Unternehmerin mit großem Herzen

Haare schneiden im Haus der Kunden


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Marion Dohle ist eine Idealistin: Mit geringem finanziellen Einsatz, aber umso größerem Engagement und Servicedenken versteht sie es, ihre Kunden von ihrem mobilen Friseursalon zu begeistern. Ihr Lohn: dankbare Kunden, kräftiger Zulauf, viel Mund-zu Mund-Propaganda

Im Umkreis von 20 Kilometern verlangt Marion Dohle keine Zuschläge, wenn sie ihre Kunden besucht – oder abholt

Etwas Klatsch, bunte Zeitungen, pflegende Hände – in Friseursalons geht’s recht entspannt zu. Ganz besonders in dem von Marion Dohle. Sie wäscht und schneidet ihren Kunden die Haare, wo diese sich wie zu Hause fühlen: zu Hause. Im Umkreis von Winterberg im Sauerland fährt sie zu den Wohnungen ihrer Kunden, packt dort ihre Utensilien aus und wäscht und schneidet und fönt. An ihrem Kombi klebt das Werbeschild: „Haarscharf – Mobile Friseurin“, plus Handy-Telefonnummer. Der Laden rollt – und läuft.

Start mit 5000 Euro: „Das Auto hatte ich ja schon“

Das Geschäft hat sie vor einem Jahr mit gerade mal 5000 Euro aufgezogen, es war eine Gründung auf Sparflamme. „Das Auto hatte ich ja schon“, sagt die 48-Jährige. Nötig waren Ausgaben für Friseurbedarf wie Bürsten, Farben und Umhänge. Spiegel, Ablage, Stühle, Wasch­becken und Trockenhauben, mit denen sie sich zusätzlich in ihrem eigenen Haus zwei Schnittplätze eingerichtet hat, kaufte sie bei einer Salonauflösung und gebraucht übers Internet. „Sonst hätte ich 15.000 Euro benötigt“, sagt die mobile Friseurin. „Das hab ich irgendwo nicht eingesehen.“ So reichte ihr ein kleines Darlehen der KfW Mittelstandsbank.

Der Kredit „Mikro10“ von 5000 bis 10.000 Euro richtet sich exakt an Kleingründer wie sie. Obwohl es also nur um einen relativ kleinen Kredit ging, ließ sie ihr Konzept professionell erst vom Steuerberater überprüfen, bevor sie zur Sparkasse Hochsauerland ging und sich um den Kredit bewarb.

Dank ihrer interessanten Ge­schäfts­idee spielte bei der Kreditvergabe keine Rolle, dass sie ihr Ge­schäft praktisch aus der Not heraus gründete. Denn eine Festanstellung, die sie nach einer Umschulung zur Friseurin eigentlich angestrebt hatte, wurde ihr durch Krankheit zunichte gemacht. Wegen des Rückfallrisikos fand sie keine Anstellung. „Da lernte ich nun gerade einen neuen Beruf, und nun sollte das umsonst gewesen sein?“

Im Winter bleiben die Kunden zu Hause

Von wegen umsonst: Sie gründete ihren eigenen Laden auf vier Rädern. In der Lehrzeit war ihr aufgefallen, dass ältere Kunden in den nassen und kalten Monaten nur selten in den Friseursalon kommen – aus Angst vor Erkältung oder Glatteis. „Es war immer das gleiche Programm: Es wurde Schmuddelwetter, es war Erkältungszeit, es war Schnee und Matsch – und die ältere Kundschaft blieb aus“, sagt Dohle. „Sonst kommen sie jede Woche – und das sind gute Kunden, die wollen waschen, legen, aufdrehen, toupieren“, beschreibt sie die lukrative Zielgruppe. „Wenn einer alt und krank ist, dann muss er nicht auch noch ungepflegt aussehen“, sagt die Friseurin. „Das muss ja wirklich nicht sein.“

Aus dieser Beobachtung einer Marktlücke hat sie ihre Geschäftsidee entwickelt, den Hausbesuch. „Das bietet sonst kein Friseur an“, sagt die 48-Jährige, die ältere Menschen und Pflegefälle ebenso zu ihren Kunden zählt wie Familien. „Die gehen auch nicht gern zum Friseur, weil die Kinder den Laden auf den Kopf stellen“.

Service über alles steht im Vordergrund

Neu bietet Marion Dohle nun auch einen Abholservice an, vor allem für kranke und ältere Kunden. Diese chauffiert sie persönlich mit ihrem Auto in ihren kleinen Salon. Das kommt sehr gut an: „Weil ältere Leute auch mal rauskommen wollen“. Überhaupt Service: „Wenn’s sein muss, komme ich auch um sechs Uhr morgens“, sagt sie und lacht. Erst wenn die Entfernung mehr als 20 Kilometer beträgt, berechnet sie vier Euro für die Anfahrt, sonst ist das kostenlos. „Wenn man die Rente der Leute betrachtet, dann geht das irgendwo nicht anders. Das ist eben so zwischenmenschlich. Ich könnte auch im sozialen Dienst arbeiten.“

Ein anderer Geschäftsbereich, den sie gerade aufgebaut hat, sind Zweithaarfrisuren, sprich Perücken. Dieses Angebot ist vor allem für Chemotherapie-Patienten wichtig. Diese begleitet sie während der gesamten Therapiedauer und hilft ihnen, sich „wieder unter die Leute zu trauen“.

Statt teurer Werbung: Mund-zu-Mund-Propaganda

Viel Werbung brauchte sie gar nicht zu machen. Mund-zu-Mund-Empfehlung ist das beste Marketing in ihrer Branche. „Wenn es was zu erzählen gibt, dann geht das rum, man hört’s beim Einkaufen, in Geschäften, auf der Arbeit.“

Noch kann und will Marion Dohle von ihrem Geschäft nicht allein leben – obwohl sie gerade die erste Mitarbeiterin eingestellt hat. Sie will „auf der sicheren Seite sein“ und arbeitet zusätzlich im Nebenjob in einem Freizeitzentrum.

Doch sie hat sich ein klares Ziel gesetzt: Innerhalb der nächsten drei Jahre will sie ganz von ihrem Geschäft leben. „Diese Anlaufzeit braucht man einfach, um ein Geschäft vernünftig einzuführen.“

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 04/2007

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