Im Porträt: Business Angel Torsten Schubert

Business Angels präsentieren sich, Folge 3

Autor: Prof. Claas Triebel
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In unserer Serie „Business Angels präsentieren sich“ stellen wir Ihnen erfahrene Entrepreneure vor, die auch als Business Angels erfolgreich sind. In dieser Folge sprechen wir mit Torsten Schubert, der in Start-ups aus der Digitalen Wirtschaft investiert.

Torsten Schubert

Zur Person:

Torsten Schubert hat eine Ausbildung als IT-Manager absolviert. Er ist Multi-Gründer mit acht selbst gegründeten Unternehmen und ist seit 2001 im Internet-Business unterwegs. Seit 2011 ist er als Business Angel aktiv und investierte bislang in zehn Unternehmen.

Das Interview:

Warum investieren Sie in junge Unternehmen? Wie sind Sie Business Angel geworden?

Ich bin seit meinem 25. Lebensjahr Unternehmer und habe seit dieser Zeit acht Unternehmen selbst gegründet. Mich hat Unternehmertum schon immer interessiert und mich haben erfolgreiche Unternehmer seit meiner Kindheit fasziniert. In bin Teil der letzten Generation, die in Ostdeutschland aufgewachsen ist und die Ostdeutschland noch wahrgenommen hat. In Ostdeutschland gab es die verrücktesten Ideen, um mit den wenigen Mitteln Nischen zu bedienen bzw. für mich, mein Taschengeld aufzubessern. Für mich war damals mein tägliches Geschäft Modellautos zu tauschen, was ich zusammen mit meinem Bruder erstaunlich erfolgreich betrieben habe und wir so in kürzester Zeit eine beachtliche Sammlung von ca. 1000 Stück ohne Einsatz von Geld, nur mit Tauschgeschäften aufgebaut haben.

Diese Kreativität, die notwendig war, um sich das eine oder andere mehr leisten zu können als sein Nachbar, war damals sehr prägend für mich. Nun, 25 Jahre später und um einiges an Erfahrung reicher, würde ich immer noch gerne jede Chance, die sich bietet, selber nutzen und umsetzen, aber der Tag hat nun mal nur 24 Stunden und man muss irgendwann in seinem Leben als Unternehmer erkennen, dass man nicht alles selber machen kann, so interessant und erfolgversprechend einige Chancen sind, die sich bieten. Das heißt aber nicht, dass man diese Chancen an sich vorbeiziehen lassen muss, sondern dass man in diese Chancen investiert.
Unter genau diesem Grundsatz habe ich 2011 angefangen, in erfolgversprechende Unternehmen zu investieren. Seitdem habe ich in zehn junge Unternehmen investiert.

Woran erkennen Sie eine gute Idee?

Eine gute Idee löst für mich ein bestehendes Problem oder vereinfacht eine Sache oder einen Ablauf grundlegend. Eine gute Idee kann aber auch sein, frühzeitig die Entstehung eines Trends oder eines Marktes zu erkennen und in diesen zu investieren.

Was macht einen guten Gründer aus?

Ein Gründer muss von seinem Erfolg träumen, er muss 100 Prozent für seine Idee brennen und dafür jederzeit kämpfen – das ist für mich mehr als nur gut. Eine Gründung sollte aus meiner Sicht mit den Fähigkeiten des Gründers einhergehen. Es macht wenig Sinn, wenn ein gelernter Bäcker einen Onlineshop für Schuhe eröffnen will, aber es macht auf jeden Fall Sinn, wenn ein ambitionierter Bäcker die Welt des Backens neu erfinden will. Was ich damit meine: Man muss fundiertes Wissen von dem haben, was man vor hat zu unternehmen oder zu verbessern.

Woran erkennen Sie ein gutes Team?

Ein gutes Team ergänzt sich. Persönlichkeiten sind gefragt, stehen aber nie über der Unternehmung. Idealerweise kann es die Mehrheit des notwendigen Know-hows abbilden. Jeder einzelne Teamplayer ist sehr gut ausgebildet und verfügt in seinem zuständigen Bereich über fundiertes Wissen.

Wie finden Sie Ihre Start-ups? Wie werden Sie gefunden?

Die meisten Investments geschehen zusammen mit anderen Investoren oder Business Angels in sogenannten Finanzierungsrunden. Oftmals verfolgen die Investoren in solchen Runden die gleichen Ziele und haben ein ähnliches Netzwerk. Somit ergeben sich schnell Freundschaften unter den Investoren und neue Möglichkeiten, in Start-ups zu investieren. Meist ist es so, dass ein Investor seinen Investoren-Kollegen ein Unternehmen vorstellt und gemeinsam entschieden wird, ob ein Einstieg erfolgt. Natürlich gibt es aber auch völlig andere Investments, bei denen nur ein Investor einsteigt oder es aus strategischen oder sonstigen Gründen keinen Sinn macht, für befreundete Investoren einzusteigen. Oftmals ist es auch für den Investor entscheidend, ob oder was für einen Mehrwert er dem Unternehmen bieten kann. Branchennahe Start-ups, denen mit den Netzwerken der Investoren ein Schub verliehen werden kann, sind ideale Investments.
In dem heutigen Gründertum ist es normal, dass ein Unternehmen aufgebaut wird, um es in X Jahren zu verkaufen, um ein neues Unternehmen aufzubauen. Die Anstoßfinanzierung erfolgt dann meist mit Investoren des vorhergehenden Unternehmens. Somit entsteht für den Investor im Laufe der Zeit ein ganz organischer Dealflow.

Gibt es ethische Standards, die für Ihre Investment-Entscheidung eine Rolle spielen?

Ethische Standards bedeuten mir sehr viel. Beispielsweise ist die Ausbeutung von Minderheiten, um hohe Profite zu erzielen, für mich ein ethisch nicht korrektes, nachhaltiges und tragbares Geschäftsmodell. Ebenso ist für mich – als Vegetarier – die Massentierhaltung und -verarbeitung ein Segment, in das ich niemals investieren würde.

Beschreiben Sie Ihre Rolle bei der Zusammenarbeit mit Start-ups.

Dies ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich. Bei Investments in branchenfremde Unternehmen beschränkt sich die Rolle meist auf die Vermittlung von Kontakten, die aus meinem Netzwerk für das Unternehmen hilfreich sein können. Aufbau des Unternehmens, Planung und Umsetzung von Ideen liegen dann komplett in der Hand der Gründer.
Bei branchennahen Unternehmen kann dies auch weit darüber hinausgehen. Wenn das Netzwerk perfekt zur Gründeridee passt, entstehen echte und sinnvolle Synergien. Dann kann es schon einmal sein, dass man wöchentlich skyped, um dies und das zu besprechen. Ein gutes Beispiel aus meinem Netzwerk ist das Unternehmen Patterdesigns.com, welchem ich durch langjährige Kontakte in der Druckindustrie zu einer Partnerschaft mit HP verhelfen konnte, die dieses Jahr in New York präsentiert wurde. In solchen Fällen kann ein Investor seine Rolle als Business Angel ausspielen, was ihm sonst oft schwer fällt und sich meist auf grundlegende unternehmerische Fragen beschränkt.

Wie lange arbeiten Sie mit einem Team zusammen?

Für mich gibt es keinen generellen Plan, der festlegt: Nach fünf Jahren muss ein Exit her, sonst steige ich aus. Denn erstens kommt es anders, zweitens als man denkt und drittens permanent. Ein Unternehmen entwickelt sich, und ich habe oft erlebt, dass ein Geschäftsmodell angepasst werden muss, sich der Markt komplett anders verhält als erwartet und sich viele andere Dinge ergeben, die nicht immer positiv sind. Dann heißt es für mich als Investor, meinen Teil dazu beizutragen, dass ein Unternehmen auf dem Kurs bleibt und dass das Team zusammenhält. Solange ich dies sehen kann, genießt das Unternehmen mein vollstes Vertrauen und meine volle Unterstützung.

Was sagen die Teams, mit denen Sie arbeiten, über Sie?

Das würde ich auch gerne wissen. Ich möchte aber behaupten, dass ich ein Investor bin, der als Freund einsteigt und nicht als Banker. Mir ist aus vielen eigenen Gründungen klar, was einen Gründer alles erwartet, und kann sicherlich Dinge teilweise besser verstehen als ein reiner Geldgeber dies kann und möchte. Für mich ist es wichtig, auf Augenhöhe miteinander zu reden und offen Probleme zu besprechen, ohne im Hinterkopf zu haben: „Wenn wir das unserem Investor sagen.“ Nein, Probleme müssen auf den Tisch und das schnellstmöglich, nur so kann man zusammen erfolgreich sein.

Wie kann die Gründungsquote in Deutschland gesteigert werden?

Ich denke, in den vergangenen Jahren gab es bereits einige entscheidende Verbesserungen, die es Gründern erleichtern. Ich möchte hier nur die kleine GmbH, die UG (haftungsbeschränkt) nennen, die bereits mit einem Euro gegründet werden kann, und den Zuschuss der BAFA für Start-ups, der einen Investor mit 20 Prozent bezuschusst, wenn er in ein zuschussfähiges Start-up investiert. Die Kombination der UG (haftungsbeschränkt) und die Bezuschussung für Investoren sind wichtige Grundlagen, die bereits bestehen und genutzt werden können.
Leider dauert es immer sehr lange, bis Neuerungen der Gesetzgebung zu allen vordringen. So war beispielsweise unter vielen befreundeten Investoren lange nicht bekannt, dass die BAFA mit 20 Prozent bezuschusst.
Ebenso ist ein aktuelles Förderprogramm der EU, das Programm „Horizon 2020“, weitgehend unbekannt in Gründerkreisen, was ich ebenfalls sehr schade finde, da dieses Programm für Unternehmer hohe, nicht rückzahlbare Zuschüsse bereithält, ohne Anteile am Unternehmen abzugeben.
Ich denke, für Gründer ist es so einfach wie noch nie in der Geschichte zu gründen, aber die Kommunikation von Programmen nach außen ist stark verbesserungsfähig.
Positiv auf die Anzahl der Gründungen in Deutschland sollte es sich auch auswirken, wenn die Angst vor einer Privatinsolvenz verringert werden würde. Am Ende mit nichts dazustehen, hält doch viele davon ab zu gründen. Leider sind es meist sehr intelligente Menschen, die sich dreimal überlegen, was alles daran hängt, und letztendlich nicht gründen.
Ich bin der festen Überzeugung, dass unser aktuelles Privatinsolvenzrecht nach unten angepasst werden muss und die Diskriminierung der Gesellschaft für gescheiterte Unternehmer damit aufhören kann. Ein Vorbild ist England mit 12 Monaten Insolvenzzeitraum. Ein gescheiterter Unternehmer ist bei seinem nächsten Unternehmen mit Sicherheit um einiges schlauer, und ich kann für mich selbst sprechen, dass nicht jedes Unternehmen ein Erfolg werden kann.

Ihre größten Erfolge und Misserfolge?

Als meine größten Erfolge würde ich bezeichnen, dass ich es in den vergangenen Jahren geschafft habe, zwei grundlegend solide Unternehmen mit Millionen-Umsätzen aufzubauen, deren Eigentümer ich bin, und dass ich eine Familie gegründet habe.
Als meinen größten Misserfolg möchte ich ein Unternehmen nennen, welches ich in New York gründete, um den amerikanischen Markt mit Prints on Demand zu bedienen. Unzureichende Marktanalyse und damit nicht exakt auf den Markt zugeschnittene Produkte haben dazu geführt, dass über 100.000 Euro innerhalb von sechs Monaten verbrannt wurden und das Unternehmen aufgelöst wurde.

Das Interview führte Prof. Dr. Claas Triebel, Professor für Wirtschaftspsychologie, insbesondere Kompetenzentwicklung und Coaching an der Hochschule für angewandtes Management GmbH in Erding

Vormerken: In der kommenden Ausgabe von StartingUp (Heft 02/15 – ab dem 21. Mai im Handel) lesen Sie mehr darüber, wie Business Angels in die Digitale Wirtschaft investieren, was diese innovative Branche ausmacht und Gründern zu bieten hat.

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