Gründen als GbR

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts

Autor: Svenja Hofert


Die einen warnen vor der GbR, die anderen schätzen die „Gesellschaft bürger­lichen Rechts“, weil sie sich so unbürokratisch und billig gründet. Worauf es ankommt, wenn sich mehrere zusammentun, um eine Firma zu gründen, und wo die Unterschiede zu anderen Rechtsformen, aber auch zu Büro- oder Arbeitsgemeinschaften liegen.

Nun sag doch mal einer, GbRs würden immer kleine Brötchen backen. Für die Hoons GbR aus Hechingen gilt das sicher nicht. Hoons ist ein Projekt der drei Systemgastronomie-Profis Oliver Blum, Thomas Bungardt und Kay Eulenbach. Hoons bringt Geflügelspezialitäten ins Haus und soll durch sukzessiven Aufbau eines bundesweiten Franchising-Netzes eine Art fliegender (aber besserer) Wienerwald werden. Aus dem Wienerwald kennen sich auch die Gründer, von denen zwei bereits das erfolgreiche Backfrisch-Konzept einer Mineralölgesellschaft sowie diverse Selbstbedienungsbäckereien ent­wick­elt haben. Der dritte Mann im GbR-Bund, Oliver Blum, beliefert mit seiner Erst-Firma seit Jahren erfolgreich Tankstellen mit standardisiertem Backgut à la Petit Bistro.

Kleine Brötchen - das stimmt hier also nicht. Warum aber haben Hoons die GbR und nicht gleich die GmbH gewählt, zumal die Anfangsinvestitionen beträchtlich sind? Die Antwort erstaunt: "Wir brauchen keine GmbH, weil wir uns vertrauen." Zudem sei die GbR die unkomplizierteste Gesellschaftsform, die Deutschland zu bieten habe. Einen Nothebel haben Hoons trotzdem angebracht. "Wir haben vertraglich festgelegt, dass Entscheidungen nur zu dritt gefällt werden können", so Blum. Das heißt: Stimmt einer gegen einen Vorschlag, können Vorhaben nicht realisiert werden. Eine Steilvorlage für Blockadepolitik? Mitnichten, findet Oliver Blum. Wenn Dreistimmigkeit gefordert ist, führt dies dazu, dass jeder die anderen überzeugt. Und bei Beschlüssen ziehen am Ende alle an einem Strang.

Keine Angst vor der gemeinsamen Haftung

Sie schätzen das Spontane an der GbR: Die am Vorabend entwickelte Geschäftsidee kann am nächsten Tag dank GbR lebendig werden: Die System-Gastronomie-Gründer der Hoons GbR (v.l.n.r) ­Oliver Blum, Kay Eulenbach und Thomas Bungardt vor ihrem Betrieb in Stuttgart

Vor der gemeinsamen Haftung - ein Punkt der andere Gründer oft direkt in die Arme der GmbH oder Limited treibt - hat keiner der Gründer Angst. Und dies obwohl der Aufbau des Geschäfts viel Geld verschlingt und es schon im Geschäftsmodell be­gründet liegt, dass rote Zahlen geschrieben werden müssen, bis genügend Franchising-Partner ge­wonnen worden sind und deren Läden richtig angelaufen sind.

Bei den Banken macht so viel Glaube an die eigene Idee bei hohem Risiko Eindruck. "Wir gelten ohne jede Frage als sehr viel kreditwürdiger als eine GmbH", betont Blum einen weiteren Vorteil der GbR. Die Hoons-Geschichte ist nicht ganz typisch. Sie ist aber ein gutes Beispiel, um auf den GbR-Geschmack zu bringen, wird die GbR doch vielfach - einseitig - als "böse Falle" beschrieben. Wer bereit ist einen Gesellschaftervertrag auszuarbeiten, keine Angst vor Haftung hat und schnell loslegen möchte, für den ist die GbR ideal.