"Ich würde es wieder machen"

Eine Gründerin berichtet über Business und Family

Autor: Anne Buch
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In der Ausgabe 04/13 von StartingUp haben wir einen großen Report über "Gründen und Familie" gebracht. "Zwei Abenteuer auf einen Streich" war die Headline - porträtiert wurden 5 Gründerinnen, die offen darüber sprachen, wie es Familien wirklich ergeht, wenn Frau nach der Schwangerschaft ein Unternehmen gründet.

Eine der porträtierten Unternehmerinnen war Anne Buch aus Köln, die 2013 als junge Mutter ihre Online-Plattform EchtPost ins Leben rief. Ihre Geschäftsidee: Echte Postkarten – aus dem Internet – in den Briefkasten. Den Beitrag aus der StUp 04/13 lesen Sie hier - unsere Abonnenten können im Heftarchiv auf den vollständigen Artikel zugreifen:

Jetzt wir wollten wissen, wie es der Kölnerin mit Business und Familie weiter ergangen ist: Anne Buch hat sich dazu geäußert, hier ist ihr spannender Bericht:

Seit meine Website www.echtpost.de Ende 2013 mit der Beta-Version online gegangen ist, sind sechs Monate vergangen, die von einem Auf und Ab der Gefühle geprägt waren: Große Anspannung vor dem Live-Gang der Beta-Version Ende November, Hochstimmung, als in derselben Nacht die erste Bestellung einging, Panik, als immer mal wieder Fehler auf der Website auftauchten, Jubel, als auf Grund eines Presse-Artikels über EchtPost innerhalb von 24 Stunden 120 Neukunden-Bestellungen eingingen, Ernüchterung darüber, dass ich mit den Verkaufszahlen trotzdem hinter denen im Businessplan liege.

Ciao Beta-Version!

Inzwischen ist die Beta-Version von EchtPost Geschichte, die Website ist „fertig“, auch wenn die Liste der Dinge, die ich gern noch verändern möchte, natürlich lang ist. Aber erst einmal sind alle noch fehlenden Features umgesetzt. Da wäre zum Beispiel der Kalender, den jeder Nutzer im registrierten Bereich anlegen kann. Mit einem Klick werden die Geburtstage aller Facebook-Freunde importiert und EchtPost erinnert rechtzeitig per E-Mail daran, eine Postkarte zu verschicken. Ein wesentliches Feature ist darüber hinaus der Terminversand: So kann man Postkarten ab sofort auch im Voraus schreiben und EchtPost verschickt sie zum angegebenen Wunschtermin.



Die Arbeit an der Website hat in den letzten Monaten viel Zeit gekostet, aber es hat sich gelohnt, zunächst mit der Beta-Version online zu gehen und erst im Laufe der Zeit zusätzliche Features fertig zu stellen, da ich auf diese Weise Kundenbedürfnisse berücksichtigen konnte. Beispielsweise war zu Beginn vorgesehen, dass  nur aus Deutschland eine Registrierung möglich ist, die ersten Monate haben aber gezeigt, dass ein nicht unwesentlicher Teil meiner Kunden Deutsche sind, die im Ausland leben.

Das Portfolio wächst mit den Ansprüchen und Kundenwünschen

Zudem wurde vielfach der Wunsch nach einem umfangreicheren Portfolio an Motiven geäußert. Um nicht nur die Anzahl, sondern auch das Spektrum an Motiven zu vergrößern, liegt ein Schwerpunkt aktuell auf der Zusammenarbeit mit Grafikdesignern, Illustratoren und Fotografen. Die ersten Verträge habe ich bereits abgeschlossen, weitere werden in den nächsten Monaten folgen. Ziel ist es, EchtPost als Plattform für hochwertige, originelle Design-Motive zu etablieren.




Ursprünglich entstand die Idee zu EchtPost über Postkartenmotive, die ich selbst gestaltet habe. Inzwischen verbringe ich immer weniger Zeit mit der Gestaltung von Motiven, da so unendlich viele andere Dinge zu tun sind: sei es die Pflege der Website, die Buchhaltung, der Kontakt zu meinen Kunden, das Pflegen des Facebook-Profils, das Schreiben von Blog-Artikeln, die Suche nach Postkartendesignern, der Versand von Pressemitteilungen oder die Umsatzsteuererklärung. Diese Aufgaben füllen meinen Unternehmertag, so dass es zu einer Herausforderung wird, die großen Ziele nicht aus den Augen zu verlieren: Allem voran die Gewinnung neuer Kunden!

Gründen und Familie - nicht alles ist leicht zu stemmen

An manchen Tagen fällt es mir schwer, nachmittags den Computer herunterzufahren, um meinen Sohn pünktlich aus der Kita abzuholen, denn eigentlich würde ich gern weiterarbeiten. Um die fehlende Arbeitszeit auszugleichen, sitze ich dafür häufig an Abenden und Wochenenden vor dem Computer, auch wenn ich mir vorgenommen habe, dies einzuschränken. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass ich mit meiner Zeit genauso wenig hinkommen würde, wenn ich Vollzeit arbeiten würde. Was ich bis hierhin gelernt habe: Ich kann nicht alles so „perfekt“ umsetzen, wie es mir gefällt, sondern muss bereit sein, Kompromisse einzugehen, unternehmerisch zu denken. So versuche ich, mich auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren, die für den Erfolg entscheidend sind.

Ich würde es wieder machen!

Vor allem ist mein Alltag als Gründerin eins: Nämlich spannend. Jeder Tag bringt neue Aufgaben und Erfahrungen. Von Routine bin ich noch weit entfernt, ebenso von der Gewissheit wie es weitergeht. Was ich aber sicher weiß: Ich würde es wieder machen. Die Elternzeit war für mich der richtige Zeitpunkt, um etwas Neues zu probieren, das mir bis hierhin so viele Erfahrungen gebracht hat, die ich auf keinen Fall missen möchte.