Gründer der Woche: Institut für Bestandsoptimierung – raus aus dem Logistik-Dilemma!

Gründer der Woche 10/17


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Für jeden produzierenden Betrieb ist die Optimierung seines Lagers ein wichtiges Thema. Zu wenig Bestand ist für die Produktion bzw. Auslieferung tödlich, zu viel Bestand bzw. fertige Ware bedeutet hohe Lagerkosten. Hier setzt das „Institut für Bestandsoptimierung“ an. Wie der Gründer Dr. Christian Kämmerer das Logistik-Dilemma lösen will, erfahren Sie im Interview:

Dr. Christian Kämmerer

Nach rund 25 Jahren Berufserfahrungen in Industrie und Beratung haben Sie sich Ende 2016 mit Ihrem „Institut für Bestandsoptimierung“ selbständig gemacht. Ein großer Schritt, zumal als 47-Jähriger? Oder „nur“ die logische Konsequenz aus längerfristigen Überlegungen heraus?

Zuerst einmal ist es natürlich logische Konsequenz, die Ergebnisse meiner Doktorarbeit – die ich in den letzten Jahren berufsbegleitend geschrieben habe – auch in die Praxis umzusetzen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, meine Managementposition in der Großindustrie aufzugeben. So kann ich mich voll und ganz für mein Institut einsetzen. Ein großer Schritt war es schon, doch manchmal muss man im Leben auch etwas Neues wagen. Wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt?

Was waren dann die wichtigsten Schritte bis zur Gründung Ihres Instituts?

Der wichtigste Schritt war die Umsetzung der Ergebnisse meiner Dissertation in ein Konzept, welches sich in der Praxis anwenden lässt. Ein weiterer, wichtiger Schritt bis zur Gründung waren die vielen Workshops und Gespräche, u.a. mit meinem Vorgründungs-Coach, den ich bei einem IHK-Seminar kennengelernt habe und der mir viele Kontakte erfolgreich vermittelt hat.

Nun zu Ihrem Business. Sie bieten Unternehmen die Optimierung von Beständen in Produktion und Lager und haben dazu eine eigene Software-Lösung entwickelt. Was kann diese Software? Welche Probleme werden damit gelöst?


Die Software habe ich beim KIT (Karlsruhe Institute of Technology) programmieren lassen. Sie kann produktspezifisch einen sog. kostenoptimalen Lieferbereitschaftsgrad ermitteln, wenn ich einige Parameter vorher ermittelt und eingegeben habe. Damit wird mit dem höchsten Genauigkeitsgrad eine gewisse Bestandshöhe abgeleitet und der Kunde kann – sofern er die Kundennachfrage nicht bzw. nicht genau abschätzen kann – die kostentechnisch ideale Bestandshöhe in seinem Lager vorrätig halten.

Und was unterscheidet Ihre Lösung damit von anderen?

Stochastische Lagerhaltungsmodelle in der Wissenschaft wie auch Wettbewerber-lösungen ignorieren heute oft und gerne sog. Fehlmengenkosten. Ich habe ja in meiner Dissertation herausgefunden, dass es bei stochastischer Nachfrage eben nicht ausreicht, nur die Kosten auf Seiten der Bestände oder Beschaffung zu minimieren, sondern diese müssen sozusagen als „Gegenpol“ mit den Fehlmengenkosten gespiegelt werden. D.h. ich muss zusätzlich überlegen, welche Kosten ich habe (z.B. entgangener Gewinn), wenn ich nicht lieferfähig bin und der Kunde irgendwo anders kauft. Weiterhin kann ich mithilfe komplexer Wahrscheinlichkeitsberechnungen herausfinden, wie hoch mein kostenoptimaler Lagerbestand ist, wenn z.B. in der Lieferkette mit Ausschuss oder anderen Fehlmengen zu rechnen ist. Dies kann keine andere Lösung so detailgenau abbilden.

Wer sind die von Ihnen anvisierten Kunden?

In erster Linie Zulieferer des Maschinenbaus, Anlagenbaus oder auch Automobilbaus, die idealerweise auch ihr Aftermarket-Geschäft selbst abwickeln. Außerdem Händler in der gleichen Branche sowie Logistikdienstleister, die das Bestandsmanagement für ihre Kunden übernommen haben.

Zurzeit sind Sie ein Ein-Mann-Unternehmen. Sie sind außerdem als Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen aktiv, haben gerade Ihre Dissertation abgeschlossen. Herzlichen Glückwunsch dazu! Wie meistern Sie das alles parallel?


Erst einmal vielen Dank! Ja, Sie haben Recht; es ist nicht immer ganz einfach, allem gleichermaßen gerecht zu werden. Das schafft man nur, wenn man alles sehr gut organisiert, aber auch die richtigen Prioritäten setzt. Ich bin froh und dankbar, dass meine Familie dafür großes Verständnis aufbringt und mich immer unterstützt. Das ist extrem wichtig, sonst hätte ich all dies nicht erreichen können.

Was sind Ihre unternehmerischen Ziele bis Ende des Jahres?

Ich will mindestens noch zwei Beratungsaufträge abschließen, davon einer im Mittelstand und einer in einem größeren Unternehmen.

Was raten Sie anderen Gründern aus eigener Erfahrung?

Netzwerke nutzen, Rückschläge als Chance sehen, hartnäckig bleiben und sich ei-nen erfahreneren Fachmann als Coach von Anfang an mit ins Boot holen. Und – last but not least – viel Geduld!

Hier geht's zum Institut für Bestandsoptimierung


Das Interview führte Hans Luthardt

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