Für Augen und Ohren

Multimediale Stadtbesichtigungen für Touristen

Autor: Anne K. Schmidt
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„With a little help from my friends“: Wie die Gründer von AudioTravel mit einem Netzwerk von Verwandten und Bekannten multimediale Citytouren für Individualtouristen entwickeln.

Jungunternehmer Dina und Richard Hagl von „AudioTravel“ entwickeln digitale Reiseführer für individuelle Stadtbesichtigungen

Mit offenen Augen, offenen Ohren und geleitet von ihrer reiseerfahrenen Spürnase geht Dina Hagl auch heute noch durch ihre Wahlheimat München. Selbst nach einigen Jahren in der bayrischen Landeshauptstadt will die gebürtige Amerikanerin immer wieder etwas Neues entdecken.

Geleitet von ihrem Explorationsgeist machte die gelernte Elektroingenieurin vor zwei Jahren Ihr Hobby – Citytouren – zum Beruf und gründete die Firma AudioTravel.

Im Urlaub auf Ideenreise

Die zündende Idee für ihr Unternehmen hatte Dina Hagl zusammen mit Ihrem Ehemann Richard Hagl bei einer Stadterkundung in Athen: Als Urlaubs-Individualisten wollten sie nicht mehr nur den Reiseführern folgen und bei vermeintlichen Insidertipps immer wieder auf Scharen anderer Touristen treffen. „Wie viele lieben wir Städte, wollen sie begreifen, fühlen, riechen – unabhängig von Reisegruppen und dicken, schweren Büchern.“

Mit diesem Vorsatz entwickelte Dina Hagl ihr Konzept für einen Reiseführer im CD- und mp3-Format ergänzt durch ein handliches Booklet mit Hinweisen zu bekannten und neuen Ausflugszielen sowie gastronomischen Empfehlungen und praktischen Tipps. Dieses Paket sollte zunächst für München und auf Englisch konzipiert werden und anschließend in deutscher Sprache erscheinen.

Mit Businessplan ans Werk

Im Mai 2004 beschloss die junge Geschäftsfrau, ihren bisherigen Job, der ihr nur wenig kreative Entfaltungsmöglichkeiten bot, endgültig an den Nagel zu hängen und ihr Konzept in die Tat umzusetzen. Ausgestattet mit einem selbst erstellten Businessplan begann Sie ihre Recherche, verfasste erste Begleittexte, die sie anschließend von professionellen Sprechern vorgetragen im Tonstudio aufnehmen ließ. Die Idee, das Produkt in ihrer Heimat Amerika produzieren zu lassen, verwarf Dina Hagl schon bald. Zwar wären die Herstellungskosten und der bürokratische Aufwand in den USA geringer gewesen, die Kosten für Flüge, Telefonate etc. hätten jedoch zusätzlich zu Buche geschlagen. Für den Standort Deutschland sprach unter anderem die bessere Förderung von Existenzgründern.

Bei kleineren Investitionssummen bis 15.000 Euro
ist die Bewilligung eines zinsgünstigen Kredits
sehr schwierig und daher wenig ratsam.

Familiärer Rückhalt

Bekannte, Freunde und vor allem auch die tatkräftige Unterstützung der Familie ermöglichten nicht nur die Praxistests der ersten Prototypen ihres elektronischen München-Reiseführers, Dina Hagls Schwiegervater und Hobbyhistoriker Siegfried Hagl half bei der Produktumsetzung. Er übersetzte die zunächst auf Englisch verfassten Texte. Eltern und Schwester von Richard Hagl gaben zudem finanzielle Starthilfe, denn mit dem Gesparten konnte das Ehepaar Hagl lediglich die ersten Produktionsschritte vornehmen. Beim Vertrieb des Produktes in den USA baute Dina Hagl ebenfalls auf die Hilfe ihrer Familie. Da der Verkauf der Reiseführer in erster Linie über das von ihrem Mann errichtete Internetportal erfolgt, konnten auch an dieser Stelle die Ausgaben niedrig gehalten werden.

Gründer-Know-how nutzen

Ihr kleines Unternehmen zusätzlich mit Hilfe eines Kredits zu finanzieren, kam für die Hagls nicht in Frage. „Besonders bei kleineren Investitionssummen bis 15.000 Euro ist die Bewilligung eines zinsgünstigen Kredits sehr schwierig und daher wenig ratsam“, resümiert Richard Hagl seine Bankengespräche. Positiv bewertet Dina Hagl die Unterstützung durch die Gründerportale der IHK und des RKW (Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft). Die Fördergelder und Fortbildungsangebote vor allem im Bereich Buchhaltung und Steuerrecht waren hilfreich.

Der IHK-Berater machte sie auch auf StartingUp aufmerksam. Mit Hilfe der Informationen zum Thema Messeplanung und Umsetzung (Heft 04/2005) waren die Jungunternehmer bestens für ihren ersten Messeauftritt auf der komma, der Fachmesse für Kommunikation und Marketing in München, gerüstet. „Dank der vielen nützlichen Tipps im StartingUp-Magazin, speziell zur Kostenkalkulation und zum Timing für den Versand der Messeeinladungen, war die komma für uns ein voller Erfolg!“, bilanziert Dina Hagl.

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