligen Bereich. Das bereitet mir schon so manche Tage Bauchschmerzen“, gibt Kraus zu. Die kulturellen Sprachexkursionen werden dagegen mit dem externen Touranbieter Coffeebeans Routes, seiner ehemaligen Praktikumsfirma, durchgeführt und nach Kontingent abgerechnet.

Erfolg braucht langen Atem

Hier möchte man gern zur Schule gehen: die modern und farbenfroh gestalteten Räume der 2008 eröffneten Sprachschule Kurus English

Die Eröffnung fand mit vielen Freunden und Bekannten, Gastfamilien und Gastgebern der Sprachexkursionen am 1. September 2008 statt. „Meine Familie hatte schon einen Aufenthalt geplant, aber echte Buchungen hatten wir nur wenige. Und das sollte auch für Wochen so bleiben“, analysiert Johannes Kraus die erste Zeit. Das frische Corporate Design, Geschäftsausstattung, eine umfangreiche fünfsprachige Webseite und erste Marketingunterlagen hat er sich von einer Agentur aus Kapstadt erarbeiten lassen. Natürlich war der finanzielle Aufwand um ein Vielfaches geringer zu dem, was er in Europa dafür hätte bezahlen müssen.

„Unsere Hauptzielgruppe sind Personen ab 18 Jahren, die ihre Englischkenntnisse umfassend verbessern möchten und den Wert interkultureller Kompetenz für Karriere und Leben erkannt haben. Durch anspruchsvolle Themen mit sozialem Hintergrund wollen wir uns von Schülersprachreisen abgrenzen – viele unserer Gäste sind daher deutlich älter.“

Auch Unternehmen stehen ganz oben auf der Liste der Wunschkunden, entweder im Rahmen von Personalentwicklungsmaßnahmen oder Expatriate Programmen für den Fall, dass eigene Standorte in Südafrika bestehen. Telefonische Kontaktaufnahme mit Sprachagenturen im europäischen und südamerikanischen Raum und eine „Europatournee“ des Gründers – der Besuch interessierter Agenturen – waren die ersten Schritte. „Die Agenturen haben feste Partner, und es braucht einfach seine Zeit, um Vertrauen aufzubauen“, stellte das Team um Johannes Kraus fest.

Marketing heißt bei uns vor allem: Zeit und Geduld haben

Ein eigener Stand auf der Sprachmesse Expolingua in Berlin brachte viel Aufmerksamkeit, gute Gespräche mit Interessenten und aussichtsreiche Kontakte für die Zukunft. Der Besuch von Messen und Events bleibt für ihn daher eine wichtige Aufgabe.
Von hoher Bedeutung erscheint dem Gründer auch der Trend des Web 2.0 in Sachen Online-Marketing: Mit eigenem blog und umfangreichem Profil auf Facebook scheint Kurus English auch hier gut aufgestellt.

Mittlerweile nehmen die Anfragen stetig zu. Daneben konnten zahlreiche Kontakte in verantwortlicher Position für eine langfristige Zusammenarbeit mit Kurus English gewonnen werden. „Das sichert uns eine Grundauslastung. Weitere Buchungen erhalten wir über das Internet und in zunehmendem Maß auch über Agenturen. Marketing heißt bei uns vor allem: Zeit und Geduld haben“, zeigt sich Kraus zufrieden mit den bisherigen Zahlen.

Heimweh nach Bundesliga

Das Leben in Kapstadt ist ein anderes als in Deutschland. Dennoch hofft Kraus, dass er mit seiner Kultur-Sprachschule mit dazu beitragen kann, die vielen negativen Vorbehalte seiner Gäste hinsichtlich der Sicherheit ein wenig abzubauen. „Das ist teilweise schon schlimm, wenn man die ausländische Presse verfolgt. Einzelne Vorfälle hier in Südafrika werden übertrieben hochgespielt“, ärgert er sich. „Natürlich ist die Situation hier eine andere als in Europa, aber auch in Berlin gehe ich nach Einbruch der Dunkelheit mit meiner Freundin nicht überallhin.“

Für eine Rückkehr nach Deutschland hat Johannes Kraus noch keine konkreten Pläne. Die Antwort auf die Frage nach dem, was er am meisten an seiner Heimat vermisst, kommt dagegen prompt: „Ich bin großer Fußballfan, und mittlerweile würde ich viel dafür geben, Spiele der Bundesliga wieder einmal live schauen zu können. Ein Online-Ticker ist auf Dauer auch nicht das Wahre!“ Bleibt fast zu wünschen, dass der junge Gründer noch lange verzichten muss! www.kurus-english.com

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 02/2009

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