Sie sind Hidden Champions

StartingUp-Interview

Autor: Holger Garbs
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Interview mit Dr. Ralf Weiß, der als Senior Researcher im Berliner Borderstep Institut maßgeblich an der Entwicklung des ersten Green Economy Gründungsmonitors mitgewirkt hat.

Foto: Cordula Giese

Herr Dr. Weiß - was genau ist ein grünes Unternehmen?
Wir sprechen bei einem grünen bzw. ökologisch ausgerichteten Gründer gerne von einem Ecopreneur. Ein Ecopreneur leistet mit seinen Produkten und Dienstleistungen einen Beitrag zu einer grünen Wirtschaft, beispielsweise mit Bio-Lebensmitteln, Recycling-Angeboten oder energiesparendem Bauen.

Wieso sind grüne Gründungen für Deutschland wichtig?
Es ist kaum bekannt, dass von allen Unternehmen in Deutschland rund 50 Prozent jünger als zehn Jahre sind. Mit Hilfe des Green Economy Gründungsmonitors ermittelten wir 2013 erstmals, dass der Anteil grüner Gründungen an allen Gründungen in deutschen Gründerzentren bei rund 14 Prozent liegt. Man kann also sagen, grüne Start-ups sind eine Triebfeder unseres wirtschaftlichen Erfolgs und Motor einer grünen Wirtschaft: Liegt der Weltmarktanteil der deutschen Industrie insgesamt bei sieben Prozent, beträgt er im Bereich der Green Economy 15 Prozent – mit entsprechender Relevanz für Arbeitsplätze und Steueraufkommen. Junge Ecopreneure sind grundsätzlich auch sehr innovativ. So bringen Start-ups bei Grundlageninnovationen deutlich häufiger Lösungen für bestehende Probleme auf den Markt als große und etablierte Unternehmen: Diese entwickeln eher Verbesserungsinnovationen. Einer der Gründe hierfür liegt darin, dass es in großen Unternehmen enge Zwänge gibt und Innovationen in kurzer Zeit Rendite bringen müssen.

Könnte man grüne Gründer als „Hidden Champions“ unserer Wirtschaft bezeichnen?
Ja. Die grünen Gründungen haben gute Chancen, sich mit neuen Lösungen am Markt durchzusetzen. Sie sind quasi potenzielle Champions. Dabei spielt unter anderem der Aspekt der grünen oder nachhaltigen Differenzierung eine wesentliche Rolle. Ein Beispiel: Ergobag in Köln entwickelte ergonomische Schulranzen aus Textilien, die zu 100 Prozent aus recycelten PET-Flaschen bestehen. Das war clever gedacht: Heute liegt der Marktanteil des 2010 gegründeten Unternehmens bereits bei 20 bis 25 Prozent. Die Erfolge grüner Gründungen sind oft nicht bekannt und bisher auch noch kaum wissenschaftlich untersucht. Grüne Gründungen sind ganz klar wichtig, um Lösungen für den Klimaschutz und für erneuerbare Energien zu finden, aber auch die Elektromobilität ist ein Feld, wo viele neue Lösungen und Dienstleistungen notwendig sind. Grüne Gründer brauchen gerade für technologische Entwicklungen entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten und die richtigen Kontakte. Bisher gibt es für sie noch viel zu wenig Unterstützung und gute Netzwerke.

Wie werden grüne Gründer gefördert?
Zunächst: Förderung ist sehr wichtig, aber nicht der Auslöser für einen grünen Gründer. Auslöser ist die eigene Motivation und die Erfahrung, dass es ein Produkt oder eine Dienstleistung noch nicht gibt, die einen intelligenten Beitrag zu einer ressourcen- und klimaschonenden Wirtschaft liefern könnte. Die Gründungsförderung ist in Deutschland grundsätzlich breit ausgerichtet und es gibt wenig Spezialisierung. Wir verfolgen das Ziel, dass 2020 zwanzig Prozent aller Existenzgründungen grün sind und setzen uns deshalb für eine entsprechende Schwerpunktsetzung bei der Gründungsförderung ein. Mit der bundesweiten Gründerinitiative Startup4Climate forciert das Borderstep Institut daher seit Mitte 2013 gemeinsam mit dem ADT-Bundesverband der deutschen Innovations- und Gründerzentren und mit der EXIST-Gründerhochschule Universität Oldenburg Unternehmensgründungen in den Zukunftsfeldern Klimaschutz, Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz.

Was empfehlen Sie potenziellen Gründern, die sich in der Green Economy selbständig machen wollen?
Der Schleswig-Holsteinische Umweltminister Robert Habeck bezeichnete kürzlich grünes Unternehmertum als gesellschaftliche Zukunftschance. Grüne Gründer sollten an ihre Idee glauben und ihr Geschäftsmodell in Wettbewerben und mit Business Angels weiterentwickeln. Im Rahmen unserer Gründerinitiative StartUp4Climate wollen wir grüne Gründer mit einem Netzwerk von Gründerzentren und Gründungsberatern bei der Einführung und Etablierung neuer Technologien und Dienstleistungen stärken.