Abmahn(un)wesen: Was ist Recht – was Abzocke?

Wie Sie Abmahnungen im Internet vermeiden

Autor: RA Timothy Ahrens

Nahezu täglich tauchen neue Berichte über teure Abmahnungen gegen Betreiber geschäftlicher Internet-Präsenzen auf. Viele Betroffene wissen nicht, was es mit diesen Forderungen auf sich hat und zahlen sofort, statt sich erst schlau zu machen. Wir klären auf.

Ob Homepage­Betreiber, eBay-Verkäufer, Chat-User oder Tauschbörsennutzer, keiner scheint vor kostenintensiven Ab­mahnungen durch Rechtsanwälte sicher. Häufig sind sich die Betroffenen dabei keiner Schuld bewusst und fallen bei Erhalt einer Abmahnung aus allen Wolken.

Was steckt hinter dem Phänomen „Abmahnung“, warum sind so viele Internetnutzer davon betroffen und was ist daran rechtens? StartingUp bringt mit Hilfe des im Internetrecht erfahrenen Berliner Rechtsanwalts Timothy Ahrens Licht in diesen für Nichtjuristen schnell undurchschaubaren und im Zweifelsfall teuer werdenden Sachverhalt:

Definition: Was ist eine Abmahnung?

  • Die Abmahnung ist eine außergerichtliche Aufforderung, also ein Mahnschreiben eines vermeintlichen Anspruchsinhabers an den Adressaten, in dem dieser aufgefordert wird, eine behauptete Rechtsverletzung unverzüglich einzustellen und zukünftig zu unterlassen.
  • In dem Mahnschreiben wird der behauptete Rechtsverstoß beschrieben, und es wird erklärt, wogegen verstoßen wurde. Unter Setzung einer kurzen Frist (zirka eine Woche) wird dann die Beseitigung des Rechtsverstoßes und die Unterlassung für die Zukunft verlangt.
  • Üblicherweise wird in der Abmahnung gleich auch Schadensersatz geltend gemacht und die Gebührenrechnung des abmahnenden Rechtsanwalts beigelegt.

Inhalt des Abmahnschreibens

Der Sinn einer Abmahnung ist es, einen behaupteten Anspruch schnell, kostengünstig und ohne Inanspruchnahme von Gerichten durchsetzen zu können. Das Abmahnschreiben besteht fast immer aus drei Teilen: der eigentlichen Abmahnung, der sog. strafbewehrten Unterlassungserklärung und der Gebührenrechnung des Anwalts.

Ein fiktives Beispiel: Ein Fotograf hat bei einer Recherche im Internet entdeckt, dass eine Firma ein Foto von seiner eigenen Homepage herunterkopiert hat und unerlaubt auf der Firmen-Homepage verwendet. Er beauftragt einen Rechtsanwalt, der daraufhin die Firma unter Fristsetzung auffordert, das unberechtigt verwendete Foto unverzüglich von der Homepage zu beseitigen und eine künftige Nutzung zu unterlassen. Gleichzeitig macht er Schadensersatz geltend.

Die Unterlassungserklärung

Um sicher zu gehen, dass sich der behauptete Rechtsverstoß in der Zukunft nicht bei dem gleichen Adressaten wiederholt, wird dieser gleichzeitig mit der Abmahnung dazu auf­gefordert, eine sog. strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben, also eine Selbstverpflichtung, das beanstandete Verhalten nicht zu wiederholen und bei Zuwiderhandlung eine angemessene Strafe zu zahlen. Wichtig zu wissen ist aber, dass es sich bei der beigelegten Unterlassungserklärung lediglich um einen Formulierungsvorschlag für den Adressaten handelt.

Dieser Vorschlag ist dabei in den meisten Fällen zu­gunsten des Abmahnenden formuliert und enthält dann oft auch Dinge, auf die der Abmahnende keinen An­spruch hat. Hier ist also größte Aufmerksamkeit geboten. So ist der Abgemahnte beispielsweise nicht verpflichtet, in der Unterlassungserklärung einen Schadensersatzanspruch des Abmahnenden anzuerkennen. Der Formulierungsvorschlag für die Unterlassungserklärung ist also in den meis­ten Fällen aus Sicht des Abgemahnten nicht als endgültig zu betrachten, sondern bedarf genauer Prüfung und eventueller Änderung.

Die Kostennote des Anwalts

Es ist in der Praxis üblich geworden, dass der abmahnende Rechtsanwalt seine Gebührenrechnung der Ab­mahnung direkt beilegt bzw. einen pauschalen Schadensersatz für seinen Mandanten fordert, indem die Rechtsanwaltsgebühren bereits enthalten sind. Im Falle einer rechtmäßigen Abmahnung besteht auch An­spruch auf Erstattung der eigenen Rechtsanwaltskosten.