Gründer der Woche: KidPick-App – kinderleicht koordinieren

Gründer der Woche 13/17


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KidPick will Eltern den Alltag erleichtern. Ob Abholtermine und Dates mit anderen Eltern und deren Kids ausmachen oder schnelle Infos in der Community austauschen – Anna Figoluschka leistet dies mit ihrer KidPick-App. Mehr dazu im Interview:

Die KidPick-App-Gründerin Anna Figoluschka, Foto: Malina Ebert


Wie bist du auf die Idee zu deiner KidPick-App gekommen?

Als ich vor drei Jahren die Idee zur KidPick-App hatte, war ich in Vollzeit als Sales Managerin in einer Agentur auf der anderen Seite der Stadt beschäftigt. Manchmal gab es die Situation, dass ich es nicht rechtzeitig schaffte, unseren Sohn aus der KiTa abzuholen, weil ein Bahnstreik oder ein Kundenanruf dazwischen kam. Das bedeutete, schnell einen Ersatzabholer finden zu müssen. Bloß, wie geht das so spontan in letzter Minute? Die einen erreicht man telefonisch gut, die haben aber keine Zeit, aber ein Pläuschchen muss sein. Die anderen erreicht man per WhatsApp, die können aber erst morgen einspringen, wieder andere "bitte nur per SMS kontaktieren".

Damals dachte ich, es muss die digitale Lösung geben, die genau diese Lücke schließt: all diejenigen kinderrelevanten Kontakte vereint in einer App, die sich auf das Wesentliche der Terminfindung fokussiert und das Hin und Her vermeidet. Für schnelle Lösungen eines Problems, das eigentlich keines ist, denn man hat durch die anderen Eltern in KiTa und Schulklasse vertraute Personen, die einen unterstützen können, und man würde im Tausch das Gleiche tun und deren Kinder mitbeaufsichtigen.


Ketzerisch gefragt: Warum genügt zur Kommunikation unter Eltern eigentlich nicht eine gewöhnliche WhatsApp-Gruppe? Da sind doch eh fast alle aktiv.

Ein Grund sind die fehlenden deutschen Datenschutzbestimmungen. Die Daten, die ich bei WhatsApp preisgebe, werden durch Dritte genutzt. Das kann man machen, aber spätestens wenn es um unsere Kinder geht, sollten wir einen anderen Maßstab anlegen. Da zählt Sicherheit und auch die Frage: Will ich, dass die Daten, die über mein Kind (und mich) gesammelt und gespeichert werden, mir oder dem Kind noch Jahre später nachhängen?

Ein anderer Grund ist das endlose Hin und Her in solchen Gruppen. Wenn ich z.B. frage: „Wann ist das nächste Fußballturnier der Kinder?”, antworten zig Leute mit mehr oder minder relevantem Informationsgehalt. Ganz am Ende des Chats erfahre ich evtl. das, was ich wissen wollte. Das raubt Zeit. Wenn ich guten Austausch oder Gespräche haben will, geht das ja nach wie vor besser am Spielfeldrand im persönlichen Gespräch als über Messenger Chats.

Ich bin auch für eine Trennung der verschiedenen Kontaktnetzwerke. Ich halte es für absolut unpraktisch, dass ich in sämtlichen sozialen Medien nur eine Identität mit meinem Klarnamen haben darf. Die Idee von KidPick ist die eines “Single purpose Messengers” – also auf eine Funktion begrenzt. Man ist doch kommunikativ in verschiedenen Funktionen unterwegs: privat oder privat mit Kind, beruflich an Neuorientierung interessiert oder beruflich im bestehenden Job befindlich etc.

Außerdem, auch ganz ketzerisch, bin ich der Meinung, dass wir Deutschen gut daran täten, etwas ebenso Praktisches und Besseres selbst zu bauen, als immer nur das amerikanische Vorbild zu nutzen.


Was waren dann nach der Ideenfindung die wichtigsten Schritte von der UG-Gründung bis zur fertigen App?

Für das "Ping Pong" zur Ideenentwicklung habe ich viel mit anderen Eltern und Kollegen gesprochen. Dann hatte ich einen Kooperationspartner, der IT-Projektmanager ist, und wir haben zusammen an der Idee gefeilt, das Pitch-Deck zusammen umgesetzt, das erste MVP als Web-App und mobile App bauen lassen, bis wir Entwickler gefunden haben, die die App nativ umsetzen würden. An diesem Punkt war ich leider plötzlich auf mich alleine gestellt, da der Partner sich wieder seinem Business zugewendet hat. Aufgeben war da für mich keine Option mehr.

Die Suche nach Investoren hat viel Zeit geraubt. Und die Aussagen "Erst das MVP mit Minimum 1000 Nutzern macht Investoren neugierig" und „Als Eltern gründen und in einem Accelerator aufgenommen werden ist aussichtslos, ihr könnt doch nicht 24/7 arbeiten, weil ihr Kinder habt”, haben mich dermaßen demotiviert, weiter zu suchen, dass ich mich entschlossen hatte, mit eigenem Geld und einem Privatdarlehen in die Umsetzung zu gehen.

Dann ging alles Schlag auf Schlag: Ich habe mich gleichzeitig um das Entwickeln der Wireframes und des Flowcharts, des UX-Designs sowie um sämtliche formalen Dinge der UG-Gründung und der Webseite alleine gekümmert und mit ehemaligen Kollegen umgesetzt. Das hieß: Gleichzeitig Netzwerk aufbauen, sich weiterbilden, einem Job nachgehen - ich bin nach wie vor für das Neugeschäft einer Agentur zuständig - und Mutter und Ehefrau sein.


Gab es Momente, wo du dir nicht mehr sicher warst, dass du dein Projekt stemmst?

Oh ja. Die Momente gab und gibt es. Die gehören dazu. Zumal ich als Solopreneurin nicht meinem Geschäftspartner zurufen kann: „Kümmere du dich mal, ich schaff das heute nicht!“ Zurzeit bin ich auf der Suche nach Entwicklern, die die App nicht nur wieder stabil zum Laufen bringen (da gab es mit den vorigen Entwicklern plötzlich Probleme), sondern nach wie vor auf der Suche nach Investoren, Förderern und Mitgründern, die das Potenzial einer digitalen Lösung, die bereits auf dem US-amerikanischen Markt gut angenommen wird, erkennen.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gehört nicht nur hierzulande zu den größten Herausforderungen für Eltern und Unternehmen. Die Möglichkeit, durch KidPick dazu beizutragen, dass sich Eltern vernetzen mit allen potenziellen, vertrauten Betreuern in ihrem Umfeld – seien es andere Eltern, Großeltern, Babysitter, Tagesmütter, Erzieher, Lehrer, Trainer –, und dadurch Entlastung erfahren, halte ich für ein wunderbares Ziel!


Nun zu deiner
KidPick-App. Auf den Punkt gebracht: Was kann sie, an wen richtet sie sich und was kostet sie?

KidPick ist eine App für Eltern, die Verabredungen, Abholtermine und Fahrgemeinschaften der Kinder im eigenen sicheren Netzwerk koordiniert. In der jetzigen Version ist KidPick eine “Verabreden-App”.  Eltern legen sich ein Netzwerk aus den kinderrelevanten Kontakten an und können gleich loslegen mit dem Verabreden

Dabei gibt es praktische Features wie neue Netzwerkmitglieder durch einen QR-Code schnell hinzufügen, einen Termin in den geräteeigenen Kalender übernehmen, Routenplaner öffnen (denn nicht jeder Abholer kennt den Weg zur Freundin der Tochter).

Die KidPick-App ist in der jetzigen Version als Freemium, also kostenlos, testbar. Nach einem Monat hat man sich x Freunde dazu eingeladen und nutzt die KidPick-App weitere x Monate kostenlos, dann zahlt man 2,99 Euro monatlich oder nimmt gleich das Jahresabo für 29,99 Euro.


Deine App wird international heruntergeladen. Sehr viele User kommen, wie du angedeutet hast, aus den USA. Wie kommt das?

Das hat mich auch zuerst erstaunt. Bei den Umfragen unter amerikanischen Eltern hatte ich vorab den Eindruck, kein amerikanisches Elternteil würde jemals sein Kind fremd betreuen lassen, jeder fährt und bringt die Kinder höchstpersönlich überallhin. In der Wirklichkeit sieht es aber ganz anders aus. Die USA sind in der englischen Android-Version, was die Downloadzahlen angeht, an erster Stelle. Das kommt, wie ich inzwischen gelernt habe, daher, dass US-Amerikaner nicht über die Sozialleistungen verfügen, die wir in Deutschland genießen. Es gibt weder bezahlte Elternzeit noch Kindergeld und auch keinen geförderten KiTa-Platz. Die Betreuung der Kinder muss also wahnsinnig flexibel gestaltet sein und ist Privatsache. Da leuchtet es absolut ein, dass US-Amerikaner auf Angebote wie die KidPick-App zurückgreifen, die Kommunikation rund um die Kinderbetreuung und Terminliches regelt. Außerdem sind Menschen in den USA erwiesenermaßen experimentierfreudiger, was neue digitale Angebote betrifft, als wir Deutschen.


Umso wichtiger für dich, hierzulande auf deine App aufmerksam zu machen – wie bist du da unterwegs?

Networking und Facebook haben sich als die wirksamsten Methoden erwiesen. Ich bin in der Entrepreneur-Szene und besonders unter den “Mompreneurs” gut vernetzt und werde sowohl von Bloggern als auch in Business-Netzwerken sehr unterstützt. Facebook-Kampagnen, Presseartikel und Interviews im Business-Umfeld lassen die Downloadzahlen ansteigen. Ansonsten hilft natürlich Mund-zu-Mund-Propaganda und die Weiterempfehlungen begeisterter Eltern. Für eine großangelegte Medienkampagne fehlte bisher das Geld. Wenngleich es schön wäre, mehr Aufmerksamkeit auf diese Alltagserleichterung für Eltern zu ziehen.


Was sind deine nächsten unternehmerischen Ziele?

Die Festanstellung von Entwicklern, PR- und Social-Media-Strategen sowie Designern ist das Ziel für dieses Jahr. Ich suche Leute, die hinter der Idee stehen, die das Potenzial begreifen und bereit sind, Zeit, Geld und Kompetenz zu investieren. Und es wäre großartig, KidPick noch mehr Zeit widmen zu können. Die Themen Digitalisierung und wirkliche Alltagserleichterung sind meine Leidenschaft.


Und wie immer zuletzt gefragt: Was rätst du anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Dreht lieber nochmal eine Extrarunde auf der Suche nach Mitgründern und Kapital, bevor ihr beschließt, alleine zu gründen. Außer es ist ein Produkt, das ihr völlig selbständig, ohne die Hilfe anderer umsetzen könnt. Das geht dann vielleicht auch leichter alleine. Aber alles, bei dem man auf die Performance anderer angewiesen ist, kann einen so sehr ausbremsen, dass es der Unternehmensentwicklung schadet. Ansonsten gilt: mutig sein, Vorbilder um Hilfe bitten, dranbleiben, resilient sein.

Hier geht’s zur KidPick-App

Das Interview führte Hans Luthardt

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