Meister Eder und sein Quantya

Erfolg in schwierigem Terrain

Autor: Susanne Hartl
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Motocross – eine Sportart in der Krise. Wie Hans Eder aus Marktl am Inn für das Problem eine Lösung fand – und daraus gleich ein komplettes Franchise-System entwickelte: die Quantyaparks.

Das erste Elektro-Enduro-Motorrad vermittelt Fahrspaß pur – ohne Lärm und Umweltbelastungen. Kompliment auch für die Vertriebsidee: Statt einzelne Fahrzeuge zu verkaufen, bietet Hans Eder gleich ganze Motocross-Parks an – per Franchise-Lösung

Die Begeisterung für den Motorsport wurde Hans Eder in die Wiege gelegt: Schon seine Eltern betrieben eine Fahrschule und weiterführende Sportfahrerlehrgänge.So war seine Karriere vorgezeichnet: Hans Eder wurde ein renommierter Trainer für Motorsportfahrer. Doch dann wurde es eng für den Motorsport in Deutschland: Umweltauflagen führten zu immer mehr Streckenschließungen, viele Motorsportfans wichen in den letzten Jahren aufs Mountainbike aus oder ließen ihren geliebten Offroadsport ganz sein. Und damit wäre es auch für Herrn Eder eng geworden, doch der ließ sich was einfallen, und das lief so:

Sein Gedanke: Die Maschinen müssen weg vom Benzin, hin zum Elektromotor. Probleme wie störende Lautstärke oder umweltbelastende Abgase wären damit beseitigt und der Sport könnte wieder unbegrenzt ausgeübt werden. Doch gut genug kannte Eder die Fans des Motorsports, um zu wissen, dass ein elektrobetriebenes Fahrzeug es erstmal schwer haben würde. Um die Kunden zu überzeugen, brauchte er nicht nur die passende Elektromaschine, sondern auch ein Trainings- und Testareal, in dem sich die Fahrer selbst von dem neuen Gerät überzeugen könnten – unkompliziert, preiswert, flächendeckend und ohne Kaufzwang. Soweit die Theorie.

In der Praxis folgte die – zunächst erfolglose – weltweite Suche nach einem Entwicklungsteam für ein geeignetes Elektro-Cross-Motorrad. Erst nach eineinhalb Jahren wurde Eder fündig: Claudio Dick aus Lugano in der Schweiz hatte bereits einen elektrobetriebenen Roller hergestellt – zwar lediglich mit neun Minuten Laufzeit, aber Eder sah Potenzial.

Über zwei Jahre dauerte die Weiterentwicklung der Maschine, zwei Jahre in denen Eder den Hersteller immer wieder von der frühzeitigen Vermarktung der Maschine abhalten musste. 2007 war es dann soweit: Das Fahrzeug hatte eine Laufzeit von zwei Stunden. Bei der ersten eigenen Probefahrt durch die Schweizer Berge wusste Eder: „So sieht die Zukunft aus: volle Zugkraft, totale Action, aber ohne Getriebe oder den geringsten Laut und null Abgase.“ Der Name der Maschine: Quantya. Eine Enduro ohne Öl- oder Benzinverbrauch, aufladbar an jeder Steckdose.

Ohne Businessplan zum Erstgespräch

Der technische Grundstein war damit gelegt. Nun musste „für das Spielzeug ein Spielplatz gebaut werden“, den es zu finanzieren galt. Damit hatte Hans Eder einen Schritt zu meistern, der für ihn Neuland war. Er hatte sich bisher noch nie damit beschäftigt, ein bankentaugliches Finanzkonzept zu erarbeiten. Zudem erschien ihm dies, als „eher emotionaler Typ“, auch nicht ganz einfach. So vereinbarte er einen ersten Termin bei der LfA Förderbank Bayern – freilich ohne Businessplan in der Tasche. Ein Vorgehen, das für Helmut Barth, Gründerberater der LfA, durchaus nicht unüblich ist: „Wir bieten Interessenten in unserem Kundencenter oder bei örtlichen Sprechtagen jederzeit die Gelegenheit, ein Gespräch über mögliche Finanzierungshilfen zu führen, kostenfrei und neutral. Darüber hinaus erhält der Kunde einen von uns unterzeichneten Beratungsbogen über konkrete Finanzierungsmöglichkeiten. Den kann er in einem zweiten Schritt bei seiner Hausbank vorzeigen, was nur positiv ist: Der Bank liegen dann bereits Finanzierungsvorschläge vor, außerdem sieht sie, dass der Kunde vorbereitet ist und die Sache ernst nimmt.“

Voraussetzung ist natürlich, dass es dem Neugründer gelingt, die Bank für sein Vorhaben zu gewinnen. Hans Eder hat das geschafft: Er konnte Helmut Barth von seiner Idee eines Motocross-Parks überzeugen. Als Gründungsberater wusste Barth aber auch: Die Begeisterung allein würde bei der Realisierung nicht ausreichen – Eder benötigte ein bankentaugliches Konzept. Hierbei half der Unternehmensberater Georg Haseneder. Nach zwei Monaten intensiver Detailarbeit stand der Businessplan.