Im Porträt: Business Angel Florian Huber

Business Angels präsentieren sich, Folge 2

Autor: Prof. Claas Triebel
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In unserer Serie „Business Angels präsentieren sich“ stellen wir Ihnen erfahrene Entrepreneure vor, die auch als Business Angels erfolgreich sind. In dieser Folge sprechen wir mit Florian Huber, der in Start-ups aus der Digitalen Wirtschaft investiert.

Zur Person:

Florian Huber ist Gründer/CEO des Domain-Registrars United-domains AG (mittlerweile Teil der 1&1-Gruppe). Er ist Mitgründer des Immobilien-Portals Neubau kompass AG und seit 2007 als Angel Investor in deutsche und US-amerikanische Internet-Startups aktiv. Florian Huber hat einen Abschluss als Wirtschaftsjurist und lebt in München.

Das Interview:

Herr Huber, warum investieren Sie in junge Unternehmen? Wie sind Sie Business Angel geworden?

Die Frage nach dem „Warum“ sollte immer am Anfang stehen. Warum ist man überhaupt als Business Angel tätig und investiert viel Geld und viel Zeit? Generell gibt es wohl drei Gründe für Angel Investing:
1. Geldanlage: Das Investment in Start-ups ist eine Form der Geldanlage. Die Risiken sind entsprechend hoch, aber natürlich auch die Renditechancen. Je nach persönlicher Lebenssituation kann es also Sinn machen, einen (kleinen) Teil seines Vermögens in die "Assetklasse Startups" zu investieren.
2. Spaß: Ein zweiter Grund ist der Spaß an der Tätigkeit selbst. Viele erfolgreiche Unternehmer haben einfach Freude daran, ihr Wissen und ihre Erfahrungen an die nächste Generation junger Gründer weiterzugeben.
3. Philanthropie: Manche Business Angels sind eher philanthropisch motiviert, das heißt, hier steht der Wunsch, mit dem eigenen Geld „etwas Gutes zu tun“, im Vordergrund. Die Aussicht auf eine mögliche Rendite spielt eine untergeordnete Rolle. Man investiert in Projekte und Ideen, die eine „bessere Welt“ versprechen.
Für mich stehen die ersten beiden Gründe im Vordergrund: Mir macht es selbst sehr viel Spaß, jungen Gründerteams zu helfen, aus einer anfänglichen Idee ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen. Wenn ich am Ende dabei auch noch eine Rendite auf mein investiertes Kapital erzielen kann, ist das natürlich um so besser!

Woran erkennen Sie eine gute Idee?

Eine gute Geschäftsidee muss in erste Linie ein vorhandenes Problem lösen. Dieses Problem muss relevant sein, es muss eine hinreichende große Anzahl von Privatpersonen/Unternehmen betreffen und diese müssen generell bereit sein, für die Lösung dieses Problems Geld zu bezahlen. Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, handelt es sich um eine gute Geschäftsidee. Ein Beispiel hierfür wäre etwa, eine Software anzubieten, die dafür sorgt, dass die Akkulaufzeit eines Smartphones sich verdoppelt. Millionen Menschen ärgern sich darüber, dass ihr Smartphone-Akku eine zu geringe Laufzeit hat und viele wären wohl bereit, für so eine Software-Lösung Geld zu bezahlen. Ein Start-up zu gründen, welches dieses Problem löst, wäre also eine sehr gute Geschäftsidee!

Was macht einen guten Gründer aus?

Ein guter Gründer (bzw. eine gute Gründerin) muss einerseits in der Lage sein, eine große Vision zu haben (Wo könnte mein Unternehmen in 3 bis 5 Jahren stehen?) und andererseits im Alltag – bei der Umsetzung der Idee – einen sehr hohen Detail-Fokus haben. Und die meisten Angel Investoren wissen aus Erfahrungen: Die Idee ist nur 1Prozent Wert, die Ausführung („execution excellence“) hingehen 99 Prozent. Das heißt, ein sehr gutes Gründerteam wird auch eine nur mittelmäßige Idee zum Erfolg führen. Umgekehrt klappt das nie!

Woran erkennen Sie ein gutes Team?

Ein gutes Gründerteam zeichnet sich vor allem durch komplementäre Fähigkeiten, Stärken und Erfahrungen aus. Das Negativ-Beispiel ist ein Team bestehend aus drei BWLern, die noch dazu alle an derselben Uni studiert haben. Genauso wenig „funktioniert“ natürlich ein Gründerteam, das nur aus Technikern besteht. Im Idealfall hat das Team schon erfolgreich zusammengearbeitet und jedes Team-Mitglied kennt die Stärken und Schwächen des anderen. Für mich als Investor in digitale Geschäftsmodelle besteht das ideale Gründerteam aus einem Kaufmann (Marketing, Vertrieb, Finanzen), einem Software-Entwickler (Produkt, Technik) und einem Designer (User Experience, Usability).

Wie finden Sie Ihre Start-ups? Wie werden Sie gefunden?

Wie bei den meisten Business Angels ist meine wichtigste Quelle für den „Deal Flow“ das persönliche Netzwerk. Das sind vor allem andere Angels, aber auch die Gründer von Start-ups, in denen ich aktuell bereits investiert bin. Eine gute Quelle sind die einschlägigen Online-Plattformen und zahllose nationale und internationale Events der Start-up-Szene. Meine Erfahrung zeigt mir, dass das ganze aber nach wie vor ein Anbieter-Markt ist: Es gibt viel mehr Start-ups, die Geld suchen, als es Angel Investoren gibt. Die meisten Start-ups, die aktiv Risikokapital suchen, gehen leer aus. Aber auch wer kein Kapital von Business Angels bekommt, sollte nicht aufgeben, sondern Alternativen prüfen, zum Beispiel Bootstrapping, friends & family oder öffentliche Fördertöpfe.

Gibt es ethische Standards, die für Ihre Investmententscheidung eine Rolle spielen?

Ja. Ich würde nicht in ein Start-up investieren, dessen Geschäftsmodell im Kern darauf basiert, die Ahnungslosigkeit oder Gutgläubigkeit der Kunden ausnutzen. Beispiele wären hier etwa der Verkauf von Diät-Wunderpillen oder der Vertrieb von Kapital-Lebensversicherungen.

Beschreiben Sie Ihre Rolle bei der Zusammenarbeit mit Start-ups

Ich sehe mich als Business Angel vor allem als Sparringpartner für das Gründerteam. Die Gründer kennen ihr operatives Geschäft natürlich viel besser als ich, aber oftmals braucht man als Gründer einfach schnell eine zweite Meinung zu einer konkreten Fragestellung. Oder einen Kontakt zu einem potenziellen Großkunden, einem zukünftigen Investor oder möglichen neuen Mitarbeitern. Da ich selbst Gründer und Unternehmer bin, kann ich oftmals frühzeitig erkennen, wenn eine Sache in die völlig falsche Richtung läuft. Hier versuche ich dann auch rechtzeitig „einzugreifen“ bzw. genau zu begründen, warum ich anderer Meinung bin. Am Ende des Tages treffen aber natürlich die Gründer die Entscheidungen und nicht ich als Investor. Generell versuche ich als Business Angel aber immer Teil der Lösung und nicht Teil des Problems zu sein.

Wie lange arbeiten Sie mit einem Team zusammen?

Die Zusammenarbeit ist vor allem in der Startphase sehr intensiv: Denn gerade am Anfang können Fehler passieren, die später nur noch schwer zu korrigieren sind. Ich denke hier an Dinge wie die Anteilsverteilung zwischen den Gründern, die Auswahl der Investoren, das juristische Setup (Rechtsformwahl, Satzung, Beteiligungsvereinbarung, Cap Table) und die Wahl des richtigen Namens (Firma, Marke, Claim, Internet-Domains, Social-Media-Usernames).
Da ich überwiegend in der Pre-Seed- und Seed-Phase investiere, begleite ich die Teams dann auch durch die nächsten Finanzierungsrunden (Series A, B, C). Die meisten Gründer haben in diesem Bereich natürlich keine Erfahrung, sodass Business Angels hier einen großen Mehrwert liefern können.

Was sagen die Teams, mit denen Sie arbeiten, über Sie?

Ich denke, die Start-up-Teams schätzen meine offene und direkte Art der Kommunikation. Wenn ich mal wieder einen Businessplan sehe, der vorsieht, 100 Millionen Umsatz in drei Jahren zu machen bei einer EBT-Marge von 90 Prozent, dann sage ich den Gründern auch direkt, dass das Bullshit ist. Manche kommen damit nicht klar. Aber das sind dann auch die Gründer, mit denen ich nicht zusammenarbeiten möchte.

Wie kann die Gründungsquote in Deutschland gesteigert werden?

In Deutschland und Europa gibt es – gerade im Vergleich zu den USA – ein eher technologie- und innovationsfeindliches Gesellschaftsklima. Über Unternehmen wie Google, Facebook, Amazon, Uber oder Airbnb wird in den deutschen Mainstream-Medien fast ausschließlich kritisch berichtet. Auch in Gesprächen mit Leuten außerhalb der IT- bzw. Start-up-Szene kann ich diese – irgendwie typisch deutsche – Skepsis täglich spüren: Google gilt es „Datenkrake“, Facebook ist abwechselnd Teufelszeug oder Zeitverschwendung, der Erfolg von Amazon basiert nur auf der Ausbeutung von Arbeitnehmern. Uber wird ausschließlich unter dem Aspekt der fehlenden Versicherungsschutzes diskutiert und bei Airbnb geht es primär um die Frage, in welchem Ausmaß damit Steuern hinterzogen werden könnten. Und selbst von einem harmlosen Pizza-Lieferdienst fordert die deutsche Finanzverwaltung eine Banklizenz (siehe Landgericht Köln 2012 zu Lieferheld).
In solch einem Umfeld haben es Start-ups mit disruptiven Geschäftsmodellen natürlich eher schwer.
Hinzukommt, dass das „Berufsbild“ Unternehmer nicht wirklich positiv besetzt ist. In Deutschland streben die meisten Studenten eine Karriere bei einem Großunternehmen oder in der öffentlichen Verwaltung an. In USA hingegen gelten Leute wie Elon Musk (Tesla, SpaceX) und Steve Jobs (Apple) als  role models, und viele Eltern wünschen sich, dass aus ihren eigenen Kindern ebenfalls mal ein erfolgreicher Unternehmer wird. Doch welche deutschen Eltern würden ihrer Tochter oder ihrem Sohn nach dem Uni-Abschluss ernsthaft raten, ein Unternehmen zu gründen. Ich kenne keine! Und ein Satz wie „Ich möchte der nächste Oliver Samwer werden“, würde deutsche Eltern wohl mehr schockieren als grüngefärbte Haare.
Dieses innovations- und unternehmerfeindliche Gesellschaftsklima halte ich für ein großes Hindernis. Dennoch spürt man, dass in Deutschland in Sachen Gründungsförderung in den letzten Jahren einiges in Bewegung gekommen ist: Es gibt mittlerweile zahlreiche private und öffentliche Initiativen, die Start-ups mit Kapital, Rat und Tat unterstützen! Und gerade in Berlin, München, Köln und Hamburg gibt es seit einigen Jahren eine sehr aktive und dynamische Start-up-Szene.

Ihre größten Erfolge und Misserfolge?

Mein größter (unternehmerischer) Erfolg ist sicher der Aufbau der United-domains AG zu einem erfolgreichen und nachhaltig profitablen mittelständischen IT-Unternehmen, welches mittlerweile seinen Platz innerhalb der 1&1-Gruppe gefunden hat.
Misserfolge hat man als Angel Investor ständig: Die meisten Start-ups, in die man investiert, gibt es nach zwei Jahren nicht mehr. Das liegt in der Natur der Sache. Aber dennoch ist es jedes Mal wieder frustrierend zusehen zu müssen, wie ein Start-up gegen die Wand fährt.
Auch wenn es viele nicht wahr haben wollen: Dass ein Start-up scheitert, ist der Normalfall. Dass aus einem Start-up ein erfolgreiches Unternehmen wird, ist der Ausnahmefall. Umso mehr freut man sich, wenn es klappt und man als Business Angel einen (kleinen) Teil zu diesem Erfolg beitragen durfte!


Das Interview führte Prof. Dr. Claas Triebel, Professor für Wirtschaftspsychologie, insbesondere Kompetenzentwicklung und Coaching an der Hochschule für angewandtes Management GmbH in Erding

Vormerken: In der kommenden Ausgabe von StartingUp (Heft 02/15 – ab dem 21. Mai im Handel) lesen Sie mehr darüber, wie Business Angels in die Digitale Wirtschaft investieren, was diese innovative Branche ausmacht und Gründern zu bieten hat.

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