Vorsorge für Existenzgründer

Worauf bei der Vorsorge zu achten ist


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Existenzgründungen sind in Deutschland an der Tagesordnung, wenn auch die unternehmerische Tätigkeit an sich nicht dermaßen ausgeprägt ist – zu groß ist gemeinhin der regionale und lokale Einfluss mittelständischer Unternehmen. Ergibt sich daraus dennoch eine lohnenswerte Geschäftsidee, die es zu verfolgen gilt, stellen sich Gründern eine Reihe ganz wesentlicher Fragen. Neben der Finanzierung des Geschäfts, den rechtlichen Aspekten und ihre Eingliederung in den Betriebsablauf, geht es vor allem um die Vorsorge für den Existenzgründer selbst. Dieser Punkt ist bedeutsam, da Privat und Geschäftlich nur selten voneinander getrennt betrachtet werden – mit Risiken, die bei geschäftlichem Misserfolg zugleich auch die privaten Finanzen betreffen. In diesem Artikel wird dargelegt, welche Vorsorgeoptionen Existenzgründer nutzen können und welche Merkmale und Faktoren dabei ausschlaggebend sind.

Vorsorge
Existenzgründungen sind nach wie vor sehr interessant und können neben Unabhängigkeit auch finanziellen Erfolg mit sich bringen. Trotzdem sollten auch Selbständige sich Gedanken um bestimmte Formen der Vorsorge machen. Foto: geralt – pixabay.com

Altersvorsorge für Selbständige – ohne Einbeziehung der gesetzlichen Rentenversicherung vorsorgen?

Grundsätzlich gilt, dass im Rahmen eines Angestelltenverhältnisses erworbene Rentenansprüche selbstverständlich auch bei Selbständigen erhalten bleiben. Relevant ist dieser Umstand vor allem für Menschen mittleren Alters, die entsprechende Ansprüche haben – Jungen Existenzgründern hingegen fehlt es an einer soliden Absicherung, die sie selbst in die Hand nehmen müssen. Sie erwerben durch ihre Selbständigkeit keine Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Dabei ist laut dem Bundeswirtschaftsministerium zunächst zu prüfen, ob eine gesetzliche Versicherungspflicht greift. Der Gesetzgeber hat nämlich bestimmten Berufsgruppen eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung vorgeschrieben, darunter Handwerker, Hebammen und anderen. Genaueres regelt § 2 Sozialgesetzbuch VI, insbesondere die Ausnahmen bei Beschäftigung sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmer. Die Deutsche Rentenversicherung ist hier erste Anlaufstelle für Beratungen und Statusüberprüfungen.

Zudem gibt es die Möglichkeit einer "freiwilligen Versicherung", in der Anzahl und Höhe der Beiträge selbst festgelegt werden können. Insbesondere Selbständige, die zuvor einige Jahre als Arbeitnehmer beschäftigt waren und die Anwartschaft auf eine Erwerbsminderungsrente aufrechterhalten möchten, profitieren davon. Ähnliche Konstellationen ergeben sich bei Erhalt der Alters- respektive Hinterbliebenenrente.

Hinweis: Alle oben dargestellten Fallkonstellationen ergeben lediglich eine Grundabsicherung, die keinesfalls private Vorsorge ersetzt. Je nachdem, wie viele Jahre zuvor als Arbeitnehmer gearbeitet wurde, lohnt sich die Mindestabsicherung in der "freiwilligen Versicherung" vor allem für Familien mit Kindern.


Alternative für Selbständige: Rürup-Rente

Neben der oben dargestellten Versorgung mittels "freiwilliger Versicherung", die gerade Alleinverdienern und Familien nach langjähriger Arbeitnehmerschaft zugutekommt, bietet sich Freiberuflern insbesondere die Basis-Rente ("Rürup-Rente") an. Bei dieser Absicherungsform handelt es sich um eine vom Staat geförderte, private Zusatzrente. Die Grundlagen werden im Folgenden kurz dargestellt, weitere Fragen ergeben sich zwangsläufig durch die persönliche Situation.

Eigenschaften und Merkmale der Rürup-Rente

Ruerup-Rente

Die Vorteile liegen insbesondere darin, dass Steuerpflichtige bereits zur Zeit der Ansparphase einen hohen steuerlichen Vorteil nutzen können. Vor allem Gutverdiener profitieren, zudem ist das angesparte Kapital pfändungssicher. Es findet also keine Anrechnung im Falle einer Privatinsolvenz oder bei Einreichen eines Hartz-IV-Antrages statt. Zudem sind die Verträge so gestaltet, dass flexibel und je nach Vereinbarung eingezahlt werden kann – Sonderzahlungen sind möglich, die spätere Rentenzahlung gibt es ein Leben lang.

Zu beachten: Bei der späteren Rentenauszahlung findet eine Besteuerung im Rahmen des persönlichen Steuersatzes statt. Begrenzungen gelten lediglich bis zum Jahr 2040. Zudem lässt sich eine derart gestaltete Rente nicht vererben, sehr wohl kann aber eine Hinterbliebenenrente vereinbart werden. Zuletzt sei angemerkt, dass keine Einmalzahlung möglich ist – Rentenbeginn ist bei früheren Verträgen ab 60 möglich, Neuverträge können ab 62 bezogen werden (gilt auch bei Kündigung).


"Goldstandard" ist die Berufsunfähigkeitsversicherung für Selbständige

Während die vorgenannten Vorsorgeoptionen allesamt den Erlebensfall einer Altersrente beinhalten, geht es im Hier und Jetzt vor allem um die Absicherung beruflicher Risiken. Was passiert, wenn jemand durch einen Unfall nicht mehr in der Lage ist, seinen Beruf auszuüben? Welche Sicherungsmaßnahmen schützen die Familie vor einem finanziellen Fiasko? In diesem Segment spielt vornehmlich die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rolle, denn seitens des Staates gibt es nur bedingt Absicherung. Welche Vorteile eine Berufsunfähigkeitsversicherung im Vergleich zur nur bedingt gegebenen, staatlichen oder privaten Erwerbsunfähigkeitsversicherung leistet, wird im Folgenden dargestellt.

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Bei der Berufsunfähigkeitsversicherung handelt es sich um einen privaten Vorsorgevertrag, der dementsprechend nicht einheitlich ist und damit nur schwer vergleichbar wäre. Dennoch gibt es einige Punkte, die Selbständige bei einem Abschluss beachten sollten.

  • Der "Verzicht auf abstrakte Verweisung" führt dazu, dass der Versicherer nicht auf einen anderen Beruf verweisen kann, der möglicherweise anstelle des Alten ausgeübt werden kann. Hiermit wäre das Risiko einer Ablehnung bei vorliegender Berufsunfähigkeit gegeben.
  • Ein sogenannter "Prognosezeitraum" von sechs Monaten ist empfehlenswert, sodass eine „Berufsunfähigkeit“ bereits bei 50 Prozent und über einen Zeitraum von sechs Monaten anerkannt werden kann.
  • Rückwirkende Leistungen sollten zumindest für drei Jahre im Vertrag aufgenommen werden. Hierdurch führen verspätete Meldungen nicht zu möglicherweise hohen Leistungseinbußen.
  • Wichtig wäre zudem ein Verzicht auf Beitragsanpassung oder Kündigung gemäß § 19 VVG, denn ansonsten könnte der Versicherer zulasten des Versicherungsnehmers entscheiden, wenn dieser seiner Anzeigepflicht nicht nachgekommen ist und diese gleichzeitig nicht zu vertreten hat. In der Praxis geht es vor allem um vorvertragliche Anzeigen, die eine Auswirkung auf den Versicherungsschutz hätten. Gute Policen sorgen hier für unkomplizierte Lösungen.


Weitere Vorsorgemöglichkeiten

Selbständige stehen in direktem Kundenkontakt, fehlerhafte Planung oder Ausführung können schnell zu Regressforderungen führen. Im schlimmsten Fall führen sie zur Insolvenz. In den Bereichen, wo schnell derartige Risiken erwachsen können, empfiehlt sich die Absicherung mittels einer Berufshaftpflichtversicherung. Sie ist zumeist so gestaltet, dass eine Auswahl an Berufen mit den ihnen zugrundeliegenden Risiken abgesichert wird. In vielen Fällen lohnt sich eine Kombination mit der parallelen Absicherung von Vermögensschäden, in Verbindung mit einem geringen Eigenanteil.

Derartige Berufshaftpflichtversicherungen werden auch als "passive Rechtsschutzversicherungen" bezeichnet, denn sie prüfen jegliche Forderungen und wehren diese im Falle einer unberechtigten Forderung auch gerichtlich ab. Sämtliche Prozess-, Anwalts- und Gutachterkosten werden durch die Versicherung getragen. Für einige Bereiche, wie den IT-Sektor, gibt es Spezialversicherungen mit Absicherungsformen dutzender Tätigkeitsfelder. Hier sind dann Dinge wie Cyberkriminalität, Datenmissbrauch und andere vornehmlich digitale Risiken mit abgedeckt.

Hinweis: Neben allen beruflichen Risiken gilt es aber weiterhin, die klassischen Problemfelder im Privaten abzudecken. Zur "Grundausstattung" zählt in jedem Fall die Privathaftpflichtversicherung, die bereits für einen mittleren zweistelligen Jahresbeitrag erhältlich ist – und Familien, die in einem Haushalt leben, ganzheitlich absichert. Im Zuge einer privaten Bautätigkeit wäre zudem der Abschluss einer Bauherrenhaftpflichtversicherung sinnvoll.

Die Altersvorsorge ist gerade als Selbständiger sehr wichtig, weil später keine gesetzliche Rente winkt. Hier lassen sich aber privat sowohl staatlich geförderte Modelle als auch andere lukrative Optionen nutzen.

Fazit

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Die Altersvorsorge ist gerade für Selbständige sehr wichtig, weil später keine gesetzliche Rente winkt. Hier lassen sich aber privat sowohl staatlich geförderte Modelle als auch andere lukrative Optionen nutzen. Foto: Alexas_Fotos – pixabay.com

Mit einer gut konzipierten Vorsorge lassen sich viele Risiken abfedern. Dazu gehören vor allem die Absicherung der Berufsunfähigkeit sowie die Kosten aus beruflicher Haftung. Darüber hinaus ist es natürlich auch als Selbständiger wichtig, sich Gedanken um die eigene Altersvorsorge zu machen. Da in der Regel keine Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung erfolgen, sollten Existenzgründer über private Optionen in diesem Bereich nachdenken.