Seine Absätze sind krisenfest

Europas erfolgreichstes Schuhgeschäft

Autor: Sabine Hölper

In Notzeiten übernahm Heinz-Horst Deichmann einst den väterlichen Schuhladen, formte daraus Europas führende Schuh-Einzelhandelskette und trotzt damit allen Krisen. Wie er es gepackt hat.

Es ist typisch für Dr. Heinz-Horst Deichmann, wie er eine aktuelle Presseerklärung kommentiert. Darin bilanziert das Unternehmen für das Jahr 2008 steigende Umsatz-, Mitarbeiter- und Filialzahlen (rund 2500 Läden in 19 Ländern) und prognostiziert eine ähnlich rasante Entwicklung auch für 2009. Deichmann bläst sich, obwohl hauptverantwortlich für diesen Erfolg, nicht etwa zum großen Zampano auf, der eben besser als seine Kollegen weiß, wie man Schuhe verkauft. Nein, der Inhaber des größten deutschen und europäischen Schuhhandelsunternehmens sagt, dass man die Zahlen vor allem deshalb veröffentlicht habe, weil es wichtig sei, in der Krise auch einmal Positives zu berichten. „Damit machen wir anderen Mut“, hofft Deichmann.

Bei aller Bescheidenheit – offensichtlich weiß Deichmann aber doch besser als andere Händler, wie man Schuhe verkauft. Immerhin erreichte die Deichmann-Gruppe im vergangenen Jahr in Deutschland ein Umsatzplus von 2,2 Prozent, während die gesamte Branche 2,1 Prozent weniger umsetzte. In Europa sah das Ergebnis des Essener Schuhhändlers mit plus 6,2 Prozent übrigens noch besser aus. Doch auch auf nochmalige Nachfrage, was er den Kollegen voraus habe, verrät Deichmann keine Strategie, die man dem aufstrebendem Management-Nachwuchs als Musterbeispiel mit auf den Weg geben möchte. Zu simpel klingt das, was der Seniorchef sagt: Deichmann biete „gute Schuhe zu sehr guten Preisen“. Und weil die Leistung stimme, blieben so viele Kunden dem Unternehmen über Jahrzehnte treu.

In Vaters Fußstapfen

Fast ein Jahrhundert ist es her, dass Heinz-Horsts Vater Heinrich Deichmann den Grundstein für das heute in 18 Ländern Europas tätige Schuhhandelsunternehmen legte. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg, im Jahr 1913, eröffnete er in einem Vorort von Essen eine  kleine Schuhmacherei. Das Geld war knapp, aber Deichmann voller Ideen und Tatendrang.

Gründervater Heinrich Deichmann 1921 vor seinem ersten Schuhladen in Essen-Borbeck

Und so nahm er einen Kredit auf und kaufte die modernsten Maschinen. Mit denen konnte er die Schuhe nicht nur schneller, sondern auch preiswerter reparieren als andere Schuster. Seine Kunden, fast ausnahmslos Bergleute, die solides und preiswertes Schuhwerk brauchten, honorierten Deichmanns Konzept. Und auch die Idee, fabrikgefertigte Schuhe ins Sortiment aufzunehmen, die Deichmann bereits kurz nach Kriegsende umsetzte, erwies sich als einträglich. Das Geschäft florierte und Deichmann expandierte. Bereits 1930 eröffnete der Schuhmacher die erste Filiale.
Doch nur zehn Jahre später, der Zweite Weltkrieg hatte begonnen, starb der Unternehmer im Alter von 52 Jahren.