Oldenburger Start-up-Power

Autor: Valeska Löns
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Wir stellen acht Gründer-Teams bzw. Start-ups vor, die zurzeit im Technologie und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) ihre Unternehmen bauen bzw. über ihren Geschäftsideen brüten.

Nicht nur in den allseits bekannten Start-up-Metropolen stehen Gründern Inkubatoren und Coworking Spaces zur Verfügung, die das Durchstarten vereinfachen bzw. beschleunigen können. An zahlreichen Standorten versuchen Wirtschaftsförderer mittlerweile sog. Cluster zu bilden. Ziel ist es, Unternehmen in der Nähe anzusiedeln, die Synergiepotenziale haben und die im Idealfall auch gemeinsam an Projekten arbeiten sollen. Und es gibt in vielen Regionen auch Technologie- und Gründerzentren, in die man sich als Gründer günstig einmieten kann.

Nicht nur in den Metropolen

In Oldenburg hat sich ein solches Zentrum kreativer Köpfe gebildet. Vom digitalen Lesezirkel bis zur Ausflugsplattform für Kreuzfahrtreisende hat sich dort in den vergangenen Jahren einiges getan. Das Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Einstieg junger Unternehmer in Oldenburg zu erleichtern. Geschäftsführer Jürgen Bath ist seit September 2010 Vorsitzender des Vereins Technologie-Centren Niedersachsen e.V. (VTN). 30 weitere Gründerzentren gehören ihm – das in Oldenburg ist das größte seiner Art in Niedersachsen. Auf rund 11.000 Quadratmetern sind circa 70 Firmen untergebracht. Nach dem Motto „Impulse geben – Impulse erhalten“ führt das 2002 errichtete Gebäude neue und alte Unternehmer zusammen. Hier heißt es voneinander lernen. Das fängt beim Einrichten des Internets und der Suche nach passenden Büromöbeln an und hört bei der Paketstation auf, die von den Mitarbeitern des TGOs betrieben wird. Die Oldenburger Start-ups können sich in den Räumen des TGOs frei entfalten und bekommen wichtigen Input, um nach ein paar Jahren das erste eigene Büro zu verlassen und sich eine neue Geschäftsstätte aufzubauen.


Wir stellen acht Start-ups vor, die zurzeit im Oldenburger Zentrum ihre Unternehmen bauen bzw. über ihren Geschäftsideen brüten:


Quantumfrog

Die Quantumfrog GmbH ist mit eigenen Worten das Web-, App- und Gaming-Entwicklerstudio aus Oldenburg. Es hat sich auf die Entwicklung von aussagekräftigen Webinhalten und digitalen Games und moderner Anwendungssoftware spezialisiert. Zu unterschiedlichen Themen und Geschichten konzeptioniert, programmiert und designt das junge 16-köpfige Kreativteam für jede Zielgruppe passgenaue Lösungen. Themen und Techniken, wie Augmented und Virtual Reality nimmt sich Quantumfrog ideenreich an. „Durch die zunehmende Digitalisierung in allen Lebensbereichen wird sich auch der Bedarf an Entertainmentsoftware stark wandeln. So können wir unserem Ziel im Bereich Gamification nachgehen, die positiven Wirkungen von Games auch in bisher spielfremden Kontexten, wie Bildung oder Marketing sinnvoll zu platzieren.“ Für ein größeres Vokabel-Lernspiel Projekt haben die jungen Unternehmer die erfolgreiche Zusammenarbeit mit einem der drei größten deutschen Schulbuchverlage gestartet. Die aktuellste Spiele-Entwicklung Voxel Clicker bekam im August zur GamesCom weitere internationale Aufmerksamkeit durch das sog. GTR-Accelerator-Programm, bei dem Quantumfrog unter die 10 besten Projekte aus 80 weltweiten Einreichungen gewählt wurde. Weiterhin entstehen in den Bereichen Industrie 4.0, der digitalen Wandlung für die sog. Mensch-&-Maschine-Interaktion, im Smart-City-Umfeld und im Serious Gaming innovative Projekte.

 

Cruvidu

Mit CRUVIDU entsteht eine Online-Plattform für individuelle Landausflüge entlang von Kreuzfahrtrouten. Mit diesem Planungstool soll jede Kreuzfahrtdestination zu einem einzigartigen Erlebnis werden. Das Gründertrio Dr.-Ing. Matthias Mertens, Simon Eilers und Janine Mertens, das seit September dieses Jahres durch das EXIST-Gründerstipendium gefördert wird, entwickelt eine nutzerfreundliche eTourismus-Plattform, welche die Besonderheiten einer Kreuzfahrtreise berücksichtigt. Ziel ist, Kreuzfahrt-Touristen Alternativen zu den geführten Ausflügen der Reedereien zugänglich zu machen. Die Web-Anwendung stellt die Sehenswürdigkeiten vor Ort übersichtlich dar und bietet ausgearbeitete Routenvorschläge sowie Angebote von Tourenvermittlern, immer unter Berücksichtigung der jeweiligen Liegezeit des Schiffs und Präferenzen der Reisenden. Janine Mertens weiß, dass man das Ziel als Gründer nie aus den Augen verlieren darf, egal wie häufig man das Gefühl hat auf der Stelle zu treten: „Zielstrebigkeit, Fleiß, der Glauben an die eigenen Fähigkeiten und das eigene Produkt, aber auch die Unterstützung und der Input von anderen Gründern, Netzwerken etc. spielen eine ungemein große Rolle.“

Oldntec

„Meine Kaffeemaschine hat mir das Leben gerettet“ – so werben Ralf Eckert und Thomas Frenken von der oldntec GmbH für ihren smarten Stromsensor namens ambiact. Der kleine Zwischenstecker erkennt, wenn elektrische Haushaltsgeräte untypisch lange nicht verwendet werden und löst auf Wunsch einen automatischen Notruf aus. Das gibt insbesondere alleinlebenden älteren Menschen ein erhöhtes Sicherheitsgefühl, ohne dass Sie an etwas denken oder etwas tragen müssen, wie etwa einen Notrufknopf an ihrem Handgelenk. Das Oldntec-Team weiß, dass man als Start-up einen starken Willen haben muss: „Uns muss die Gradwanderung gelingen, zum einen im pflegerischen Alltag eng mit unseren Kunden zusammen zu arbeiten, aber auch das ein oder andere Mal aus Wissen um die zukünftigen Entwicklung so sehr von den eigenen Ideen überzeugt zu sein, dass man auch gegen Widerstände Neues einführen kann. Diese Gradwanderung zu schaffen, zeichnet unser Team aus und macht uns hoffentlich eines Tages zu Vordenkern in der Pflege-Branche.“ Vor kurzem wurde schon der 1000ste ambiact verkauft. Zu den Kunden zählen u.a. die Johanniter-Unfall-Hilfe, das Deutsche Rote Kreuz und der Arbeiter Samariter Bund sowie einige private Hausnotrufbetreiber. Bislang liefen alle Verkäufe B2B. Mitte kommenden Jahres wird eine überarbeitete Version des ambiact erscheinen,  mit der die beiden Gründer erstmals den B2C-Markt adressieren wollen. Ziel ist es dann den Angehörigen dabei zu helfen, selbst für die Sicherheit ihrer Eltern oder anderen Familienmitgliedern zuhause zu sorgen.


vGen

Moderne Unternehmen sind im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung immer stärker auf eine passende und flexible IT angewiesen, um erfolgreich zu sein. Gleichzeitig werden Systeme und Software immer komplexer – das Management der IT eines Unternehmens wird zu einer anspruchsvollen Herausforderung. Hier helfen Bilder: Menschen können komplexe technische Zusammenhänge sehr gut verstehen und analysieren, wenn sie grafisch dargestellt werden. Dies ist die innovative Idee des Start-ups vGen als Ausgründung der Universität Oldenburg: Das Team hat eine Software entwickelt, mit der komplexe Informationen über technische Systeme und deren Zusammenhänge automatisch in grafischen Visualisierungen dargestellt werden. Die so erzeugten Diagramme ermöglichen ein neues Verständnis von IT und eignen sich für Präsentationen, Reports und als Diskussionsgrundlage – nicht nur für IT-Experten. Die Gründer Dr. Christian Dänekas, Dr. Philipp Gringel und Dr.-Ing. Steffen Kruse sind davon überzeugt, dass IT verständlich sein muss, um nützlich zu sein: „Unser agiles visuelles Analysewerk bündelt wissenschaftlich fundiertes Know-how zu IT-Management und Visualisierungen. Wir kombinieren das mit unserer Leidenschaft für gute Software.“


Studimus

Das Start-up Studimus produziert und vertreibt die ersten elektronischen Standaschenbecher der Welt. Der  Frashtray Aschenbecher ist eine innovative und saubere Lösung zur Tabakwarenentsorgung, die unter anderem bei ECE, Bünting und der Brasserie Grand Café im Einsatz sind. Bis das Studimus-Team mit ihrer Lösung für einen „Raucherbereich 4.0“ so weit war, hat es einiges lernen müssen: „Die vergangenen Jahre haben uns neben grundsätzlichen Bereichen einer Gründung auch durch den Patent-Dschungel, über die Gründerpreispools bis hin zu einem großen Netzwerk geformt. Lösungsfindung nach Betaphasen in der Entwicklung, eine gute Infrastruktur in der Produktion wie im Vertrieb, starke Partner und erste Piloten zu finden - all diese Meilensteine haben uns zu einem Ganzen gemacht.“


Vekoop

Das Food-Start-up Veekoop und bietet einen Onlineshop für vegane Lebensmittel - davon über 80 Prozent in Bio-Qualität. Das breite Sortiment aus über 1500 rein pflanzlichen Produkten bietet alles zur gesundheitsbewussten Ernährung: Für Allergiker, Vegetarier, Veganer, Flexitarier und alle, die sich gern bewusst ernähren. Der Shop hilft dank eines umfangreichen Filtersystems dabei zielgenau Produkte zu finden. Das endlose Lesen von Produktverpackungen ist damit Vergangenheit! vekoop beliefert dabei nicht nur Endkunden - auch Gastronomie und Hotellerie finden hier Zutaten für eine moderne und nachfrageorientierte Speisekarte. Gründer Timo Schliep erklärt: „Wir ziehen unsere Motivation aus der Begeisterung für unseren Shop und unsere Produkte, denn wir lieben einfach leckere Lebensmittel. Es ist großartig zu sehen, wie wir Food Marken eine Plattform geben können, um online anspruchsvolle Kunden zu erreichen. Außerdem stecken wir viel Leidenschaft auf den Vekoop-Blog und in unseren Newsletter, denn wir selber freuen uns auch über authentische Inspiration für gutes Essen.“ Zum Selbstverständnis gehört bei allen Aktivitäten auch die Nachhaltigkeit des Unternehmens selbst. Im Versand werden auf Wunsch gebrauchte Kartons genutzt und es wird CO2-neutral versendet! Das Start-up möchte vegane und nachhaltige Spezialitäten sprichwörtlich in alle Munde bringen, um die Welt ein bisschen leckerer und gesünder zu gestalten.


Filoni

Die Filoni-Gründer kamen auf ihre Produktidee, als sie feststellten, dass ein es ein nur sehr eingeschränktes Angebot an individuell anpassbaren Beschäftigungsmöglichkeiten speziell für mehrfachbehinderte Kinder gibt. Individualität, Barrieren, fehlende Inklusion und Entwicklungsverzögerungen der Kinder spielen hier eine wichtige Rolle. Vorhandene Produkte müssen oft nachträglich kostenintensiv und zeitaufwändig an die Bedürfnisse angepasst oder selbst gebaut werden. Anne Locker, eine der drei Gründer wusste, dass etwas passieren musste. „In unserer Masterarbeit haben wir Probleme behinderter Kinder im spielerischen Alltag identifiziert und entwickelten daraufhin das Filoni Spiel- und Lernsystem.“ Mit diesem Spiel- und Lernsystem und seinen vier zeitgleich und einfach höhenverstellbaren Standbeinen wird die Inklusion gefördert und Barrieren eliminiert, da es von allen Seiten barrierefrei zugänglich und von mehreren Personen zeitgleich nutzbar ist. Durch die Mitwachsfunktion und die austauschbaren themenbezogenen Systemplatten ist es anpassbar, multifunktional, flexibel und nachhaltig.


Sharemagazines


Sharemagazines
bietet über die gleichnamige App den digitalen Lesezirkel an. In verschiedensten Locations wie Gastronomiebetrieben, Arztpraxen und Kliniken ist die digitale Bibliothek verfügbar und hat ein Portfolio von über 180 Tageszeitungen und Magazinen. Der User registriert sich über ein einfaches Formular, dann schaltet er die Ortungsdienste ein oder verbindet sich mit dem WLAN. Mit dem sog. Locationfinder kann der Anwender sehen, ob der Service in seiner Reichweite verfügbar ist oder nicht. Deutschlandweit sind mittlerweile über 150 Locations Partner von sharemagazines. Es kann in Lieblingsmagazinen wie 11 Freunde oder der Brigitte gelesen werden. Auch namhafte Zeitungen wie die Welt kompakt oder die Hamburger Morgenpost sind in der App enthalten. Das große Plus gegenüber der Papiervariante: Es ist hygienischer auf dem eigenen Endgerät zu lesen und die Lieblingszeitschrift ist nie vergriffen. Die Gründer Jan van Ahrens und Oliver Krause haben sich an der Universität Oldenburg kennengelernt und ihre Firma im Oldenburger Technologie- und Gründerzentrum aufgebaut. „Durch unser starkes Wachstum haben wir uns jetzt aber auch dazu entschieden, ein Büro in Hamburg in den Gründeretagen „große freiheit“ zu eröffnen und die Vorteile einer Gründergroßstadt und die Nähe zu großen Verlagen und Investoren zu nutzen. Aber wir würden jederzeit wieder in Oldenburg gründen. Die Vorteile im Technologie- und Gründerzentrum überwiegen nach wie vor.“

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