Studenten-Start-ups

Gründen als Student

Autor: Birte Schwarz
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Sie filmen Hochzeiten, bieten Fitnesstraining an, entwickeln Internet-Shops: Immer mehr Studenten bauen sich eine Selbständigkeit auf, um ihr Studium zu finanzieren. Versicherungspflichten, Einkommensgrenzen, Fördermittel – was dabei zu beachten ist.

Kirche, Hochzeitstorte, weiße Tauben – für die einen ein Traum, für andere Kitsch, für Florian Mallasch Arbeit. Der 30-Jährige produziert Frischvermählten ihren persönlichen Hochzeitsfilm. Während seine Kommilitonen sich von der letzten Uniparty erholen, steht er mit Kamera und Stativ früh morgens auf Standesämtern vor Kirchen.

Eigentlich studiert Florian an der Ruhr-Universität Bochum Elektrotechnik, aber „schon nach dem Vordiplom hatte ich irgendwie keinen Bock mehr auf die Materie.“ Mit Filmen beschäftigt er sich schon seit seiner Jugend. Im Urlaub reifte die Idee, das Filmmaterial anderer Leute zu schneiden und aus dem Hobby einen Beruf zu machen. 2010 wagte er den Schritt in die Selbständigkeit: „Ich hatte schon Angst mich da in etwas zu verrennen. Deshalb habe ich mich intensiv darauf vorbereitet.“ Seminare bei der IHK und der Wirtschaftsförderung gehörten dazu.

Fotoapparat statt Lehrbücher?
Doch der erste Rückschlag kam schnell: „Die Reisefilme laufen unerwartet schleppend“, schmunzelt er. Stattdessen filmt er Hochzeiten. Allein unter Bräuten – hat er sich das so vorgestellt? „Meine filmischen Ideen kommen gut an. Außerdem habe ich schon viele verschiedene Kulturen kennengelernt – und das Essen auf Hochzeiten ist immer gut!“ Schon ein Jahr vor der offiziellen Gründung überließ der selbst ernannte Videograph nichts dem Zufall und sicherte sich ab: „Ich habe das Studentenleben genossen, aber nicht in Saus und Braus gelebt. So hatte ich genug für meine Anschaffungen angespart.“

Zusammen mit den ersten Honoraren investierte Florian nach und nach rund 5000 Euro in Kamera, Zubehör und Schnittprogramme. Erst als er von seinen Einnahmen leben konnte, gab er den gut bezahlten Nebenjob in einem Ingenieursbüro auf. Mit rund 1200 Euro pro Film kann Videograph Florian seine Ausgaben heute gut bewältigen, hinzu kommen kleinere Schnittaufträge. Mit gezieltem Marketing will er seine Position als Hochzeitsfilmer stärken. Sein Studium will Florian trotzdem noch beenden, sonst waren „zehn Jahre für die Katz“.

Versicherungspflicht und Einkommensgrenzen
Prinzipiell können Studenten sich genauso selbständig machen, wie jeder andere auch: als Freiberufler, Kleinunternehmer oder in einer GmbH. Doch es gibt Besonderheiten: Unter 25-jährige Studenten sind über ihre Eltern familienversichert. Das ändert sich, wenn die selbständige Tätigkeit zum Hauptberuf wird, also mehr als 20 Stunden pro Woche umfasst. „Dann ist man weder über die Familienversicherung noch über die Pflichtversicherung für Studenten abgesichert“, erklärt Dr. Friedrich Schreiber, Leiter des Startcenters NRW: „Man muss sich also entweder freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenversicherung versichern oder in eine private wechseln.“

Auch wenn das monatliche Einkommen 385 Euro übersteigt, endet die Familienversicherung. In diesem Fall wird man als Student mit rund 65 Euro monatlich krankenversicherungspflichtig, solange der Job nebenberuflich bleibt. Als Einnahmen zählen übrigens auch Einkünfte aus nicht selbständiger Arbeit, BAFöG hingegen nicht. „Krankenversicherungen sind da ziemlich pingelig. Klären Sie solche Fragen vor der Gründung, sonst kommen schnell rückwirkend Zahlungen auf Sie zu“, rät Schreiber.

Dies ist ein Auszug aus einem aktuellen Artikel unseres Print-Objekts StartingUp:
Den vollständigen Artikel lesen Sie in der aktuellen StartingUp - Heft 02/13 - ab dem 16. Mai 2013 im Handel oder jederzeit online bestellbar in unserem Bestellservice-Bereich

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Ausgabe 02/2013

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