Swipy, das Tinder für Mode

Gründer der Woche, KW 40


Tinder für Mode – das ist kurz gesagt das Geschäftsmodell von swipy.de (Tinder ist die mobile Dating-App mit Wisch-Technik: man wischt nach links für ein Dislike, nach rechts für ein Like). Wir sprachen mit Co-Gründer Benjamin Bilski.

UPDATE 01/2015

Anfang Oktober berichtete StartingUp hier im Gründer-der-Woche-Interview über das frisch gelaunchte Startup Swipy. Gründer Ben Bilsky erklärte vor allem seinen Bootstrapping-Ansatz.

Dieser hat sich mittlerweile (01/2015) ausgezahlt. Swipy hat soeben ein Investment im sechstelligen Bereich erhalten. Die Unternehmensbewertung liegt sogar im unteren siebenstelligen Bereich. 

Bei den Investoren handelt es sich um keine Unbekannten. Es sind der Gründer und Vorstand der Varengold Bank AG, Yasin Sebastian Qureshi, sowie sein Mitgründer und ebenfalls Vorstandsmitglied bei Varengold, Mohammad Hans Dastmaltchi. Beide sind u.a. beim Hamburger Erfolgs-Startup Kreditech investiert.

Die Social-Media-Strategie hat sich ausgezahlt

Seit dem offiziellen Startschuss der App konnte Swipy über 7.000 Downloads und 2.2 Millionen Swipes verzeichnen. Auch der Marketing-Ansatz ist relativ unique und hocheffizient. Das Startup hat seine ersten Downloads und Interaktionen komplett durch Influencer erhalten und konnte zunächst klassisches SEA vermeiden.

Vor allem sehr bekannte BloggerInnen hatten über Swipy berichtet. Auch Gewinnspiele in der App erwiesen sich als Quick Wins (Swipy-Schatzsuche – „finde den Gutschein unter allen Swipes“). Damit konnte die App sehr niedrige durchschnittliche Cost-Per-Installs (CPI) erzielen. Vor allem bei Instagram gelang es, eine gute Fan-Community aufzubauen.

Das Seed Investment will Swipy nun vor allem zur Weiterentwicklung der iOS- und Android-App einsetzen und für die Vorbereitung der Internationalisierung. Im Frühjahr soll Swipy in Großbritannien und in den USA in den AppStores verfügbar sein.

Benjamin Bilski, Swipy
Benjamin Bilski, Co-Gründer von swipy.de

Benjamin, was hat dich zu der Idee inspiriert? 

Im April 2014 zeigte mir jemand bei uns an der EBS Tinder, also die Flirt-Plattform, bei der man potenzielle Dating-Partner ganz einfach liken oder disliken kann, und zwar durch eine rechte bzw. linke Wischgeste. Diese Technik wollte ich mit meinen Co-Gründern Björn Scheurich und Alexander Braune im E-Commerce einsetzen.

Wie kamst du auf den Mode-Sektor?
 
Mode ist im E-Handel ein 10 bis 12 Mrd. Euro Markt. Zugleich gibt es ein so gigantisches Angebot, dass die Kunden hier einen Overload erleben. Es ist sehr schwer für den Verbraucher, den Überblick zu behalten. Außerdem hatte ich mich bei Recompare, einem anderen Startup von mir, mit Second-Hand-Mode für Frauen beschäftigt. Aus all diesen Gründen wusste ich: Die dankbarste Zielgruppe im E-Commerce sind Frauen mit Interesse an Mode. 

Wie funktioniert swipy.de?  

Optimal auf mobilen Devices. Es ist aber keine App, sondern voll Browser-basiert. D.h., man muss nichts runterladen, kann sofort loslegen. Klamotten bzw. Accessoires, die einem gefallen, wischt man nach rechts, sie wandern dann auf eine Wischliste, bzw. nach links, dann geht es weiter mit neuen Vorschlägen. Ja, und was einem gefällt, kann man dann direkt in den Partnershops kaufen.

Wie ist Euer Geschäftsmodell?

Wir haben Affiliate-Deals mit vielen angesagten Shops und Labels. Hier erlösen wir zwischen 6 und 10 Prozent des Bruttoumsatzes. Erweiterungen des Geschäftsmodells, z.B. in Richtung Empfehlungsprodukte, haben wir quasi griffbereit, aber wir wollen erstmal möglichst lean starten.

Swipy

Seit wann arbeitet ihr an Swipy?

Das ging am 1. Juni 2014 los und dann mit Volldampf bis jetzt, also Anfang Oktober. Da waren viele Nachtschichten dabei, ich arbeite meistens bis 3 oder 4 Uhr morgens. Ich mache ja noch meine anderen Startups und meinen Abschluss an der EBS.

Was war euer Leitmotiv bei der Entwicklung von Swipy?  

Wir wollten ein extrem barrierefreies Produkt. Ohne Download, ohne Anmeldung, ohne Stress, total einfach für die Verbraucher, nach dem Motto: Wischen und los geht’s. Der Gedanke, alles lean zu entwickeln, stand im Vordergrund. Und die absolute Fokussierung auf die Grundidee. Ich finde, das läuft bei vielen Startups falsch: Sie versuchen, alle möglichen Features zu entwickeln, so dass der Kunde sich am Ende darin verliert. Unser Ziel war, ein extrem leanes Produkt zu entwickeln – und durch Umfragen, User-Kommentare etc. herauszufinden, welche Erweiterungen der Kunde sich wünscht. Das können wir dann alles immer noch oben draufsetzen.

Wie habt ihr Euch finanziert?  

Von A bis Z nur durch Bootstrapping, d.h. komplett aus der eigenen Tasche. Die Frage hat uns permanent angeleitet: Wir können wir das alles möglichst kostengünstig umsetzen? Bootstrapping ist gut, zwingt einen, sehr fokussiert zu arbeiten. (Anmerkung der Redaktion: In der nächsten StartingUp sprechen wir mit Benjamin speziell über das Thema Bootstrapping).

Wie sieht Eure Marketing-Strategie aus?  

Wir setzen voll auf Multiplikatoren. Eine SEO-Strategie gegen die Fashion-Shops – da hätten wir keine Chance. Stattdessen priorisieren wir z.B. Instagram, vor allem die Mädels, die Mode posten. Hier gibt es etliche 18 bis 19jährige, die um die 120.000 bis 130.000 Follower haben. Die wollen wir überzeugen. Und natürlich die einschlägigen Blogs und Social-Media-Seiten. Also auch hier bootstrappen wir und starten mit ganz kleinem Marketing-Etat.

Was ist dein Tipp für andere Gründer?  

Man soll sich als Gründer auf seine Ideen fokussieren und nicht allzu sehr nach links und rechts schauen. Außerdem solltet ihr rational und sehr nüchtern an Eure Sache herangehen. Macht Analysen und Researches, macht Euch die KPIs bewusst und denkt klar darüber nach, wo ihr hinwollt. Grübelt nicht darüber: Was wäre wenn? 

Das Interview führt Jeff Jennerwein

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