Gründen mit einer App, Teil 4: Die Umsetzung

Wie Sie Ihre Ideen und Pläne in die Tat umsetzen.

Autor: Anne Schulze, Monika Weiß
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Die Tipps der vergangenen Beiträge zur App-Idee, Refinanzierung sowie zum rechtlichen Schutz waren eigentlich nur das Warm-up. Jetzt heißt es: Ärmel hoch und los geht’s mit praktischen Tipps zum Projektmanagement und zur Umsetzung.

Wasserfall, Scrum, nativ, hybrid –  Das klingt wie App-Kauderwelsch für Fortgeschrittene, sind aber wichtige Begriffe, mit denen Sie sich bei der Umsetzung Ihres App-Projektes auseinander setzen sollten. Welche Technologien eigenen sich wofür? Wie finde ich die passende Agentur? Welche Formen des Projektmanagements kommen in Frage? Ein Großteil der Entscheidungen hängt natürlich vom Inhalt Ihrer Anwendung ab. Genauso bedingen sich einige Punkte gegenseitig. Aber dazu später mehr.

Die Qual der Technologie-Wahl

In Deutschland kommen drei Betriebssysteme auf die größten Marktanteile: Android ist mit 74 Prozent führend, iOS folgt mit 17 Prozent und WindowsPhone verlor ein wenig, liegt jedoch trotzdem bei knapp 8 Prozent.

Falls Sie ein App-Konzept entwickelten, dass auf einer breiten und heterogenen Nutzermasse basiert, sollten Sie Ihre App entsprechend für alle gängigen Betriebssysteme bereitstellen. Hierzu eignen sich Hybrid-Apps, die mithilfe von Webtechnologien rund um HTML5 entwickelt werden. Die Anwendungen laufen mit einer Codebasis auf mehreren Betriebssystemen und können trotzdem auf native Funktionen wie Kamera, Bewegungssensor oder lokalen Speicher zugreifen.

Native Programmierung ist ein weiterer Entwicklungsansatz. Er bietet sich an, wenn Sie sich auf ein Betriebssystem spezialisieren möchten. In Unternehmen beispielsweise sind Apple-Geräte oft in der Mehrzahl, weshalb viele Business-Anwendungen direkt für iOS programmiert werden. Die Entwickler programmieren dann direkt in der für das Betriebssystem spezifischen Sprache, „der Muttersprache“.

Wie Sie die passende Agentur auswählen – 5 Tipps

Aus der App-Entwicklung ist ein riesen Markt geworden: 2013 gab es bereits über 1.000 Agenturen. Gut für Sie und Ihre App. Agenturen unterliegen einem großen Konkurrenzdruck, wodurch die Qualität vor allem im Service steigt. 

1. Erster Eindruck: Der erste vor allem optische Eindruck des Web-Auftritts ist bereits entscheidend. Falls Sie das Screendesign nicht selbst entwerfen, sind die Design-Kompetenzen der Agentur sehr wichtig.

2. Service: Welchen Service Ihnen die Agentur bietet, ist ebenso essenziell. Die Leistungen strecken sich meist von: Beratung, Konzeption, Design, Wartung, Hosting bis Vermarktung.

3. Referenzen: Handeln Sie außerdem nach dem Motto: Der Web-Auftritt ist gut, Referenzen sind besser. Egal wie schön die Seite aussieht oder was Ihnen die Texte versprechen, testen Sie die Referenzen. Eventuell gibt es sogar ein ähnliches Projekt. Das bestehende Know-How kann sich positiv auf die Qualität und die Entwicklungszeit Ihres Projektes auswirken.

4. Sympathie: Oft entscheiden sich Agentur-Kunden auch aufgrund eines subjektiven Bauchgefühls und nach Sympathie. Auf Social Media-Profilen geben Agenturen meist einen tieferen, privateren Einblick in ihr Tagesgeschäft. Dort können Sie sich ein Bild machen. Unterschätzen Sie die menschliche Ebene nicht – sie werden eine Zeit zusammenarbeiten. Kontaktieren Sie mehrere Agenturen und vergleichen Sie. Auch beim Erstkontakt spielt Sympathie eine große Rolle. An dieser Stelle bekommen Sie einen besseren Eindruck von der Beratungsqualität und dem Know-how. Auch eine schnelle Reaktion auf Ihre Anfrage zeugt von Professionalität.

5. Preis: Zu guter Letzt entscheiden viele Kunden anhand des Preises. Doch Vorsicht vor zu günstigen Angeboten. Eine Oxford Studie bewies, dass ein Sechstel großer IT-Projekte den Budgetrahmen über 400 Prozent sprengt. Achten Sie entsprechend auch auf die Preisbildung des Angebots. Können Sie die Angebotsstruktur und alle Posten nachvollziehen? Richtet sich das Angebot genau an Ihre Anforderungen? Konnte die Agentur Ihre Vision verstehen und gedanklich umsetzen?

Welches Projektmanagement-Modell eignet sich?

Eine Ursache, warum viele IT-Projekte aus dem Ruder geraten, ist schlechtes Projektmanagement. Auch hier existieren mehrere Ansätze – jeder mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen. Eine Variante ist das Wasserfall-Modell. Hierbei werden im Vorfeld der Entwicklung alle Anforderungen an die App so detailliert wie möglich definiert und in einem Pflichtenheft dokumentiert. Erst im Anschluss beginnen Design, Entwicklung und Testing. Ein Vorteil ist, dass im Vorfeld soweit möglich alle Faktoren geklärt sind. Ein Nachteil wiederrum ist, dass der Kunde seine Software erst am Ende der gesamte Wertschöpfungskette zu testen bekommt. Für kleinere und überschaubare Projekte kann das Wasserfall-Modell dennoch die geeignete Methode sein.

Das komplette Gegenteil ist Scrum. Hier wird zu Beginn die Vision des Kunden definiert, dass lediglich die Hauptfunktionen der App abgeleitet werden. Danach entwickelt das Projektteam meist in einem zweiwöchigen Rhythmus und schätzt die genauen Programmieraufwände. Dieses agile Arbeiten ermöglicht den Entwicklern, neue Funktionen, Erkenntnisse oder gar Ideen mit in die Programmierung einfließen zu lassen. Der Vorteil dieses Vorgehensrahmens  ist eindeutig die Flexibilität. Darüber hinaus bekommen die Kunden nach jedem Sprint eine testfähige Variante Ihres Produktes, wodurch auch Sie stets Teil des Entwicklungsprozesses sind. Da die exakten Aufwände allerdings erst im Laufe der Entwicklung geschätzt werden, erscheint es vielen Kunden als unsicher im Hinblick auf den Budgetrahmen. Scrum eignet sich vor allem für größere Projektgrößen.

Weitere Varianten sind Mischformen. Der agile Festpreis zum Beispiel fällt in diese Kategorie. Die Projektbeteiligten legen zu Beginn einen Maximalpreis fest. Die einzelnen Posten können sich allerdings ändern: Wird für eine Funktion Zeit gespart, können diese Aufwände für eine andere Funktion genutzt werden. Soll kurzfristig eine Funktion hinzukommen, wird diese mit einem anderen nicht so wichtigen Feature ausgetauscht. Das vermeintliche Risiko, die Planungssicherheit zu verlieren, sinkt dadurch deutlich. Ebenso möglich ist es – ähnlich wie bei Handwerkern – pro Stunde oder pro Tag zu bezahlen. Diese Variante nennt sich Time and Material. Auch das lässt sich mit anderen Projektmodellen verknüpfen, beispielsweise um das Design zur Entwicklung zusätzlich zu buchen oder Wartung- bzw. Hosting-Dienste zu beauftragen.

Kosten uns Entwicklungszeit – Was kommt auf mich zu?

Das lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten. Neben dem Funktionsumfang und der dahinterliegenden Logik beeinflussen Faktoren wie Technologie, Art der Schnittstelle, Backend-Anbindung und zeitlicher Rahmen den Preis.

Dennoch kann man sagen, dass eine einfache App mit wenig Logik und ohne Backend-Zugriff  ungefähr 5.000 Euro kostet und durchschnittlich zwei Monate Entwicklungszeit in Anspruch nimmt. Die nächst höhere Stufe ist eine Anwendung ohne eigenes Backend, jedoch mit einer Schnittstelle zu einem Backend-System, mehreren Views und einem Menü. Diese App liegt bei circa 20.000 Euro und vier Monaten Entwicklung. E-Mail-Client, Offline-Funktionen, Stabilitätsmaßnahmen bei Internetverbindungsproblemen usw. sind Umfänge einer komplexeren App. Hier beginnen wir bei ungefähr 50.000 Euro und liegen bei einer Umsetzungszeit von circa 7 Monaten. Nach oben gibt es, wie so oft, keine Grenzen.

Denken Sie auch an die Zeit nach dem Launch. Nach der Veröffentlichung der App fallen weitere sehr wichtige Aufgaben an, für die Sie ebenso Ressourcen einplanen sollten. Damit Ihre Anwendung mit anderen Apps mithalten kann, sollte sie einerseits stets auf einem technologisch aktuellen Stand sein. Andererseits sollten Sie die App zielgerichtet vermarkten, vor allem im B2C-Bereich.

Im letzten Artikel der Reihe "Gründen mit einer App" möchten wir Ihnen abschließend wertvolle Tipps anhand eines Praxisbeispiels geben: Die App StyleCheck ist brandaktuell in den App-Stores und der Gründer Tim Kahlhofen teilt seine Erfahrungen mit Ihnen.

Die Autoren Anne Schulze und Monika Weiß sind Marketing-Managerinnen bei der inhabergeführten App-Agentur FLYACTS GmbH. Die Full-Service-Agentur für mobile Apps und Web-Anwendungen entwickelt sowohl für Gründer und Start-ups als auch für etablierte Konzerne und begleitet ihre Kunden vom App-Konzept, der Entwicklung bis zur Vermarktung.

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