Die Freizeit-Digitalisierer

Autor: Hans Luthardt
44 likes

Der Ticket-Anbieter Regiondo hat die Freizeitbranche maßgeblich ins digitale Zeitalter geführt. Die Vision: Bis 2018 werden alle Freizeitangebote online gebucht.

Im Gegensatz zum Reise-, Flug- oder Bahnbereich sind Freizeitangebote hierzulande nach wie vor stark offline ausgerichtet, somit für den Suchenden schlecht auffindbar, wenig überschaubar und umständlich vergleichbar. Um dieses Problem zu lösen, gründete Oliver Nützel Anfang 2011 Yasuu, einen Online-Marktplatz für Freizeitaktivitäten als „Marktplatz für einzigartige Erlebnisse“. Ein Jahr später wurde das Start-up von dem gleichaltrigen Wettbewerber Regiondo übernommen. Seither leitet Nützel das Portal gemeinsam mit Yann Maurer und ist für Marketing, Kooperationen und Business Development verantwortlich.

 

Online-Ticketing als Rundumservice

Nützel und seine Mitstreiter verfolgen die Mission, den Freizeitmarkt flächendeckend – sowohl im deutschsprachigen Raum als auch zukünftig weltweit – online buchbar zu machen. „Die Freizeitbranche ist ein sehr heterogener Markt. Unser Ziel ist es, die Branche mit der benötigten Technologie auszustatten, um das Internet mit all seinen Möglichkeiten für den Erfolg der Unternehmen zu nutzen und deren Angebote online buchbar zu machen“, so Nützel. Seine Überzeugung: „Ab 2018 werden Freizeitaktivitäten ausschließlich online gebucht!“

Mit mehr als 11.000 regionalen Angeboten ist die Plattform bereits Deutschlands größter Online-Ticketing-Anbieter für Freizeitaktivi-täten, Ausflugsziele und -tipps. Ob Besuch im Freizeitpark, Kochkurs, entspannende Massage oder Familienausflug in den Tierpark – die Plattform vergleicht alle Freizeitangebote nach Ort, Entfernung, Thema und Preis und ermöglicht dem Nutzer eine bislang in diesem Segment so noch nicht gebotene schnelle wie einfache Online-Buchung. Das Ticket kann per E-Mail, Post oder eTicket aufs mobile Endgerät versendet werden, was bspw. Anstehen in der Warteschlange vor Ort überflüssig macht (sog. Fast-Lane-Service). Ein weiterer Vorteil laut Nützel: Wer online bucht, profitiert vom günstigeren Online-Preis. Dazu führt Regiondo bei jedem Angebot eine redaktionelle Prüfung durch.

 

Offline-Strukturen aufbrechen

Doch nicht nur für Endkunden ist die Plattform ausgelegt. Regiondo setzt klar auf B2B. Zum einen können Freizeitanbieter und Veranstalter ihre Angebote direkt über den Online-Marktplatz buchbar machen. Das Einstellen der Freizeitaktivitäten leisten sie selbst, der Vorgang ist für sie kostenfrei. Für jede Buchung entfällt dann eine Provision in Höhe von acht bis zwölf Prozent des Kaufpreises. Aktuell arbeitet Regiondo bereits mit über 7500 Anbietern weltweit zusammen. Wer es individueller will, kann einen Ticket-Shop im eigenen Layout wählen und diesen auf der eigenen Webseite integrieren.

Das Konzept geht offensichtlich auf. Dafür sorgt neben dem Experten-Know-how die Fähigkeit der Freizeit-Profis, neue digitale Strukturen zu schaffen und damit flexibel und schnell auf die Bedürfnisse am Markt zu reagieren. „Gestartet als reiner Online-Marktplatz, auf dem Freizeiteinrichtungen und Unternehmen ihre Angebote einstellen konnten, haben wir uns zum ‚Betriebssystem‘ für die Freizeitbranche entwickelt und verändern die Branche an ihrer Basis“, so Nützel. Heute ist Regiondo Deutschlands größter Technologie-Anbieter für die Freizeitbranche. „Unsere Grundidee, Freizeit online zu verkaufen, ist immer noch die gleiche. Allerdings hat sich unsere Antwort auf die Frage, wie wir dies verwirklichen, im Laufe der
Zeit weiterentwickelt. Mittlerweile verstehen wir uns als kompletten Lösungsanbieter
einer Echtzeit-Online-Buchungstechnologie für alle Arten von Touren, Aktivitäten und Attraktionen. Das heißt zusammengefasst, dass wir uns von einem B2C-Player hin zu einem B2B-Anbieter entwickelt haben“, erläutert Nützel die Entwicklung des Geschäftsmodells.

Regiondo-Team
Das Regiondo-Team um Oliver Nützel (links vorne) auf dem symbolischen Sprung hin zur Digitalisierung des globalen Freizeitmarktes

Freizeit-Boom als Business-Motor

Wie eingangs beschrieben, glaubt der Regiondo-Chef fest daran, dass spätestens in drei Jahren Freizeitaktivitäten ausschließlich online gebucht werden. Doch was ist bis dahin noch zu leisten? „Aufgrund der geringen Online-Penetration wird die Digitalisierung der Freizeit zu einer neuen Dynamik und deutlichem Wachstum in der Branche in ganz Europa führen. Das Potenzial des Freizeit-Sektors ist bislang nur ansatzweise ausgeschöpft. Allein in Deutschland werden mehr als zehn Prozent des gesamten Haushaltsnettoeinkommens für Freizeitaktivtäten aufgewendet.“ Die Kunden verlangen den Freizeit-Anbietern laut Oliver Nützel aber inzwischen eine ganz andere Professionalität ab: „Amazon ist hier der Maßstab: sofort alle Termine und Verfügbarkeiten sehen, Echtzeit-Kommunikation und sofortige Buchung. Viele Anbieter können das selbst nicht stemmen und brauchen professionellen Support.“ Der Vorteil für alle Beteiligten ist das Potenzial der Branche: Deutschland-Tourismus ist im Trend und Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent pro Jahr sind keine Seltenheit.

 

E-Commerce-Modell für Europa

Deutschland ist ein lukrativer Markt, doch der Blick von Nützel, Maurer und den 25 Regiondo-Mitarbeitern geht, wie bereits angedeutet, darüber hinaus. „In ganz Europa sehen wir großes Potenzial im E-Commerce von Freizeitaktivitäten. Ein sehr gutes Beispiel ist Frankreich: Mit rund 85 Millionen Touristen ist Frankreich das meistbesuchte Reiseland der Welt. Die Nachfrage nach Freizeitaktivitäten ist entsprechend hoch, aber ein sehr großer Teil ist davon auch dort noch nicht online buchbar“, so Oliver Nützel. Die nächsten Märkte sind Italien und Spanien. 

Und dass der Digitalisierungsgrad in der Freizeitbranche bald den der Reise- oder Flug-Branche erreicht haben wird, ist unbestritten. „Nutzer haben sich an die voranschreitende Digitalisierung gewöhnt und erwarten es, auch ihre Freizeitaktivitäten online buchen zu können. Deshalb gehe ich davon aus, dass Freizeitunternehmen, die jetzt nicht bald reagieren, aussterben werden“, bringt es Nützel auf den Punkt. 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren: