Sein Geschäft floriert – dank gelungener Firmenübergabe

Vom Angestellten zum Chef: Nachfolge-Projekt

Autor: Sabine Hölper
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12 Jahre lang arbeitete Kay Herrig als angestellter Gärtner im Berliner Blumenhaus Schamp. Seit Anfang des Jahres ist er selbst der Chef.

Nach einer gründlich vorbereiteten Übergabe durch den ehemaligen Chef konnte Kay Herrig den Schritt vom Angestellten zum Unternehmer problemlos meistern

Was auch immer Kay Herrig anpackt, er macht es gründlich. Sei es, dass eine Kundin ihn fragt, wie man die wuchernden Hecken auf dem Grab ihres Mannes in den Griff bekommt. Dann sagt Herrig: „Ich komme vorbei und schaue mir das erst einmal an.“ Oder die Teilnahme an der Münchner Bundesgartenschau im letzten Sommer. Immer wieder rief der Berliner in München an, um sich zu erkundigen, ob alles in Ordnung sei. Als er dann erfuhr, dass der Bodendecker auf seinem Vorzeigegrab eines Nachts überfroren war, setzte er sich ins Auto, fuhr 600 Kilometer, und pflanzte  einen neuen Buchsbaum. Die Mühe zahlte sich aus: Der Gärtner gewann sechs von sechs möglichen Goldmedaillen für sein Prachtbeet. Kein Wunder also, dass Herrig auch die Übernahme des Blumenhauses Schamp, dessen Inhaber er seit Januar diesen Jahres ist, mit aller gebotenen Gründlichkeit anging. Selbst Unternehmensberater Oliver Arntz, der das Projekt begleitete, lobt seinen Mandanten für dessen „gute Vorbereitung“. Bereits im Mai 2005 hatte der 36-Jährige die Finanzierungszusage in der Tasche – für eine Übernahme, die acht Monate später vollzogen wurde.

Zwölf Jahre ist es nun her, dass Herrig in das Traditionsunternehmen Schamp als angestellter Gartenbau-Techniker einstieg. Inhaber Christoph Brezina leitete das 13-Mann starke Unternehmen gemeinsam mit seiner Frau. Als diese sich vor gut zwei Jahren altersbedingt aus dem Geschäft zurückzog, zeichnete sich allmählich die Wende ab. Der damalige Chef war ebenfalls in einem Alter, in dem man so langsam ans Aufhören denkt. Da die eigenen Kinder das Unternehmen nicht fortführen wollten, musste eine andere Lösung gefunden werden. Herrig, der „immer gut mit Brezina zusammengearbeitet hatte“, entschloss sich, das Blumenhaus zu übernehmen. Die Vorbereitungen konnten starten: Brezina engagierte einen Berater, setzte mit dessen Hilfe den Kaufpreis fest, suchte, obwohl Herrig sein „Wunschkandidat“ war, auf der Nachfolgebörse nexxt-change nach weiteren möglichen Übernehmern und verhandelte mit ihnen. Herrig engagierte seinerseits einen Berater, überprüfte mit dessen Hilfe den Unternehmenswert, kümmerte sich bei verschiedenen Banken um die Finanzierung und begann, Eigenkapital aufzutreiben.

Bei Übernahmen ist es wichtig,
dass die Bestandskunden gehalten werden



Anschließend verhandelten der Noch-Chef und der Noch-Angestellte, feilschten ein bisschen um den Kaufpreis – und schlugen endlich ein. Wieder folgten Verhandlungen – diesmal mit der Sparkasse, die sich ihrerseits mit der KfW beratschlagte, und schließlich mit der Bürgschaftsbank. Nach einigen Wochen Zittern kam dann endlich die Zusage: Die KfW gewährte Herrig zwei zinsgünstige Darlehen: Das Unternehmerkapital, mit dem (unter Anrechnung der Eigenmittel) 40 Prozent der Investitionssumme finanziert wurden, sowie den Unternehmerkredit. Herrig zahlte den Kaufpreis, bestellte einen neues Lieferfahrzeug, investierte in ein Computer-Programm – und schrieb endlich den entscheidenden Brief an seine Kunden: Dass er nun der neue Chef sei, dass er daher zu einem großen Fest einlade, dass aber sonst alles beim alten bleiben würde. „Es ist wichtig, Kontinuität zu vermitteln“, sagt der frischgebackene Unternehmer. „Schließlich lebt der Betrieb von seinen Stammkunden. Und die müssen wissen, dass sie von uns in gewohnter Weise bedient werden.“

Seit fast fünf Monaten ist Herrig nun Chef des Blumenhauses Schamp in Berlin-Willmersdorf. Seine Kunden konnten sich davon überzeugen, dass die Gräber ihrer Verwandten nach wie vor mit edlen Blautannen und Islandmoos vor Frost geschützt werden, dass im Frühling an gleicher Stelle Stiefmütterchen und Osterglocken blühen.

Auch im Bereich Floristik, dem zweiten Standbein des Blumenhauses neben der Dauergrabpflege, finden die Kunden das gleiche, hochwertige Angebot an frischen Schnittblumen und Accessoires. „Bei Übernahmen ist es wichtig, dass die Bestandskunden gehalten werden“, sagt Berater Arntz. Wenn der Existenzgründer nicht rechtzeitig die Weichen stelle, könne es passieren, dass die Kunden weggingen, weil sie keine persönliche Bindung mehr zum langjährigen Unternehmer haben. Herrig hat es geschafft, die Kunden zu binden. Und er hat bereits neue Kunden akquiriert. Der Mann macht seine Sache eben gründlich.

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