Gründer der Woche: Nachbarschaft.net - schneller Kontakte knüpfen

Gründer der Woche, KW 31


Nachbarschaft.net will Menschen aus der Umgebung zusammenbringen: Per App kann man herausfinden, wer seine Nachbarn in einem Radius von 2,5 Kilometern sind, welche Interessen sie haben und was sie untereinander verbindet. Über die Idee und das Konzept sprechen wir mit dem Gründer Christoph Straube.

Nachbarschaft.net-Gründer Christoph Straube

Wir von StartingUp haben in unserer Ideenwerkstatt vor kurzem eine App-Idee mithilfe der Crowd entwickelt, die auch das Thema Nachbarschaft beinhaltet. Das Thema kam richtig gut an – wie und wann sind Sie auf die Idee zur Ihrer App gekommen?

Das war eher ein Zufall: Vor knapp einem Jahr haben meine Frau und ich auf einer Veranstaltung Nachbarn von uns getroffen, mit denen wir mittlerweile eng befreundet sind. Wir haben dann darüber geflachst, dass es doch mittlerweile im Zeitalter des Internets einfachere Möglichkeiten geben müsste, um herauszufinden, wer in seiner unmittelbaren Umgebung wohnt und ob es dort vielleicht Nachbarn mit gemeinsamen Interessen gibt. Daraus habe ich dann die Idee zur App entwickelt.

Was waren die wichtigsten Steps bei der Umsetzung der App-Idee?

Die wichtigsten Steps waren die technischen Entwicklungsschritte, die wir durchlaufen mussten, um die App tatsächlich voll funktionsfähig an den Markt zu bringen. Seit der Beta-Version Ende 2014 hat sich viel getan: Wir haben den kompletten Registrierungsprozess optimiert und die Matching-Funktion - das Herzstück der App –weiter verbessert. So ist gewährleistet, dass sich Nachbarn kennenlernen, die tatsächlich die gleichen Interessen haben oder deren Vorlieben sich gut ergänzen würden.

Was ist Ihr Hintergrund? Sind Sie App-Entwickler? Und ist die App Ihr erstes unternehmerisches "Baby"?

Nein, ich bin kein App-Entwickler, habe aber im Bekanntenkreis einen Programmierer, den ich für direkt mit ins Boot geholt habe. Meine erste Gründererfahrung habe ich allerdings schon vor Nachbarschaft.net gemacht: Ich habe  bereits 2011 die Wohnen & Leben GmbH gegründet, die Immobilienprojekte vor allem im Rhein-Main-Gebiet betreut.

Nun zu dem, was die App bietet. Was will und kann Ihre App?

Nachbarschaft.net ist ein lokales soziales Netzwerk, das der Anonymität der Großstadt entgegenwirken soll. Über die App kann man herausfinden, wer in der Nachbarschaft wohnt und ähnliche Interessen hat. Anders als bei Facebook werden nur Personen in der direkten Umgebung, also in einem Radius von 2,5 Kilometern angezeigt. Das bedeutet, man kann nur mit seinen realen Nachbarn in Kontakt treten und beispielsweise gemeinsame Jogging-Dates ausmachen oder einen geeigneten Nachhilfelehrer für seine Kinder suchen. Über die Matching-Funktion der Software haben sich in ganz Deutschland schon viele Nachbarn kennengelernt und verschiedenste Gruppen in der Nachbarschaft gebildet: Pokerrunden, Jogginggruppen und vieles mehr. Darüber hinaus können die User noch einen Nachbarschaftstratsch eröffnen, um beispielsweise einen Flohmarkt oder ein Straßenfest zu organisieren. Dazu gibt es in Frankfurt und Düsseldorf schon exklusive Vorteile, die in der Nachbarschaft genutzt werden können, beispielsweise Vergünstigungen bei ortsansässigen Handwerkern oder Rabatte in lokalen Geschäften.

Welche Art von "Datings" finden über Ihre App statt? Geben Sie uns bitte ein paar Beispiele?

Dating ist ein gutes Wort und natürlich interessant - bei uns geht es aber nicht um Dating, sondern darum, dass  Menschen mit gleichen oder ähnlichen Interessen sich kennenlernen, um gemeinsame Aktivitäten auszuüben. Das Matching funktioniert dabei über unterschiedliche Rubriken wie Sport, Hobbies, Kinder, Haustiere oder Sprachen. Natürlich kann man sich über den Private Chat mit seinen Nachbarn darüber hinaus auf verschiedenen Ebenen austauschen und sich näher kennenlernen, doch der Fokus liegt eher auf Familien: Mütter oder Väter können beispielsweise herausfinden, wer in der Nachbarschaft ebenfalls Kinder hat und sich auf dem Spielplatz verabreden.

Ich erfahre als Nutzer im Idealfall ja so einiges über meine Nachbarn. Umso wichtiger erscheint mir daher der Sicherheitsaspekt: Was genau muss ich als Nutzer für Angaben machen, wenn ich mich registriere?


Als Nutzer registriert man sich mit seinem kompletten Namen, seinem Geschlecht und der E-Mail-Adresse. Dazu gibt man noch die eigene Adresse ein, um in seiner realen Nachbarschaft aufzutauchen. Aufgrund der Altersbegrenzung der App wird dann noch das Geburtsdatum abgefragt. Die Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt und nicht weitergegeben. Die Schreiberlaubnis erhalten die User allerdings erst, sobald sie noch ihre Adresse verifiziert haben, indem Sie einen Ausweis oder eine Rechnung mit erkennbarer Adresse hochgeladen haben und ein Mitarbeiter von Nachbarschaft.net den Nutzer freigegeben hat. Nur so können wir sicherstellen, dass auch tatsächlich nur echte Nachbarn in der Nachbarschaft zu finden sind. Der User kann dann selbst entscheiden, was er von sich preisgibt. Man hat auch die Möglichkeit, seinen Standort zu verschleiern – man wird dann zwar in der Nachbarschaft angezeigt, aber nicht exakt dort, wo man auch wirklich wohnt.

Die Nutzer profitieren nicht nur vom Austausch mit Nachbarn. Sie erhalten auch Werbung von Unternehmen, idealerweise aus der Nachbarschaft. Wie kommt dies an? Als notwendiges Übel "Die App kostet ja nix" oder eher als nutzwertiger Zusatz?

Die Nutzer erhalten keine Werbung von Unternehmen – das ist so nicht richtig. Die User haben die Möglichkeit, sich über den Button „Vorteile“ anzuschauen, welche Unternehmen den Nachbarn spezielle Vergünstigungen bieten. Das kann der Nutzer aber selbst entscheiden, Werbung der Unternehmen wird anders als bei Facebook nicht angezeigt. Um einen Vorteil einzulösen, findet man entweder exklusive Codes oder man zeigt die App bei dem Unternehmen vor. Eine Handwerksfirma bietet ihren Nachbarn beispielsweise als Vorteil eine Arbeitsstunde gratis an, weil ihnen weniger Anfahrtskosten entstehen und sie in ihrem unmittelbaren Umfeld arbeiten. Mehr Sympathie und mehr Zusammenhalt in der Nachbarschaft sind vielen Unternehmen einen exklusiven Vorteil wert. Bisher haben wir dazu auch nur positives Feedback erhalten, weil die User nicht mit Werbung zugespamt werden, sondern sich bei Bedarf anschauen können, ob ein passender Vorteil in der Nachbarschaft verfügbar ist.

Sie sind seit März mit der App online - in welchen Städten kann man sie bereits nutzen und wie ist der Start bislang verlaufen?

Die App ist deutschlandweit nutzbar: Jeder kann Nachbarschaft.net nutzen und mit seinen Nachbarn in Kontakt treten. Und das tun immerhin schon etwa 20.000 User. In Frankfurt am Main und Düsseldorf sind darüber hinaus noch die bereits erwähnten exklusiven Vorteile nutzbar, also Vergünstigungen bei Dienstleistern oder in Restaurants oder Bars. Mit dem Start in den beiden Städten wollten wir erst mal testen, wie die App überhaupt bei den Nutzern ankommt. Dazu haben wir in den vergangenen Wochen und Monaten Umfragen gemacht und viel persönlich mit den Nachbarn gesprochen, um die App den tatsächlichen Bedürfnissen der User anzupassen und sie weiter zu optimieren. Seit einigen Wochen ist auch unsere neue Webseite verfügbar, damit Nachbarschaft.net auch per Computer voll zu nutzen ist.

Wie machen Sie auf Ihre App aufmerksam – welche Marketingkanäle sind hierbei am besten geeignet?

Wir haben einen Marketing-Plan mit unterschiedlichen Kanälen, die wir ausschöpfen. Wir haben vor einigen Wochen einen kleinen Spot online geschaltet, den wir für YouTube und TV-Spots nutzen. Dazu machen wir natürlich viel über Facebook und andere soziale Netzwerke. Aber auch spezielle Aktionen in der Nachbarschaft gehören dazu: Im Juli haben wir beispielsweise ein Tierheim in Frankfurt unterstützt, indem wir über die App Spenden gesammelt und auf dem Sommerfest kostenlos Eis und Luftballons für die Kinder verteilt haben. Dabei ist eine schöne Summe zusammengekommen. So konnten wir etwas Gutes tun und zeigen, was man in der Nachbarschaft alles erreichen kann.

Wie heben Sie sich von ähnlichen Ideen ab?

Wir sind aktuell die größte Nachbarschafts-App in Deutschland. Wir sind der Meinung, dass unsere App sehr gut durchdacht ist und den Nutzern einen Mehrwert bietet, denn sie ist an den tatsächlichen Bedürfnissen ausgerichtet. Der technische Aufwand war und ist enorm und wir stecken sehr viel harte Arbeit in Nachbarschaft.net, um eine App anzubieten, die sich über die Vorteile finanziert, für die User kostenlos ist, sie aber nicht mit Werbung bombardiert.

Eine Erlösquelle ist die Werbung in der App. Wie schwer ist es, Unternehmen - z.B. die Kneipe von nebenan - von der Möglichkeit zu überzeugen, in einer App Werbung zu platzieren?

Am Anfang mussten wir erst mal die Funktionalität und den Mehrwert für die Unternehmen testen. Jetzt können wir sagen, jeder Dienstleister bzw. jedes Unternehmen kann sich in der Nachbarschaft mit seinen Vorteilen positionieren und lernt so auch seine Nachbarn kennen. Mittlerweile haben wir schon viele Unternehmen von unserer Idee überzeugen können. Und die Entwicklung ist noch lange nicht zu Ende.

Welche Städte stehen auf Ihrer To-do-Liste? Und was sind Ihre weiteren unternehmerischen Ziele?

Wir wollen in den kommenden Monaten alle größeren Städte in Deutschland wie Berlin, Hamburg, Köln usw. abdecken und uns dann nach und nach um die kleineren Städte kümmern. Sehr interessant ist aber beispielsweise auch, dass kleinere Dörfer unsere Nachbarschafts-App quasi als Dorf-App nutzen können, da die gesamte Ortschaft in einem Radius von 2,5 Kilometern liegt. Also auch für kleinere Gemeinden ist die App sinnvoll. Ich denke, dass wir bereits im August die Grenze von 100.000 Usern erreichen können. Unser mittelfristiges Ziel ist es aber, die Millionengrenze zu knacken – vielleicht schaffen wir das ja schon dieses Jahr.

Last not least: Was raten Sie anderen Gründern, die sich mit einer App-Idee selbständig machen wollen?

Wenn Ihr eine gute Idee für eine App habt, probiert sie aus! Denkt aber daran, dass sich ein Produkt oder eine Dienstleistung nur dann wirklich durchsetzt, wenn es den Usern einen Mehrwert bietet. Dazu sollte man sich genau überlegen, ob man das Projekt auch finanzieren kann und wie man die laufenden Kosten, besonders die IT-Kosten, decken kann. Denn heute ist es nicht leicht, aus einer guten Idee auch wirklich Geld zu machen.

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Das Interview führte Hans Luthardt

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